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Bewässerung: Junge Bäume leiden unter anhaltender Trockenheit

Trockenes, heißes Wetter und kein Dauerregen in Sicht. Jungbäume brauchen deshalb momentan noch mehr Wasser. Wir haben eine Bewässerung begleitet.
Extraportion: Neben Wasser aus dem Sack gibt Eduard Kanski noch zusätzlich kühles Nass auf die Baumscheibe der jungen Buche. Extraportion: Neben Wasser aus dem Sack gibt Eduard Kanski noch zusätzlich kühles Nass auf die Baumscheibe der jungen Buche.
Rüsselsheim. 

Kurz gibt es Hoffnung – vermeintlich. Ein paar kleine, verräterische, dunkle Flecken auf dem Weg am Mainvorland beweisen es: Für ein paar Sekunden hat es geregnet. Eduard Kanski kann darüber nur müde lächeln, er weiß es besser: „Dauerregen wäre gut. So was bringt nichts.“

Der gelernte Garten- und Landschaftsbauer arbeitet für den Städteservice Raunheim / Rüsselsheim. Derzeit verbringt er einen Großteil seiner Arbeitszeit nicht mit Baumschnitt, sondern mit Baumbewässerung.

Seit Wochen schon haben die örtlichen Grünflächen kein Regenwasser mehr gesehen. „Wir gehen jeden Tag raus und schauen, dass wir die jungen Bäume mindestens ein Mal pro Woche wässern“, erklärt Michael Eggerding, Leiter der Grünpflegeabteilung.

Bis zu 90 Kubikmeter Wasser werden täglich verbraucht, mit drei Fahrzeugen sind die Mitarbeiter unterwegs. Die Wasserfässer, die Laster, Traktor und Kleinfahrzeug geladen haben, fassen 5000, 7000 und 1000 Liter. Neben Jungbäumen werden zum Beispiel in den Grünanlagen des Stadtparks Stauden gewässert, mobile Beregnungsanlagen spenden repräsentativen Rasenflächen Wasser.

Schaden befürchtet

Ob den Mitarbeitern beim Anblick von braun verbranntem Gras nicht das Herz blutet? „Gras ist zäh, das regeneriert sich“, weiß Kanski. „Die Wurzeln wachsen in die Tiefe.“

Traurig sei es allerdings bei älteren Bäumen: „Durch die Trockenperiode erwarten wir nachhaltige Schäden. Der Baum stirbt nicht, aber er wirft bereits jetzt das Laub ab“, so Eggerding. In zwei bis drei Jahren werde man durch Totholz erkennen, dass der Baum massiv Schaden genommen hat. Dann müsste der Baum auch vermutlich zurückgeschnitten werden.

Insgesamt gibt es in Raunheim und Rüsselsheim 17 000 Bäume, um die sich der Städteservice kümmert. Davon muss die Mehrzahl selbst zurecht kommen. Gewässert wird normalerweise nämlich nur bis zum dritten Pflanzjahr, manchmal „wegen der Wetterkapriolen“ bis zum fünften.

Der Tank wird befüllt: 5000 Liter Wasser passen dort hinein. Bild-Zoom
Der Tank wird befüllt: 5000 Liter Wasser passen dort hinein.

So zieht Eduard Kanski also morgens um 6 Uhr los, nachdem er den großen Tank mit Brunnenwasser von den Betriebshöfen gefüllt hat. In weniger als zehn Minuten sind 5000 Liter im Tank. „Wenn er voll ist, sieht er aus wie ein Wal“, meint Kanski und prompt sprudelt es oben aus dem Tank heraus.

Dann setzt sich Kanski ins Führerhäuschen. Seit 25 Jahren ist er im Beruf, vor 13 Jahren hat er beim Städteservice angefangen. „Seit acht Jahren bin ich Baumpfleger“, erzählt er. Während er die Jungbäume anfährt, den 30 Meter langen Schlauch abrollt und den Hahn aufdreht, spricht er liebevoll von „den Bäumchen“.

Seine Arbeit ist wichtig, findet er. Dass manche Leute sich bei ihm beschweren, weil der Laster den Weg versperrt, kann er nicht verstehen. Schließlich wollten ja eigentlich alle, dass die Bäume schön grün sind und gut wachsen. Ein paar Minuten lässt er das Wasser laufen, dann zieht er weiter. Einige Bäume haben unten am Stamm eine Art grünen Umhang an – Wassersäcke, die ihre Feuchtigkeit erst nach und nach abgeben. „Durch winzige Löcher, der Sack schwitzt quasi“, erklärt Kanski.

75 Liter passen in einen Behälter, eine Füllung reicht im Idealfall für zehn Tage. Besonders bei Bäumen, die auf einem Hügel stehen oder nah an einem trockenen Schotterweg, sei das praktisch. Bei Bäumen ohne Wassersack gießt Kanski bis zu 150 Liter in die Baumscheibe.

Selbst schützen können sich die Bäume aber auch schon: Sie bilden Stammtriebe aus, die Schatten spenden. „Bäume sind ja nicht blöd“, sagt Kanski und schmunzelt.

Bürger dürfen gießen

Und auch als Anwohner könne man etwas tun, wenn man will. „Wir kommen zwar gut hinterher im Moment, aber natürlich dürfen die Bürger auch den Baum vor ihrem Grundstück am Straßenrand wässern“, ermutigt Eggerding.

In Zukunft müsse man darüber nachdenken, die Pflanzungen den klimatischen Gegebenheiten anzupassen, aber Langzeitstudien gibt es bisher dazu nicht. Welche Bäume geeignet sind, darüber seien sich sogar Experten uneins. In jedem Fall brauche die Stadt die Bäume. „Sie verändern das Kleinklima. Ihr Wasser verdunstet und dadurch kühlen sie die Umgebung ab“, sagt Eggerding. Außerdem spendeten sie Schatten. „Grün ist ein Stück Lebensqualität, das erhalten werden muss.“

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