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Gastspielhaus: Ohne Technik-Chef Hans Leupold bleibt die Bühne dunkel

48 Jahre Berufstätigkeit gehen zu Ende: Hans Leupold (63) begann 1970 als Lehrjunge der Starkstromelektrik bei Opel, 1991 wechselte er in die Beleuchtungstechnik am Theater und sattelte seinen Meister drauf. Seitdem war er der Mann fürs Licht im Haus.
Diese Karte schrieb Freddy Quinn an Leupolds Frau Heidi: „Ich bin Schuld, dass Hans so spät heimkommt.“ Bilder > Diese Karte schrieb Freddy Quinn an Leupolds Frau Heidi: „Ich bin Schuld, dass Hans so spät heimkommt.“
Rüsselsheim. 

„Der Applaus des Publikums gilt den Schauspielern, Sängern und Revuekünstlern. Kaum einer bedenkt, welche Technik dahinter steckt, damit alles klappt“, sagt Hans Leupold. Mit 63 Jahren steht er nun vor den letzten Wochen als stellvertretender technischer Leiter und als Beleuchtungsmeister im Gastspielhaus: „Seit 1991 bin ich hier, habe einen tollen, verantwortungsvollen Arbeitsplatz. Aber ich freue mich auch auf den Ruhestand“, sagt er mit bübischem Grinsen. Denn: „Ich hab noch ein Leben außerhalb des Jobs. Meine Frau Heidi und ich sind passionierte Wohnmobilreisende.“ Dennoch: „Die Kollegen der Technik fragen mich jetzt schon, ob ich bei Bedarf hin und wieder in der Beleuchtung einspringe. Ganz schließe ich die Tür zum Theater ja nicht – dazu sind wir ein zu gutes Team.“ Außerdem wolle seine Enkelin regelmäßig ins Kindertheater. Dann sitze er auch mal auf der anderen Seite der Kulissen.

Gefragt, wie er zum Theater kam, sagt Leupold: „Ich hab mit 16 Jahren bei Opel Starkstromelektriker gelernt. Später hatte ich in der Werkssicherheit Früh-Spät- und Nachtschichten. Ich muss sagen: Das schlauchte total. Und dann haben ich am 15. Januar 1991 ganz spontan gekündigt.“

Meister mit 44 Jahren

Über einen Kumpel, den damaligen Theaterbeleuchter Günther Thiel, sei er in die Beleuchtungstechnik beim Theater gekommen. „Ich war 36 Jahre, mit 44 hab ich noch den Meister der Beleuchtungstechnik draufgesattelt. Neben unserem technischen Leiter Mike Brison sind wir heute zwei Meister fürs Licht im Haus“, so Hans Leupold. Er schmunzelt: „Ich sag immer: Ohne Ton geht schon, ohne Licht geht nicht.“ Am Tag einer Abendvorstellung stünde das Technikteam schon ab 13 Uhr mittags unter Strom. „Dann kommt der Lkw der Crew von Schauspiel, Oper oder Revue und es geht ans Abladen. Licht-Bühne-Ton wird aufgebaut. Ich sag: Licht macht aus der hässlichsten Kulisse was Schönes. Wir richten die Scheinwerfer ab – Farbe, Form, Position werden mit dem Gasttechniker besprochen und stimmungsvoll punktgenau im Computer eingestellt“, erklärt Leupold. Das „Einleuchten“ dauere Stunden: „Wir gehen zu jedem der 100 Scheinwerfer hin und positionieren ihn. Am Ende muss alles so sein, dass das Publikum nicht merkt, wenn mal eine Lampe kaputt geht.“ Er lacht: „Ohne uns bliebe alles dunkel.“

Vor gut zehn Jahren gab es bei einem Schauspiel mal einen Zwischenfall „Wir waren mit dem Einleuchten fertig und als wir das Theatersaallicht dimmten – zack – plötzlich alles dunkel. Ich eilte in den Niederspannungsraum, wo der Hauptverteiler ist. Und siehe da: Der 2,5 Zentner schwere 1000-Ampere-Schalter hatte den Geist aufgegeben.“

Auf Hilfe angewiesen

Klar war, ohne Hilfe konnte Leupold die Sache nicht stemmen. „Durch Zufall stand noch ein Reserveschalter da. Ich rief einen befreundeten Meister an und in Hochgeschwindigkeit haben wir die Schalter ausgetauscht. Zehn Minuten später als geplant begann die Vorstellung.“

Nach schönen Theatererlebnissen gefragt, sind ihm die Begegnungen mit den Künstlern in Erinnerung geblieben. „Während ihr die Tatort-Kommissare aus dem Fernsehen kennt, kenne ich sie aus der Kantine.“ Besonders gute Erinnerungen hat er an Freddy Quinn: „Ein netter Mann, den ich hier häufiger traf. Mit ihm habe ich 1992 eine Nacht durchgeschwätzt und er schrieb mir dann eine Entschuldigung für meine Frau.“

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