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Flüchtlinge: Ein Abend zum Kennenlernen

Über 150 Bauschheimer feierten am Freitagabend ein Fest der Begegnung mit Flüchtlingen aus Afrika, dem Nahen und Mittleren Osten.
Viele der Flüchtlinge kommen ursprünglich aus Syrien und versuchen, sich nun in Deutschland ein Leben aufzubauen. Foto: Frank Möllenberg Viele der Flüchtlinge kommen ursprünglich aus Syrien und versuchen, sich nun in Deutschland ein Leben aufzubauen.
Bauschheim. 

66 Menschen sind derzeit in der Flüchtlingsunterkunft im Rüsselsheimer Stadtteil Bauschheim untergebracht. Zwei könnten noch dazu kommen, dann ist die Kapazitätsgrenze erreicht. Männer, Frauen und Kinder warten auf die Ergebnisse ihrer Asylanträge und prägen nun das Bild des Stadtteils mit. Grund genug,einander kennenzulernen.

Die Nachwuchsmusiker unterhalten das Publikum und verzichten auf eine Gage. Bild-Zoom Foto: Frank Möllenberg
Die Nachwuchsmusiker unterhalten das Publikum und verzichten auf eine Gage.

Unter dem Motto „Auf gute Nachbarschaft!“ luden die evangelische und die katholische Gemeinde Bauschheim ins Bürgerhaus ein. Mit 125 Besuchern hatten sie gerechnet. Es wurden mehr. „Die Bestuhlung reichte nicht aus, wir mussten schnell noch für 25 Leute Tische und Stühle dazu stellen“, berichtete die evangelische Pfarrerin Ellen Schneider-Oelkers. „Jetzt ist der Raum schon wieder voll, und einige müssen stehen.“ Sie freute sich darüber, dass so viele gekommen waren: „Es herrscht eine gelöste Atmosphäre. Man spürt keine großen Hemmschwellen, und auch die Sprachbarriere wird zur Not mit Händen und Füßen überwunden.“

Pfarrerin Schneider-Oelkers und ihr katholischer Kollege Pastor Michael Eich hatten den Abend gemeinsam mit aktiven Gemeindemitgliedern geplant. Bei der Umsetzung half der Verein „Für Bauschheim“. Die Mitstreiter stemmten an diesem Abend zusammen mit den Flüchtlingen den Aufbau und spendeten gemeinsam mit Hassia sogar die Getränke. Das Essen kam von den Besuchern: Jeder brachte etwas mit und stellte es auf den Buffettischen ab. Von allem war reichlich vorhanden und für jeden Geschmack etwas dabei. Es gab sogar Live-Musik von der „Garage-Band“. Die Rüsselsheimer Nachwuchsmusiker verzichteten für die gute Sache auf ihre Gage.

Die Gemeindemitglieder helfen gerne. Sie haben bereits Kleider- und Sachspenden gesammelt und informierten auf verschiedenen Flipcharts im Raum über weitere Aktionen: Sprachkurse, ein Einkaufsshuttle nach Rüsselsheim, eine Fahrrad-Werkstatt und Kinderprogramme werden angeboten.

 

Gute

 

Gemeinschaft

 

Fälle, in denen die Flüchtlinge und Einheimischen in Konflikt miteinander geraten wären, sind den Organisatoren nicht bekannt. Und so betonte Pfarrer Eich in seiner Begrüßungsrede, dass der gemeinsame Abend „die Gemeinschaft zwischen Alt- und Neubauschheimern“ fördern solle. Auch Brigitte Herrberger, die Flüchtlingskoordinatorin der Stadt Rüsselsheim bedankte sich: „Ein Dankeschön an die Menschen, die die Flüchtlinge so herzlich aufgenommen haben. Die Leute, die hier gelandet sind, haben es gut getroffen.“

Stellvertretend für seine Leidensgenossen sprach Mohammed Ghassan Arksousi einige Worte. Er bedankte sich für den Abend, für die Aufnahme und für alles, was die Bauschheimer für die Flüchtlinge tun. Arksousi kommt aus Syrien. Sein Haus in Damaskus ist zerstört. Er musste fliehen, weil seine Heimat zur Front geworden ist. Seine Frau und seine drei Kinder konnte er bereits 2012 nach Dubai bringen. Sie sind dort in Sicherheit. Er selbst durfte wegen der strengen Einreisebestimmungen nicht bleiben. Deshalb hat er mit seinem Bruder und seinem Schwager vor drei Monaten den Landweg über die Türkei bis nach Serbien hinter sich gebracht. Er konnte über die Grenze nach Österreich fliehen, kurz bevor diese geschlossen wurde. Seit drei Monaten ist er nun in Deutschland, seit einem Monat in Rüsselsheim.

Kontakt zu seinen Liebsten hat er nur über Whatsapp und Skype. Umso mehr freut es ihn, dass er so gut aufgenommen wurde: „Thank you Bauschheim! You will see our thanks in the future!“ Die Flüchtlinge gaben an diesem Abend ein Versprechen ab: Sie wollen sich dankbar zeigen und zurückzahlen, was sie an Zuneigung und Freundschaft erfahren haben. So erwies sich der Abend als Erfolg und setzte ein Ausrufezeichen in Sachen Willkommenskultur.

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