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Krankenhaus: Geschäftsführer stellt Quartalsbericht vor: Kreisklinik auf richtigem Kurs

Von „Was hinter den nackten Zahlen steht, bedarf der Erläuterung, und davor habe ich keine Angst.“ Mit diesen Worten stellte sich Krankenhaus-Direktor Reinhold Linn den Fragen der Kreistagsabgeordneten zum Statusbericht der finanziell stark gebeutelten Kreisklinik Groß-Gerau.
Weg von den roten Zahlen: Die Kreisklinik investiert laut Quartalsbericht in mehr fachliche Kompetenz, um für die Bevölkerung im Kreis attraktiver zu werden. Foto: Peter Mikolajczyk Weg von den roten Zahlen: Die Kreisklinik investiert laut Quartalsbericht in mehr fachliche Kompetenz, um für die Bevölkerung im Kreis attraktiver zu werden.
KREIS GROSS-GERAU. 

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass Landrat Thomas Will (SPD) und Krankenhaus-Direktor Reinhold Linn nach langem Ringen um den Erhalt der Kreisklinik in einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit mitteilten, dass sie trotz eines Defizits von rund fünf Millionen Euro im Jahr 2016 weitergeführt wird. Natürlich mit dem Ziel, die wirtschaftliche Situation der Klinik zu verbessern.

In der jüngsten Sitzung des Kreissozialausschusses stellte nun Geschäftsführer Reinhold Linn den Ausschussmitgliedern den Statusbericht der Kreisklinik vor. Für das erste Quartal 2018 verzeichnet die Klinik ein Minus von rund 990 000 Euro. Geplant war lediglich ein Defizit von rund 200 000 Euro. Warum dieses schlechte Ergebnis?, wollten die Fraktionen wissen. Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2017 war ein Minus von nur rund 400 000 Euro zu Buche geschlagen – weniger als die Hälfte des aktuellen Fehlbetrags. „Die Durststrecke ist länger als gedacht“, räumt Landrat Will ein. Erst im Sommer 2017 begann der Kreis mit der Umstrukturierung der Kreisklinik.

Kooperation gescheitert

Erschwerend sei hinzugekommen, dass Ende 2016 die Zusammenarbeit mit dem GPR-Zentrum Rüsselsheim, dem Klinikum Darmstadt sowie Vitos Riedstadt zur Errichtung eines Zentrums für Altersmedizin in Groß-Gerau gescheitert war. „Aufgrund der Kooperation hatten wir Stellen nicht mehr besetzt und Pflegepersonal abgebaut“, erinnert Will. Dies gelte es wieder rückgängig zu machen, was sich unter anderem durch steigende Personalkosten bemerkbar mache.

Unter massiver personeller Unterbesetzung litten laut Quartalsbericht die Hebammen, die Pflege, Ärzte der Gynäkologie sowie Assistenzärzte der Inneren Medizin. Zudem gelte es, Belegärzte im Bereich der Orthopädie/Unfallchirurgie und Neurochirurgie zu gewinnen. Ebenfalls gebraucht würden spezialisierte Ärzte, um ein Diabetes- und Darmkrebszentrum aufzubauen.

Insgesamt 38 Maßnahmen führt der Geschäftsführer im Bericht auf – vom Aufbau eines Risk-Managements bis zur Umstellung der Zentral- und Speisenversorgung wird die Kreisklinik neu aufgestellt. Das neue Konzept diene dazu, die Klinik als eine Einrichtung für die Bürger in der Region zu positionieren, ganz nach dem Slogan „Wir sind in der Nähe, wir sind da!“. An vorderster Stelle stehe dabei die Versorgung der Kreisbevölkerung in den Bereichen der Grund- und Regelversorgung, so Reinhold Linn.

Höherer Erlös erwartet

Die notwendigen Investitionskosten würden durch die künftigen Erlössteigerungen kompensiert, argumentiert er. Das mache sich bereits an der gestiegenen Fallzahl bemerkbar. Im ersten Quartal 2018 liegt die durchschnittliche Auslastung der Klinik mit 2362 Fällen bei 79 Prozent, fünf Prozentpunkte mehr als noch vor einem Jahr. „Unser Ziel ist es, 22 Prozent mehr Fälle aus dem Kreisgebiet zu behandeln“, sagt Linn. Von 7961 Patienten im Jahr 2017 auf 8422 in den Folgejahren. Deutlich sollen die Erlöse aus den Leistungen steigen, die das Krankenhaus mit den Krankenkassen abrechnet. Und zwar um 1300 Punkte.

Die Abrechnung mit den Krankenkassen wird nach einem Punkte-System vollzogen. Danach hat jede medizinische Dienstleistung eine bestimmte Punktzahl. Die Operation eines Blinddarms beispielsweise wird mit 0,5 Punkten berechnet. Je komplizierter die Dienstleistung, desto höher die Punktzahl. Derzeit erbringt ein Punkt nach dem Landesbasisfallwert (LBFW) rund 3300 Euro. Im ersten Quartal 2018 erwirtschaftete die Klinik 1946,9 Punkte, 48,8 Punkte mehr als im Vergleichsquartal 2017, was für die Klinik Mehreinnahmen von rund 160 000 Euro bedeutet. Mit einem höheren LBFW wie in Rheinland-Pfalz (3600 Euro) könnte das Defizit abgeschmolzen werden, so die Hoffnung. Für das Land Hessen steht die Entscheidung über den LBFW für das Jahr 2018 noch aus.

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