E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 30°C

Umwelt: Professorin will an der Hochschule Zapfsäulen für E-Autos installieren

Von Birgit Scheppat setzt sich für Elektro-Mobilität ein. Die Infrastruktur dafür will die Professorin an der eigenen Hochschule aufbauen. Derweil hat die hiesige Politik ein Paket beschlossen, das die Stadt umweltfreundlicher machen soll.
Bei Langstrecken setzt Birgit Scheppat auf das Tanken mit Wasserstoff. Bei Langstrecken setzt Birgit Scheppat auf das Tanken mit Wasserstoff.
Rüsselsheim. 

Die Luft in der Stadt ist zu schmutzig. Das ist zumindest das Ergebnis der Messungen, die das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie 2016 an der Messstelle an der B 43 vorgenommen hat. Mit 43 bis 44 Mikrogramm lagen die Stickoxid-Werte über dem europaweitem Grenzwert von 40 Mikrogramm.

Damit das Problem sich nicht so verschärft wie in Frankfurt, wo wegen zu großer Schadstoffbelastung nun ein Dieselfahrverbot ab Februar nächsten Jahres gelten soll, haben die Stadtverordneten am Donnerstagabend den „Masterplan Green City“ mit 30 zu 14 Stimmen beschlossen. Zuvor votierten sie geschlossen für einen Änderungsantrag von SPD, Grünen und Linken. Diesem zufolge sind alle im Plan angeführten Projekte vor der Umsetzung den Stadtverordneten vorzulegen, nicht nur „beratungs- und beschlussbedürftige Maßnahmen“. Mit mehr als zehn Millionen Euro wird der Plan vom Bund gefördert, 2,5 Millionen Euro muss die Stadt selbst tragen.

Vorgesehen ist unter anderem, das Radwegnetz auszubauen und an Straßen Geräte aufzustellen, mit denen das bereits seit rund drei Jahren bestehende Durchfahrtsverbot für Lastwagen besser kontrolliert werden soll.

Elektro-Mobilität ist ein weiteres großes Thema. Eine, die sich in Rüsselsheim intensiv damit befasst, ist Professor Birgit Scheppat von der Hochschule Rhein-Main.

Zehn Ladesäulen will die Expertin für Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie mit ihrem Team an der Hochschule installieren. An jeder Säule könnten dann zwei E-Autos gleichzeitig mit Strom versorgt werden.

Ebenfalls in Planung sind zwei Stromspeicher, ein herkömmlicher Speicher mit einer Lithium-Ionen-Batterie und eine sogenannte Redox-Flow-Batterie. Deren Zelle liegt in einer Elektrolyt-Lösung, durch die die Energie zugeführt wird. „Weil die Flüssigkeitsbehälter ausgetauscht werden können, gibt es einen unbegrenzten Energie-Vorrat“, erläutert Scheppat.

Mit Sonnenenergie

Beide Speicher sollen mit Sonnenenergie gespeist werden. Und zwar ganz lokal aus der Photovoltaik-Anlage der Hochschule. „Alles andere ist ökologisch nicht sinnvoll“, warnt Scheppat. Strom aus dem deutschen Strom-Mix zu nehmen, käme nicht infrage. Denn das Ergebnis wäre Scheppat zufolge eine noch schlechtere CO2-Bilanz als mit heutigen Benzin- und Dieselfahrzeugen.

Und noch stehen weder Stromspeicher noch Ladesäulen. Die ersten Schritte des Projekts laufen zwar bereits, der endgültige Zuwendungsbescheid über ungefähr 2,5 Millionen Euro, die die Hochschule über einen Zeitraum von 29 Monaten bekommen würde, fehlt allerdings noch.

„Wir sind am Tor zu einer neuen industriellen Landschaft ohne Emissionen“, ist Scheppat überzeugt. Die Frage sei, wie es gelingen kann, die Menschen ebenfalls an der neuen Mobilität teilhaben zu lassen. Ein wichtiges Element sind für sie dabei die Ladesäulen für E-Autos.

Wasserstoff-Antrieb

Bewusst plädiert Scheppat dabei für „niederenergetische“ Säulen, die also nur mit zwei oder drei Kilowatt laden und dementsprechend lange brauchen, bis die Autobatterie voll ist. Rund drei Stunden bei einem Wagen mit Hybrid-Antrieb, bei einem reinen E-Auto doppelt solange. „Für die meisten Leute ist das kein Problem. Sie fahren zur Arbeit, stellen das Auto acht Stunden an die Ladestation. Am Ende der Arbeitszeit ist es aufgeladen“, gibt Scheppat zu bedenken.

Im Projekt seien auch Schnell-Ladesäulen vorgesehen. Diese würden den Batterien jedoch stark schaden und zu viel Kühl-Leistung benötigen. Die Infrastruktur für eine solche Kühlung lasse sich heute einfach noch nicht aufbauen. So wird das „Tanken“ von E-Autos vorerst seine Zeit brauchen. Immerhin: Ist die Batterie einmal voll, schaffen auch reine E-Autos heute schon hunderte von Kilometern. Und zwar ohne einen Tropfen Benzin.

Nichtsdestotrotz sieht Scheppat das Einsatzfeld von Elektro-Autos mit herkömmlichen Batterie vor allem auf kurzen und mittleren Distanzen. Bei Langstrecken sei Wasserstoff in Zukunft der Antrieb der Wahl. Das ist für sie jedoch kein Widerspruch. Schließlich handelt es sich für sie dabei auch um eine Form der E-Mobilität – nur mit anderem Energiespeicher.

Zur Startseite Mehr aus Rüsselsheim

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen