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Umwelt: Grundwasserbelastung durch Landwirtschaft nimmt stetig zu

Die Schadstoffbelastung des Grundwassers durch die Landwirtschaft ist ein stets relevantes Thema, das auch mit Konsumverhalten zu tun hat. Es gäbe Lösungsansätze.
„Das Grundwasser vergisst nicht.“ „Das Grundwasser vergisst nicht.“

Gelbe Grasbüschel hängen schlaff über dem brachliegenden Acker nahe der Wasserschutzzone 2. Am Feldrand leuchtet satt das Grün, was von den Unkrautvernichtungsmitteln verschont wurde. Es regnet. Ein paar Tage später wird der Acker umgepflügt, von gelbem Gras ist nichts mehr zu sehen. Auch von den Pestiziden wird es zunächst keine Spur geben.

„Das Grundwasser vergisst nicht“, zitiert Herbert Wedel eine Weisheit eines ehemaligen Chefs. Der Fachbereichsleiter für Wasser und Bodenschutz des Kreises Groß-Gerau kennt diese Vorgehensweise vieler Landwirte, sie ist nicht verboten. Pestizideinsatz ist zugelassen, ebenso die Düngung mit Gülle.

Bis die Rückstände durch alle Sedimentschichten hindurchgesickert sind und das Grundwasser erreichen, vergehen 30 bis 40 Jahre. Konkret heißt das, dass die Umweltsünden der 70er Jahre heute noch Auswirkungen haben. Um die schädlichen Stoffe herauszufiltern, muss das Wasser umständlich aufbereitet werden. „Irgendwann wird sich das finanziell bemerkbar machen“, meint Wedel.

Das Grundwasser im Kreis sei „schon stark belastet“, erklärt Sven Christiansen, der den Fachbereich Regionalentwicklung, Bau und Umwelt leitet. „Der geringe Grundwasserflurabstand sorgt dafür, dass der Weg der Stoffe ins Grundwasser kurz ist.“ Eine Kontrolle über die von den Landwirten verursachte Belastung gibt es kaum. Geprüft werde anlassbezogen, etwa bei einem konkreten Hinweis. Landwirte seien in der Regel selbst verantwortlich.

Aber kommen sie dieser Verantwortung auch immer nach? „Es gibt jede Menge schwarze Schafe“, sagt Herbert Wedel. Der Nachweis sei nur sehr schwierig zu erbringen. „Die meisten Bauern“, betont Christiansen aber, „halten sich an die Vorgaben.“ Kurz gesagt: Es gibt Verordnungen und Richtlinien, aber keine Regelmäßigkeit der Kontrollen. Dafür fehle auch schlichtweg das Personal.

Kleve zahlt Prämien

„Das Problem von Glyphosat und Co. ist die gute Effizienz“, ergänzt Christiansen. „Es wirkt einfach schnell.“ Die leidende Fauna – Stichwort Insektenschwund – sei da ein zu verschmerzender Nebeneffekt. Wedel meint weiterhin: „Solange wir billige Lebensmittel haben wollen und kaufen, wird sich nichts ändern.“

Im nordrhein-westfälischen Kleve gibt es seit gut 20 Jahren ein funktionierendes Modell, das die Nitratbelastung in der Gegend gering hält. „Wir zahlen den Landwirten Prämien, wenn sie die Stickstoff-Zielwerte einhalten“, erzählt Rolf Hoffmann, Geschäftsführer der Stadtwerke Kleve. Alle 32 Landwirte des Einzugsgebiet haben sich vertraglich dazu verpflichtet, verantwortungsvoll zu düngen. Das Geld, was der Wasserversorger normalerweise als Wasserentnahmeentgelt abgeben müsste, fließt stattdessen in die Bonuszahlung an Landwirte.

Das Land Hessen hat das Entgelt 2003 abgeschafft, eine Finanzierung dieser Art ist also hier nicht möglich. Lichtblicke bietet aber das Unternehmen Hessenwasser, das Teile Rüsselsheims mit Trinkwasser versorgt und seit Jahren Kooperationen mit Landwirten in Wasserschutzgebieten anbietet. Wer gewässerschonend wirtschafte, habe Anspruch auf Ausgleichszahlungen, erklärt Unternehmenssprecher Dr. Hubert Schreiber.

„Hier haben wir noch Glück, die Grundwasserbrunnen sind sehr tief angelegt“, so Schreiber. Akut sei die Belastung des Trinkwassers kein Problem, allerdings müsse man das„langfristig mit Sorge betrachten.“ Wann diese „Zeitbombe im Boden“ explodiere, sei nicht konkretisierbar.

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