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Tweet löst Lawine aus: „Einzig wahre Partei“: Sparkassen-Mitarbeiter lobt AfD von seinem Dienstaccount

Von Ein Mitarbeiter der Kreissparkasse Groß-Gerau hat die AfD gelobt und der SPD den Niedergang gewünscht – und das von seinem Dienstaccount. Ein Berliner veröffentlichte das bei Twitter und löste eine Lawine aus.
Der Tweet von Lauer. Der Tweet von Lauer.
Kreis Groß-Gerau. 

Die Alternative für Deutschland als „die einzig wahre Partei“. Mit diesen Worten hat ein Immobilienmakler am Montag eine E-Mail verschickt. Blöd nur: Er tat das über seinen Firmenaccount der Kreissparkasse (KSK). Der Adressat seiner Nachricht war SPD-Politiker Christopher Lauer in Berlin. Dieser hat mehr als 34 500 Follower beim Kurznachrichtendienst Twitter. Lauer machte die E-Mail des KSK-Mitarbeiters mitsamt eines Fotos öffentlich. Inzwischen wurden die Dateien mehr als 360-mal mit Gefällt mir markiert und fast 230-mal geteilt. Auf diese Weise erreichte die Mail mehrere Tausend Menschen im gesamten Bundesgebiet. Für die Kreissparkasse ein PR-Desaster.

Und so fiel die Antwort auf die Echo-Presseanfrage auch schmallippig aus. Die Stellungnahme im Wortlaut:

„Den Mitarbeitern der Kreissparkasse Groß-Gerau ist es untersagt, dienstliche Accounts für parteipolitische Mitteilungen jedweder Art zu benutzen. Den Mitarbeitern steht es frei, ihre Meinung im privaten Rahmen zu äußern. Deshalb handelt es sich bei der veröffentlichten Mail nicht um eine Stellungnahme der Kreissparkasse. Der betroffene Mitarbeiter wurde angehalten, die Unterscheidung zwischen seinen privaten Äußerungen und solchen der Sparkasse künftig genau zu beachten.“

Das Echo erreichte den Immobilienmakler am Dienstagmittag an seinem Arbeitsplatz. Explizit als Privatperson befragt, sagte der Betroffene am Telefon: „Ich habe nichts Böses geschrieben und stehe dazu.“ Von seinem iPad hatte er am Montagabend folgende Zeilen an Lauer geschickt:

„Sehr geehrter Herr Lauer, vielen Dank für ihre Aussage gegenüber dem Verhalten unserer Polizei an Silvester in Köln und dem Begriff Nafri !!! Ich und mein Bekanntenkreis sind uns nun endgültig sicher bei der diesjährigen BW [Bundestagswahl, Anm. d. Red.] die einzig wahre Partei zu wählen, nämlich AFD. SPD war einmal und versinkt Hoffentlich in der Bedeutungslosigkeit, es ist langsam unerträglich.“

Stein des Anstoßes für diese Zeilen war offenbar ein Statement Lauers zum Vorgehen der Kölner Polizei an Silvester. Die Beamten sollen den Begriff Nafri für Nordafrikaner benutzt haben. Diese Bezeichnung nannte Lauer gegenüber der Nachrichtenagentur dpa „in hohem Maße entmenschlichend“. Viele Medien hatten die Agentur – und somit Lauer – zitiert. Und so gelangte die Meinung des SPD-Politikers zu dem KSK-Mitarbeiter.

Dessen E-Mail kam am Montag um 17.40 Uhr bei Lauer an. Vier Minuten später veröffentlichte er den Screenshot – also ein Foto seines Handybildschirms – im Netz. „Ich hätte das nicht gemacht, wenn er die Mail von seinem privaten Postfach geschickt hätte“, sagte Lauer. So sei es jedoch „sehr irritierend“ gewesen. Schließlich handele es sich um interessante Informationen für Verbraucher, wenn sich ein Mitarbeiter unter dem Label der Sparkasse politisch betätige.

Lauer sagte dem Echo, dass der Mitarbeiter ihm in einer weiteren E-Mail am Dienstagmorgen „gedroht hat: Wenn ich den Tweet nicht lösche, dann stellt er Strafanzeige“. Lauer habe seine Anwälte konsultiert, diese hätten nur müde gelächelt. „Die Dateien“, so der Politiker, „bleiben im Netz.“

Von dem Immobilienmakler war zu erfahren, dass er inzwischen „mehrere Anwälte“ beauftragt habe. Die E-Mail von seinem dienstlichen Account zu schicken, sei ein Fehler gewesen. Die Vorgehensweise von Lauer wolle er nicht tolerieren. Dieser hatte nicht nur einen Screenshot der E-Mail hochgeladen, sondern auch ein Bild von der KSK-Homepage genommen und dazugestellt.

Lauer, der fünf Jahre im Berliner Abgeordnetenhaus saß, legte am Dienstagnachmittag noch einmal nach. Bei Twitter ließ er wissen: „Und was die ganzen Herrenmenschen nicht zu kapieren scheinen: Er kann wählen was er will, er kann sich den Wahlzettel auch rektal einführen. Was er nicht kann ist, über seine Sparkassen-Emailadresse seine politische Meinung kund tun.“

 

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