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Rheuma: Petra Nägler hat gelernt, mit Schmerzen zu leben

Von In einer Selbsthilfegruppe können Rheuma-Patienten über ihre Probleme reden. Manchen hilft ein Kirschkernkissen, andere kneten Senfsaat.
Petra Nägler weiß, wie es ist, wenn „jedes Knöchelchen wehtut“. Foto: Maik Reuß Petra Nägler weiß, wie es ist, wenn „jedes Knöchelchen wehtut“.
Rüsselsheim. 

Petra Nägler weiß, wie das ist, Schmerzen zu haben. Tag und Nacht, eigentlich immer. „Auch das tut jetzt weh“, sagt sie, als sie zum Henkel der Kaffeetasse greift. Betroffen sind vor allem die Gelenke, aber auch der Kopf fühle sich manchmal an „wie eine große Blase, in der lauter kleine Blasen platzen“, berichtet sie.

Petra Nägler hat Rheuma. Schon als Kind fing es an. Seit 2012 kann die heute 63-Jährige, die viele Jahre bei den Rüsselsheimer Stadtwerken beschäftigt war, nicht mehr arbeiten. Als sich noch eine Tinnitus-Erkrankung verstärkte, war es mit dem Berufsleben vorbei.

Seitdem engagiert sie sich in der Rheuma-Liga. Seit einem knappen Jahr gehört sie zum sechsköpfigen Leitungsteam der Rüsselsheimer Gruppe. „Wir wissen, wovon wir reden“, sagt Nägler. „Andere können sich nicht in uns reinfühlen.“ Warum es sinnvoll sein kann, sich neben der Schmerztherapie auch einer Selbsthilfegruppe anzuschließen, wird sie den Besuchern wieder am morgigen Samstag beim Gesundheitstag in der Hochschule Rhein-Main berichten.

Senfsaat kneten

Rheuma habe viele Facetten, weiß Nägler. Es gebe rund 600 verschiedene Krankheiten, die damit in Verbindung gebracht werden. Deshalb hilft auch jedem Rheuma-Kranken ein anderer Tipp weiter. Der eine liebt die Kälte, der andere braucht es warm. Manche schwören auf das Kirschkernkissen, andere kneten Senfsaat und empfinden dabei Linderung.

Petra Nägler wirkt im Gespräch ausgeglichen. Wie kriegt sie das hin, obwohl sie Dauerschmerzen hat und „jedes Knöchelchen wehtut“? Sie habe gelernt, damit zu leben, sagt sie.

Seit Jahrzehnten ist sie betroffen. 1955 wurde sie in einem kleinen Ort in Sachsen-Anhalt geboren. Schon im Alter von acht Jahren wurde an ihrer rechten Hand eine „rheumatische Grundgelenkerkrankung“ erkannt. Sie hatte Schmerzen beim Schreiben, war vom Schulsport befreit. An größere Behandlungen kann sie sich nicht erinnern. Manchmal sei das Handgelenk bandagiert worden, manchmal habe sie Brennnesselbäder gemacht. Aber wirklich geholfen habe das nicht.

Nägler lernt Chemiefacharbeiterin, schult später zur Finanzkauffrau um. Sie heiratet, bekommt drei Kinder. Wie hat sie Familie und Beruf gemeistert? „Ich habe die Schmerzen unterdrückt, es musste ja weitergehen“, sagt sie rückblickend. Im Jahr 2000 zieht sie mit ihrem Mann von Zeitz nach Rüsselsheim, wo die Tochter mit ihrer Familie mittlerweile lebt.

Bloß nicht rasten

Nach der Erwerbsunfähigkeit igelt sich Petra Nägler nicht ein. Sie schließt sich der Rheuma-Gruppe an, die mittlerweile 110 Mitglieder hat. Es sind vorwiegend Frauen, die hier zusammenfinden. „Frauen sprechen eher über ihre Krankheit“, erzählt sie.

Wer rastet, der rostet. Das gelte auch für Rheuma-Patienten. Der Verein organisiert deshalb auch eine Gymnastik- und drei Wassergymnastikgruppen, eine davon abends, die auch für Berufstätige geeignet ist. Einmal im Quartal trifft sich die Gruppe zum Gespräch, die Mitglieder gehen gemeinsam ins Theater oder unternehmen Tagesfahrten.

Wer mehr darüber wissen möchte, wendet sich an Petra Nägler, die unter der Mobilnummer 01 52 – 06 50 68 07 oder per E-Mail an petra-naegler@
gmx.de zu erreichen ist.

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