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Wohnungsvermittler profitieren von Nähe zur Stadt Frankfurt: Hoteliers fürchten private Anbieter

Der Tourismus in der Region boomt – von Jahr zu Jahr kommen mehr Besucher in die Stadt. Manche Rüsselsheimer wollen an dem blühenden Geschäft teilhaben.
Das Airbnb-Angebot in Rüsselsheim und Raunheim Das Airbnb-Angebot in Rüsselsheim und Raunheim
Rüsselsheim. 

New York, London, Rüsselsheim – die private Wohnungsvermittlung Airbnb hat den Tourismus auf der ganzen Welt revolutioniert. Statt im Reisebüro in Katalogen zu wühlen, reichen ein paar Klicks im Internet, schon hat man sich für einen gewünschten Zeitraum bei einem privaten Wohnungsanbieter eingemietet. Airbnb befriedigt den Wunsch, nicht bloß als ortsfremder Tourist durch eine Stadt zu schlendern, sondern dank der Hilfe des Gastgebers direkt ins Lebensgefühl einer Stadt einzutauchen. Auch in Rüsselsheim gibt es immer mehr solcher Anbieter. Schaut man auf der Plattform nach, so stößt man mittlerweile auf rund zehn solcher Angebote – vom Kellerzimmer bis hin zu einem kleinen Häuschen. Der Preis für eine Nacht in Rüsselsheim beträgt zwischen 20 und 100 Euro. Doch wer kommt da eigentlich?

Felicia, die in der Zeitung lieber anonym auftreten möchte, gibt Auskunft. Seit rund einem Jahr ist die Rüsselsheimerin bei Airbnb angemeldet, vermietet gemeinsam mit ihrer Familie eine kleine Wohnung, Gartennutzung inklusive. Felicia sagt über die Entscheidung, bei Airbnb einzusteigen: „Wir sind ziemlich umgängliche und offene Menschen. Wieso also nicht? Leuten helfen, neue Leute kennenlernen, ohne das Haus verlassen zu müssen und noch etwas Geld bekommen, ist quasi eine Win-Win-Win Situation.“ Will man bei Felicia und ihrer Familie Unterschlupf bekommen, muss man 50 Euro pro Nacht zahlen. Die Kommentatoren sind sich einige: „Eine tolle Herberge“, heißt es da etwa.

Aus beruflichen Gründen

„Viele meiner Gäste kommen zu mir, da sie beruflich in der Gegend sind. Meistens für Messen oder Ausstellungen, manchmal auch für Leiharbeit.“ Auch für den Hessentag seien Leute angereist, sagt sie. Doch weiß Felicia aus Gesprächen mit ihren Gästen, dass Rüsselsheim touristisches Wachstums-Potenzial hat: „Die meisten meiner Gäste finden Rüsselsheim leider ziemlich hässlich. Gerade weil es in der Innenstadt keine richtigen Shopping-Angebote gibt. Auch, dass man zu Fuß nur schwierig Einkäufe erledigen und schön essen gehen kann, stört viele.“

Felicias Wohnung wird häufig frequentiert, auch während der anstehenden IAA werden wieder Messe-Besucher in Rüsselsheim übernachten. Aus den Kommentatoren-Spalten liest man, dass viele Touristen kommen, um Frankfurt zu besuchen.

Die Rüsselsheimer Stadtverwaltung beobachtet die Situation, sieht allerdings noch keinen Handlungsbedarf. „Das Thema Airbnb ist bislang weder seitens der Bevölkerung noch seitens des Hotelgewerbes an die Stadt herangetragen worden. Daher sah sich die Stadtverwaltung bislang nicht veranlasst, sich damit grundlegend auseinanderzusetzen“, heißt es aus dem Rathaus. „Wir wissen, dass es vereinzelt Anbieter in Rüsselsheim und Umgebung gibt, die Anzahl ist hier aber noch recht überschaubar.“

In Frankfurt verhält sich das anders: Dort erwägt man mittlerweile, strafrechtlich gegen private Wohnraumvermietung vorzugehen. Im Gegensatz zu Städten wie München oder Berlin hat Frankfurt allerdings keine sogenannte Zweckentfremdungssatzung für Wohnraum. „Wir wären sehr dafür, aber bislang ist das im hessischen Landesrecht nicht vorgesehen“, sagte ein Sprecher des Planungsdezernates der Stadt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die Verbote der Ferienwohnung werden derzeit auf Grundlage der hessischen Bauordnung ausgesprochen.

Die Rüsselsheimerin Felicia hat keine Angst, dass es für sie Ärger geben könnte: „In manchen Städten ist es ja sogar schon verboten, da so viel Missbrauch betrieben wird. Ich hoffe, dass es stattdessen bald eine Regel gibt, die die Überschreitung von einer gewissen Tageszahl verbietet, aber nicht das Kurzzeitvermieten an sich.“

Hoteliers nicht begeistert

Unmut äußert Marco Häkes vom Rüsselsheimer Hotel Roter Hahn. Er sagt: „Wie sollen wir Hotel-Betreiber uns gegen dieses Angebot wehren? Wir haben da nicht viele Möglichkeiten.“ Häkes wusste bislang nicht, dass es überhaupt Airbnb-Angebote in Rüsselsheim gibt – von einer Bedrohung für sein Geschäft will er daher auch noch nicht sprechen: „Es ist mir nicht bekannt, dass sich Gäste von uns wegen eines Rüsselsheimer Airbnb-Angebots abgewandt haben.“

Doch sieht Häkes hinter den privaten Wohnungsangeboten durchaus ein Problem: „Das ist unlauterer Wettbewerb. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Wir müssen uns im Gegensatz zu privaten Anbietern zum Beispiel an Brandschutzbestimmungen halten.“

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