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Begegnungsfest - Flüchtlinge kochen: Ein Dankeschön an die Bürger

In Astheim lebende Flüchtlinge kochten kürzlich für die Bevölkerung von Trebur. Das Ergebnis war ein schönes Begegnungsfest, das beide Seiten ein weiteres Stück nähergebracht hat.
Viele Bürger folgen der Einladung. Bilder > Foto: Ralph Keim Viele Bürger folgen der Einladung.
Trebur. 

„Nein, das ist nicht so scharf.“ Ahmed packte eine große Portion Reis mit einem Hähnchenschenkel auf den Teller. Doch der erste Bissen bewies, dass die Einschätzung, ob ein Essen scharf oder weniger scharf ist, auch eine Frage der Herkunft ist. „Für uns in Pakistan ist das überhaupt nicht scharf“, grinste Ahmed. „Das hier ist wesentlich schärfer“, deutete er auf einen anderen Topf, ebenfalls gefüllt mit einem Reisgericht. Doch schon die dunkelrote Farbe gebot Vorsicht bei empfindlichen Gaumen.

Aus Syrien, Afghanistan und Pakistan

Doch das Büfett, das am späten Nachmittag auf der freien Wiese zwischen dem Astheimer Jugendhaus und dem ehemaligen Hotel „Feldblick“ aufgebaut war, bot für jeden Geschmack etwas. Gemeinsam hatten die Speisen, dass sie für den europäischen Gaumen ziemlich exotisch waren, hatten doch ausschließlich Männer und Frauen aus Syrien, Afghanistan und Pakistan sie zubereitet. Damit dankten diese Menschen der Bevölkerung von Trebur dafür, dass sie als Flüchtlinge so herzlich in der Großgemeinde aufgenommen wurden. Allein im ehemaligen Hotel „Feldblick“ im Astheimer Gewerbegebiet leben seit vielen Monaten 70 bis 80 Flüchtlinge. In ganz Trebur sind es rund 110 Männer, Frauen und Kinder.

Verständigung mit Händen und Füßen

Am Büfett kamen Treburer und Flüchtlinge schnell ins Gespräch, wollte doch jeder wissen, was er sich da auf den Teller schaufelte. „Mit Händen und Füßen“, in Englisch und in Deutsch liefen die Gespräche an diesem Spätnachmittag ab. Doch auffällig war, dass sich die Flüchtlinge zurückhielten, während sich die Treburer begeistert die Teller füllten. „Das liegt daran, dass es in diesen Ländern die Höflichkeit gebietet, erst den Gast zum Zuge kommen zu lassen“, erläuterte Inge Stapf vom „Sozialen Netz“ Trebur, das mit Unterstützung zahlreicher ehrenamtlicher Kräfte die Betreuung der Flüchtlinge von Anfang an übernommen hat. Sie dankte ausdrücklich der Gruppe „Mir Trewwerer“, dessen Mitglieder Dutzende Fahrräder repariert haben, mit denen die Flüchtlinge mobiler sind. Der Nabu Astheim habe sich um die Logistik des Begegnungsfestes gekümmert.

Dutzende Selfies werden noch lange an das schöne Fest erinnern, das die Flüchtlinge und die Bewohner von Trebur wieder ein Stück näherbrachte. Der 32 Jahre alte Ahmed beispielsweise berichtete offen über sein Leben in Pakistan, wo der Ingenieur zuletzt fast täglich Repressionen erfahren habe. Im vergangenen Spätsommer entschloss er sich zur Flucht, seit Ende Oktober lebt er in Astheim. „Ich möchte in Deutschland bleiben und hier Arbeit finden“, bekräftigte der Pakistani, der bereits sehr gut deutsch spricht.

Für Bürgermeister Carsten Sittmann (CDU) war das Begegnungsfest das Resultat der Willkommenskultur, die in Trebur von Anfang an geherrscht habe und noch immerfestzustellen sei. „Selbstverständlich gibt es auch bei uns immer mal wieder kleine Probleme. Aber sie sind längst nicht so gravierend wie anderswo“, sagte Sittmann. Kleine Reibereien würden stets schnell gelöst.

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