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Zweiradmechaniker: „Jedes Fahrrad ist anders“

Früher hat man selbst einen Schraubenschlüssel in die Hand genommen. Heute werden moderne Räder wegen der fortgeschrittenen Technik meist Zweiradmechanikern überlassen. Sven Felder vom Bike Team stellt den Beruf vor.
Sven Felder nimmt bei einem Mountainbike Maß. Die Technik der Zweiräder wird immer ausgefeilter. Foto: Rüdiger Koslowski Sven Felder nimmt bei einem Mountainbike Maß. Die Technik der Zweiräder wird immer ausgefeilter.
RAUNHEIM. 

Das ist mal eine aufgeräumte Werkstatt. „Ich arbeite gerne strukturiert und ordentlich“, sagt Sven Felder. Fein säuberlich hängen Werkzeuge wie Kreuzschraubendreher, Inbusschlüssel und Maulschlüssel an der Wand. Auch spezielle Werkzeuge wie Bowdenzugzange oder Kettennieter sind zu finden.

Während die zuerst genannten Werkzeuge für alle möglichen Montagearbeiten verwendet werden können, geben die anderen Gerätschaften schon eher einen Wink auf den Beruf von Felder. Der 30-Jährige ist Zweiradmechaniker-Meister und verdient seine Brötchen beim Bike Team, wo ihm zwei Gesellen zur Seite stehen.

Mit Leidenschaft dabei

Der Mann mit dem Seitenscheitel spricht leidenschaftlich über seinen Beruf. „Mein Steckenpferd ist es, die Leute auf das Fahrrad zu bringen“, sagt Felder, selbst eifriger Fahrradfahrer. Das heißt für ihn unter anderem, Menschen mit körperlichen Beschwerden wieder das Fahrradfahren zu ermöglichen. Dafür lässt Felder seine Fantasie spielen, probiert vieles aus, ohne die Sicherheit zu vernachlässigen.

Einem Schlaganfallpatienten schnitt er das Fahrrad auf seine Bedürfnisse zu. Er montierte Stützräder, obwohl sich das Fahrrad vom Aufbau eigentlich dafür nicht eignete. Felder trennte jedoch die Halterung des Gepäckträgers durch und montierte in dem entstandenen Freiraum die Räder. Er arbeitet inklusive seiner Ausbildung seit 2009 in dem Beruf des Zweiradmechanikers und absolvierte 2014 die Meisterprüfung. Felder hatte zuvor im Metallbau gearbeitet, ein schöner Beruf, aber „ein Knochenjob“, sagt er und verdreht die Augen.

Die Arbeiten des Zweiradmechanikers sind dagegen filigran. Die Menschen, die diesem Beruf nachgehen, seien eher feinfühlig. Zu Beginn seiner Ausbildung lag Fahrradfahren bereits im Trend. Er selbst fuhr kein Auto, sondern Fahrrad und Motorrad. Motorradfahren befand sich allerdings aus seiner Sicht auf dem absteigenden Ast. Viele Leute bevorzugten nicht zuletzt aus ökologischen Gründen das Fahrrad.

Felders Beruf nennt sich Zweiradmechaniker der Fachrichtung Fahrradtechnik. Er wurde noch an Motorrädern ausgebildet, heute wird dieser Ausbildungsberuf aber als Zweiradmechaniker mit der Fachrichtung Motorradtechnik bezeichnet. Am Beginn steht die Theorie im Vordergrund. Maße müssen gepaukt werden. Die Kompatibilität der verschiedenen Ritzel und Ketten stehen auf dem Stundenplan, auch die fachgerechte Entsorgung von Öl. Ein neuer Zweig ist die Elektrotechnik, weil der Absatz der E-Fahrräder steigt.

Nie langweilig

Schläuche wechseln, Bremszüge austauschen – das gestaltet den Alltag in der Werkstatt. „Jedes Fahrrad ist anders“, raubt Felder jedoch aufkeimenden Gedanken an einen langweiligen Beruf den Nährboden. Es gibt jedenfalls viel zu tun. Durch die Weiterentwicklung der Technik schrauben immer weniger Fahrer selbst an ihren Mountain-, Touren-, City- und Trekkingrädern. „Die Schaltungen kann man nicht mehr alle einfach auseinandernehmen“, weiß der Zweiradmechaniker.

Die Radler wollen sich nicht mehr mit der Technik auseinandersetzen oder haben keine Kenntnis mehr. Selbst einen Schlauch kann nicht mehr jeder wechseln. Oft ist es auch Bequemlichkeit, das Fahrrad nicht selbst reparieren zu wollen.

Trotz des abwechslungsreichen Berufs räumt er ein, dass Fahrradmechaniker Idealisten sein müssen. „Hier wird man nicht reich, sondern macht sein Hobby zum Beruf“, sagt er. Die Vergütung steht eben nicht im Vordergrund. Ein ausgelernter Geselle verdient monatlich 1300 bis 1600 Euro brutto. Ein Meister bringt es auf bis zu 2500 Euro, in der Industrie ist es weit mehr.

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