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Messerstecher sollte "Familienehre" wiederherstellen: Lebenslange Haft wegen Mord an Ehefrau

Als Wanderer zwischen fremden Kulturen sah das Schwurgericht in Darmstadt den 34-jährigen Paschtunen nicht. Sondern als Macho, der meinte, seine Frau schlagen und sogar töten zu dürfen, wenn sie ihm nicht gehorchte. Die Quittung gab es jetzt von den Richtern.
Die Statue Justitia ist zu sehen. Foto: Peter Steffen/dArchiv Die Statue Justitia ist zu sehen. Foto: Peter Steffen/dArchiv
Groß-Gerau. 

Gebannt starrten die Zuhörer auf die Richterbank, als Vorsitzender Richter Volker Wagner das Urteil gegen den 34-jährigen Asylbewerber aus Kabul verkündete: „Lebenslange Haft wegen Mordes.“ Heimtücke und niedere Beweggründe sahen die Richter als gegeben an. „Die Schwere der Schuld konnten wir allerdings nicht erkennen“, meinte Wagner. „Aber es war nahe dran.“

Damit fand am Mittwoch vor der 11. Großen Strafkammer des Landgerichts Darmstadt ein Prozess sein Ende, der die Menschen in Groß-Gerau aufgewühlt hat. Es ging um eine Bluttat, die von besonderer Brutalität gekennzeichnet ist, stellte das Gericht in der Urteilsbegründung heraus.

Am 9. September 2016 hatte der 34-Jährige auf einem Spazierweg am Sportgelände in der Nähe des Amtsgerichts in der Kreisstadt seiner Ehefrau (20) aufgelauert und sie niedergestochen. Vor den Augen der zwei- und vierjährigen Mädchen rammte der Mann ihrer Mutter zweimal ein für diesen Zweck im Bahnhofsviertel von Frankfurt gekauftes Messer in die Brust. Dann sprang er der blutenden Frau nach und schnitt ihr die Kehle durch. Sie starb an elf Messerstichen, von denen schon der erste tödlich war.

Rechtsanwalt Thomas Hohneck erklärte die Tat seines Mandanten, aber die Kammer folgte weitgehend der Anklage von Oberstaatsanwalt Robert Hartmann. Der gab allerdings nicht allein dem Angeklagten die Schuld. Der Analphabet war zusammen mit Mutter, Vater und Frau zunächst aus Afghanistan in den Iran geflohen. Auch in einer Flüchtlingsunterkunft in Groß-Gerau nahm sich der Paschtune das Recht heraus, seine Frau zu verprügeln, wenn sie ihm nicht gehorchte.

Das stehe ihm zu, befand die Mutter des Angeklagten. Sie forderte ihn zu der Tat auf. Als sie erfahren hatte, dass sich die 20-Jährige von ihm trennen wollte, drohte sie der Frau: „Wir werden auch die Kinder finden und umbringen.“ Ihrem Sohn schrieb sie: „Du bist es der Familienehre und der aller Paschtunen schuldig, diese Frau umzubringen, weil sie unter einem anderen Mann liegt.“ sc

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