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Piano: So war das Christoph Oeser Trio im Festungskeller

Christoph Oeser und sein Trio pflegen den Boogie-Woogie. Der Pianist aus Mörfelden hat auch einen Überraschungsgast im Festungskeller dabei.
Pianist Christoph Oeser lässt die Tasten unter seinen Händen beben. Archivfoto: Martin Oeser Foto: Martin Oeser (Oeser-Pressefoto) Pianist Christoph Oeser lässt die Tasten unter seinen Händen beben. Archivfoto: Martin Oeser
Rüsselsheim. 

Sigrid Gürgens vom Veranstalter Dorflinde freute sich schon bei der Ankündigung: „Christoph Oeser ist einer unserer Lieblingsmusiker, der uns immer wieder begeistert!“ Der Pianist aus Mörfelden ist schon lange im Geschäft: Er ist seit Jahrzehnten tief in der heimischen Blues- und Boogie-Szene zugange, mit Blues-Musiker Bodo Kolbe, mit der Matchbox Bluesband, der Frankfurt City Blues Band und auch schon mit den nun seit 40 Jahren bestehenden Rodgau Monotones hat er im Studio und auf der Bühne musiziert. Seit 1990 spielt er bei der Boogie Woogie Company und ist mit seinem eigenen Trio unterwegs.

In Südhessen verwurzelt

Christoph Oeser ist ein Südhesse durch und durch, der Sohn des einstigen „Umweltpfarrers“ Kurt Oeser pflegt in seinen Ansagen intensiv das heimatliche Idiom und wirkt dadurch sofort sympathisch-hemdsärmlig, völlig ohne Allüren. Mit seinem Trio mit Bassist Götz Ommert sowie dem Schlagzeuger Bernd Kohn beackert er das Feld der rollenden Boogies, des Piano-Blues und ein bisschen auch des Rock’n’Rolls.

Bereits als Solist zu Konzertbeginn zeigt er, wie man damit Leute begeistert und zu rhythmischem Klatschen inspiriert: Als klassischer Barrelhouse-Boogie in der Tradition der großen Stride-Pianospieler aus New Orleans hämmert er den „Christoph’s Stomp“ voran, eine flinke linke Hand und perlende Triolen der rechten Hand sind die Zutaten. Zum „State Street Special“ in E-Moll aus den 1920er Jahren kommen dann seine beiden Partner ins Spiel und geben seinem Spiel mehr Fülle und Raum.

Das Schlagzeug schnauft im Dampftakt beim „Red Hot Steamboat“ von der CD „Full Steam Ahead“ und die Finger von Oeser qualmen. Bei Ike Turners „Rocket 88“ mit einem konzertanten Intro – Oeser hat bei einer Wiener Klavierlehrerin eine klassische Klavierausbildung genossen – wird sogar ordentlich gerockt und es gibt auch mal ein Baßsolo. Angefunkt geht’s dann mit knalligen Drums bei „Living on the Highway“ zu und es ist klar: Das ist Stimmungsmusik im besten Sinne. Christoph Oeser ist zwar nicht gerade ein Sensibelchen, was die Anschlagskultur angeht. Aber das ist gar nicht so schlimm, denn wenn er mit einem „Yeah!“ Gas gibt und mit stampfenden Beinen mit Power das Tempo anzieht, ist alles gesagt, was diese Musik braucht.

Bassist Götz Ommert, elegant in Sakko und Schlips, ist ebenfalls ein profilierter Musiker, der in diesem Kontext zwar nicht wirklich kreativ sein muss, doch seinen Part erledigt er mit routinierter Spielfreude und einem kultivierten Ton. Das Gleiche gilt für den ebenfalls einheimischen Drummer Bernd Kohn, der eine endlose Liste von Referenzen vorweisen kann und schon Musicals verfasst hat. Mit gewinnendem Lächeln spielt er exakt und auf den Punkt, manchmal könnte noch ein wenig mehr Feuer lodern, in seinen kurzen Soli hört man, was er kann.

Gast am Saxophon

Nach der Pause wurde die Bandbreite melodisch erfreulich erweitert, denn mit Doris Assenheimer kam noch eine Saxophonistin auf die Bühne. Sie hat diese Musik schon vor Jahren mit Christoph Oeser und anderen gespielt, aber nun kehrte sie nach einer längeren Schaffenspause mit ihrem soliden, am Rhythm’n’Blues geschulten Spiel wieder zum Live-Spiel zurück. Tanzend sorgt sie für Bewegung auf der Bühne und als Sängerin klappt’s zusammen mit Oeser bei „Route 66“ („der einzige Song über eine deutsche Autobahn“) auch ordentlich. Das alte „Sweet Home Chicago“ funktionierte zum Ende eines kurzweiligen Konzertabends auch in Rüsselsheim.

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