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Erfahrungsberichte: Sie kämpfen mit fehlender Barrierefreiheit in Raunheim

Welche Alltagsprobleme müssen Menschen mit Rollstühlen und Gehhilfen bewältigen? Mitglieder des Förderkreises für behinderte Menschen berichten von ihren Erfahrungen.
Samuel Fernandez, David Fernandez, Alexander Berg, Lorna Langheinrich und Lora-Ann Romualdo (von links) beim Sommerfest des Förderkreises für behinderte Menschen. Samuel Fernandez, David Fernandez, Alexander Berg, Lorna Langheinrich und Lora-Ann Romualdo (von links) beim Sommerfest des Förderkreises für behinderte Menschen.
RAUNHEIM. 

Der Gehweg zur Hütte des Kleingartenvereins „Die Gartenfreunde“ ist ebenerdig. Nicht zu letzt deshalb feiert der Förderkreis für behinderte Menschen seit einigen Jahren hier sein Sommerfest. Denn hierhin können auch Rollstuhlfahrer und andere gehbehinderte Mitglieder gelangen.

Wie schaut es denn sonst im Alltag aus? Was für Probleme haben gehbehinderte Menschen, die auf einen Rollstuhl oder einen Rollator angewiesen sind?

David Fernandez’ Sohn Samuel ist geistig und körperlich behindert, der 17-Jährige benötigt einen Rollstuhl für längere Strecken und einen Rollator für kurze und mittlere Strecken.

Der Vater beschreibt die Situation im Straßenverkehr nicht als optimal. Die Bürgersteige seien häufig zu schmal und mit Autos zugeparkt. „Die Autos nehmen viel Platz weg“, stellt er fest.

Aber inzwischen werden die Bürgersteige zumindest abgesenkt. In dieser Hinsicht habe sich viel getan. Fernandez denkt auch an die Sehbehinderten, wenn er die taktilen Streifen anspricht, die mittlerweile häufig in die Bürgersteige eingesetzt werden.

Schmale Gänge

Ein anderes Übel seien dagegen die schmalen Gänge in den kleinen Supermärkten. Das Manövrieren eines Rollstuhls falle dort schwer. „Das Einkaufen ist nicht einfach“, weiß er.

Der Ausflug in ein Schwimmbad sei ein harter Kampf. Nur wenige Bäder stellten wassergerechte Rollstühle bereit. Die Fortbewegung mit einem Rollstuhl auf der Wiese im Freibad oder im Sand an einem See sei zudem sehr schwierig. In südlichen Ländern werden häufig Holzplanken ausgelegt, berichtet er.

Absenkte Bürgersteige und taktile Streifen sind häufig vorzufinden. Bild-Zoom
Absenkte Bürgersteige und taktile Streifen sind häufig vorzufinden.

Alexander Berg, der 16-jährige Sohn der Vorsitzenden Annette Berg, ist ebenfalls auf einen Rollstuhl und einen Rollator angewiesen. Er ist keine Wasserratte, und deshalb besucht er nicht häufig ein Schwimmbad. Er komme aber zurecht. Behindertengerechte Umkleidekabinen und Duschen seien häufig vorhanden. Beim Hinabsteigen der Leiter ins Becken sei er allerdings auf Hilfe angewiesen. Die Schwimmerbecken seien nicht mit einer Treppe ausgestattet, die gehbehinderten Menschen den Einstieg erleichtern würde.

Auf den Gehwegen hat Alexander mit seinem Rollator keine Probleme, kommt auch nicht-abgesenkte Bordsteine hinunter und hoch. Ihn stören vielmehr die wild abgestellten Mülltonnen. Denn dann muss er auf die Straße ausweichen, was zu gefährlichen Situationen führen kann. Außerdem missfällt dem 16-Jährigen, dass Busfahrer ihre Rampen beim Stopp nicht ausklappen. Denn der Abstand zwischen Einstieg und Bordstein ist häufig sehr groß.

Lorna Langheinrich, die Mutter der geistig und körperlich behinderten 17-jährigen Lora-Ann Romualdo, lebt in Kelsterbach. Dort gibt es am Bahnhof keinen Aufzug. Sie hofft, dass ein Lift wie angekündigt noch in diesem Jahr eingebaut wird.

Keine Aufzüge

Erschreckend findet sie, dass am Frankfurter Flughafen am S-Bahnhof kein Aufzug in Fahrtrichtung Stadtmitte Frankfurt vorhanden ist. Ihr ist zudem aufgefallen, dass es in Deutschland keine rollstuhlgerechten Taxis gebe. Im Zusammenhang mit dem Alltag im Straßenverkehr bemerkt sie, dass neue Bürgersteige abgesenkt werden, die alten jedoch nicht behindertengerecht umgestaltet werden.

Bei den Supermärkten kritisiert sie das Fehlen von behindertengerechten Kassen. Behinderte Menschen bräuchten mitunter ein wenig länger beim Ausräumen, Einräumen und Bezahlen, und Begleitpersonen müssten sich mitunter um die behinderten Menschen kümmern. Das Personal müsste flexibel reagieren können und bei Bedarf eine behindertengerechte Kasse öffnen.

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