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Staatsminister über Flüchtlingssituation: „Es fehlt an Struktur und Geld“

Staatsminister Michael Roth verschaffte sich bei einer Gesprächsrunde mit Landrat Thomas Will in Trebur einen Überblick über die Flüchtlingssituation der Region. Dabei wurde klar: Ohne Ehrenamtliche geht es nicht.
Im Gespräch: Gerold Reichenbach, Marie Scharfenberg, Walter Astheimer, Kristine Nadler, Michael Roth und Thomas Will (v.l.). Foto: Stella Lorenz Im Gespräch: Gerold Reichenbach, Marie Scharfenberg, Walter Astheimer, Kristine Nadler, Michael Roth und Thomas Will (v.l.).
Trebur. 

Es war ein wichtiges Gespräch, das an diesem ersten Adventswochenende in Trebur gehalten wurde: Der Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, Michael Roth (SPD), informierte sich und diskutierte mit dem Landrat des Kreises Groß-Gerau, Thomas Will (SPD), dem Ersten Kreisbeigeordneten Walter Astheimer (Grüne), dem Bundestagsabgeordneten Gerold Reichenbach (SPD), der Koordinatorin des Sozialen Netzes Trebur, Kristine Nadler, sowie den Ehrenamtlichen Inge Stapf und Markus Kolb.

Roth ist derzeit viel unterwegs, um sich ein Bild der Flüchtlingssituation in den deutschen Gemeinden zu machen. Der politisch-regionale Austausch mit den Menschen direkt am Ort gebe vor allem darüber Aufschluss, woran es derzeit akut mangele und welche Fortschritte gemacht würden, so Roth. Dass der Kreis Groß-Gerau und das Soziale Netz Trebur hier mit Informationen aus erster Hand dienen konnten, zeigt sich schnell: „Es fehlt an Struktur und Geld. Beides würde zum Beispiel die berufliche Integration der Flüchtlinge beschleunigen“, erklärte Markus Kolb und nannte als Beispiel den steinigen Weg eines syrischen Schreiners, der keine berufsqualifizierenden Papiere bei sich hatte.

Konkrete Anlaufstelle ist wichtig

Der Handwerkskammer sind vorerst die Hände gebunden, und so zieht sich der Prozess der Arbeitsvermittlung hin. Das steht einem selbstständigen Berufsleben und einem Auszug aus den bezuschussten Wohnungen natürlich im Weg. Solche Geschichten sind keine Einzelfälle, wussten die anderen ehrenamtlichen Anwesenden zu erzählen, und auch Reichenbach erlebte die bürokratischen Hürden beim Thema Flüchtlinge im politischen Alltag.

Es gab aber auch Positives zu berichten. Thomas Will, der mitten im Wahlkampf steckt, erläuterte, dass kurze Wege und die persönlichen Verbindungen zwischen allen Beteiligten ein großes Plus seien: „Wenn beispielsweise ein Anhänger oder Büromaterialien benötigt werden, können wir meist sofort helfen.“ Solch eine konkrete Anlaufstelle sei gerade für die Ehrenamtlichen ein wichtiger Punkt, stimmte Kristine Nadler zu. Auch der konstruktive Diskurs mit den Politikern mache einen Unterschied: „Das ist viel sinnvoller als eine E-Mail zu schreiben“, meinte sie.

Michael Roth sah die bisherigen Erfahrungen seiner landesweiten Besuche auch in Trebur bestätigt: „Die große Hilfsbereitschaft ist der rote Faden. Die Ehrenamtlichen schaffen in kurzer Zeit, was die Politik aufgrund komplizierter, aber notwendiger Verfahren erst einmal nicht umsetzen kann.“ Dennoch funktioniere Ehrenamt nicht ohne Hauptamt, es müsse zusammen gearbeitet werden.

Auffallend, so Roth, sei aber auch die große Wohnungsnot für Flüchtlinge im Rhein-Main-Gebiet. Hiesige Asylbewerber seien aufgrund der Knappheit länger im Wohnheim als anderswo, „da muss noch was passieren“. Außerdem sei es wichtig, dass die Ehrenamtlichen nicht ausbrennen durch das, was sie – meist zusätzlich zum normalen Beruf – stemmen. Hier wies er auf den Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) hin, der erstens auch für Erwachsene und ältere Menschen absolvierbar und zweitens vergütet ist, also zum Beispiel Mobilitätskosten decken könne.

Es wird Schritt für Schritt besser

Abschließend plädierte er für einen Konsens in der Flüchtlingsdebatte, auf kommunaler, Landes- und Bundesebene: „Streit in der Politik ist Gift für alle Beteiligten – für die Flüchtlinge, für Ehrenamtliche und für die Skeptiker, für die ein Zwist Wasser auf die Mühlen ihres Misstrauens ist.“ Wenn „die da oben“ sich nicht einig sind, sei das keine gute Basis. Dem stimmte Walter Astheimer zu: „Dass das schwierig ist, wissen wir ja alle. Wir sind aber noch am Anfang, und es wird Schritt für Schritt besser. Außerdem muss man sich klar machen: Wir machen das seit nicht mal zwei Monaten – das kann kein anderes Land so leisten.“ Gerold Reichenbach ergänzte: „Wir sind gut aufgestellt.“

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