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Jagd: Raunheim will Abschussprämie für Wildschweine zahlen

Mal wieder drangen in den vergangenen Tagen Wildschweine bis in das Wohngebiet vor. Die Stadt will den Jägern nun eine Abschussprämie zahlen, um ihre finanzielle Last auszugleichen.
Die Zahl der geschossenen Wildschweine nimmt stark zu. Wegen des Preisverfalls beim Fleisch sollen die Jäger (hier im Jahr 2015)  jetzt eine Prämie für den Abschuss der Tiere erhalten. Foto: Rüdiger Koslowski Die Zahl der geschossenen Wildschweine nimmt stark zu. Wegen des Preisverfalls beim Fleisch sollen die Jäger (hier im Jahr 2015) jetzt eine Prämie für den Abschuss der Tiere erhalten.
RAUNHEIM. 

„Die Wildschweinproblematik verfolgt nicht nur die Stadt Raunheim, sondern ist eine bundesweite Entwicklung“, stellte Bürgermeister Thomas Jühe im Haupt- und Finanzausschuss fest. Die Rotten bewegten sich auf der Suche nach Nahrung bis in die Wohngebiete hinein. Dies beeinträchtige die Sicherheit der Menschen, schädige aber auch private Gärten und öffentliche Grünanlagen.

In den vergangenen Tagen machten sich mal wieder Wildschweine im Wohngebiet breit. Gleich auf drei Grundstücken im Bereich um die Straße In den Birken wühlten sie die Erde und Blumenbeete um.

Das sagt die Jagdgenossenschaft

Der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft Raunheim/Rüsselsheim, Reinhard Ebert, begrüßte gegenüber dieser Zeitung die Bemühungen der Stadt.

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„Die Wildschweine haben die Dahlien herausgewühlt“, berichtete Werner Hempel dieser Zeitung. Die Wildschweine suchten das erste Mal bei ihm im Garten nach Futter. Er wünscht sich, dass mehr Wildschweine zur Strecke gebracht werden.

Rund 50 Bachen

Auch Annelore und Adolf Kunz feierten Premiere. „Das war das erste Mal, dass die Wildschweine unseren Garten umgewühlt haben“, erzählt er. Für ihn ist klar, dass es zu viele Wildschweine gibt und die Abschusszahlen erhöht werden müssen.

Die Verwaltung schätzt den Bestand im städtischen Jagdbezirk auf mindestens 100 Tiere. Darunter befänden sich rund 50 Bachen, von denen etwa 30 Tiere im geschlechtsfähigen Alter seien, die jeweils zehn Frischlinge werfen, von den nur die schwächeren nicht überleben. Das bedeute einen jährlichen Zuwachs von rund 250 Wildschweinen. Die Jäger der Jagdgenossenschaft Raunheim/Rüsselsheim gehen durchaus auf die Pirsch. Die Abschusszahlen seien in den vergangenen Jahren von 51 (2013/2014) auf den Rekord von 95 (2017/2018) Tiere gestiegen. Im April seien bereits elf Tiere zur Strecke gebracht worden.

Ist aber die Jagd für die Jäger finanziell unzumutbar? In den Augen der Stadt durchaus. Durch die Bejagung gebe es ein großes Angebot an Fleisch, was zu einem Minusgeschäft führe. „Die Jäger bleiben auf ihren Kosten sitzen“, konstatierte Jühe. Ein Jäger müsse nach einer gesetzlichen Regelung für jedes erlegte Tier die festgelegte Vergütung von zwei Euro pro Kilo an die Jagdgenossenschaft entrichten. Weil der Markt indessen mit Wildschweinfleisch überschwemmt sei, erzielten die Jäger beim Verkauf derzeit nur 50 Cent pro Kilo. Jeder Jäger habe jedoch jährlich eine Gebühr für den Pirschbezirk von 1200 Euro an die Jagdgenossenschaft zu zahlen.

Um die finanzielle Unzumutbarkeit durch verstärkte Bejagung der Wildschweine für Jäger zu vermeiden, will die Verwaltung ihnen eine auf zwei Jahre befristete Abschussprämie von 50 Euro pro Tier ausschütten. Damit sollen die Jäger von einem finanziellen Schaden durch eine höhere Abschussquote geschützt werden.

Argumente dagegen

Hempel und Kunz halten nicht viel von der Abschussprämie. Bei dem früheren Jagdpächter hätten die Jäger die Tiere auch geschossen. „Die Jäger müssen jeden Tag raus und auf den Ansitz“, meinte Hempel. Kunz bläst ins gleiche Horn. „Das muss auch ohne Abschussprämie gehen“, sagte er. Die Jäger sollten das Fleisch Privatkunden anbieten und in der Zeitung inserieren, ergänzte er. Den Verkauf wolle die Jagdgenossenschaft fördern, meinte der stellvertretender Vorsitzende Manfred Albat im Ausschuss.

Deshalb will die Stadt der Jagdgenossenschaft an ihrer neuen Jagdhütte auf dem früheren Gelände des Geflügelzuchtvereins eine Wildkammer zur Verfügung stellen. Die Kosten betragen 60 000 Euro. Auch diesem Vorschlag entsprachen die Fraktionen einstimmig.

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