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Plage: Wildschweine verwüsten Haßlocher Gnadenhof

Wildschweine haben den Rasen, der den Haßlocher Gnadenhof-Pferden das Winterfutter sichert, umgegraben. Brigitte Keller weiß nicht weiter. Auch die Behörden können nicht helfen.
Foto: Jan Woitas (dpa-Zentralbild)
Rüsselsheim. 

Vor drei Wochen war kurz Ruhe. Brigitte Keller atmete auf, hoffte, dass es einfach vorbei ist. Ein paar Tage später sah Keller es am Morgen direkt: Nachts waren die Wildschweine zurückgekommen und hatten ein Bild des Grauens hinterlassen. Zäune sind eingedrückt, ehemalige Wiesen wurden quasi zu umgegrabenen Ackerland.

Die Pächterin des kleinen Gnadenhofs für derzeit neun betagte und kranke Pferde in Haßloch an der Horlache ist auf die Grünflächen angewiesen. Das immer verfügbare Heu kauft sie dazu, allerdings ist „das frische Futter lebensnotwendig für die alten Tiere“, erzählt sie. In ihrer fünfjährigen Pachtzeit hatte Brigitte Keller bisher noch nie Probleme mit Wildschweinen.

Auf Nachfrage beim zuständigen Jagdpächter erfährt sie, dass im angrenzenden Forst gerade gejagt wird und die Tiere deshalb bis ins Wohngebiet vordringen. Im befriedeten Bereich, der südlich des Naturfreundehauses beginnt, dürfenicht gejagt werden, so eine Sprecherin der Stadt. Grundstücke in diesem Gebiet müssten eingezäunt werden.

Der Verzweiflung nahe

Die selbstgebauten Pferdezäune rund um die Wiese sind allerdings eingedrückt worden, der Kraft der Wildschweine haben sie nicht standgehalten. Schadensersatzzahlungen gibt es bei Wildschweinschäden nicht. „Ich weiß nicht, was ich machen soll, wie ich mich wehren kann“, sagt Brigitte Keller, der Verzweiflung nahe.

Unbedingt will sie ihre Tiere schützen. „Ich komme morgens hier an und merke, wie nervös die Pferde sind“, erzählt sie. Die dienstältesten Tiere sind 28 und 30 Jahre alt, der Stress durch die nächtlichen Überfälle macht mittlerweile Medikamente gegen Atemnot nötig. Brigitte Keller fürchtet, dass die Tiere im schlimmsten Fall wortwörtlich zu Tode erschrecken.

Sie möchte gern alle Möglichkeiten zur Abwehr ausprobieren, allein es fehlen die finanziellen Möglichkeiten. „Ein Stromnetz, das die Tiere fernhalten soll, ist für uns hier nicht stemmbar“, sagt sie. Wie viele Kosten ihr allein schon durch den Wiesenschaden entstehen, kann sie noch nicht abschätzen. Unterstützt wird sie an den Wochenenden von ihrer Tochter, aber „eigentlich ist das Ausmaß jeden Morgen schlimmer.“

Vielleicht, so hofft sie, findet sich in der Bevölkerung Hilfe. „Wenn zum Beispiel ein Bauer das fehlende Gerät zur Aufbereitung der zerstörten Wiese stellen könnte, wäre das klasse“, sagt sie.

Tiere liebt Brigitte Keller über alles, das sieht man an ihrem mit Gänsen, Katzen, Hasen und ihrem Hund bevölkerten Hof. „Aber diese Zerstörung ist schlimm“, sagt sie niedergeschlagen. „Es reicht.“ Derzeit bleibt Brigitte Keller nicht viel anderes übrig, als abzuwarten. „Ich versuche, positiv zu bleiben – was soll ich auch sonst tun?“, sagt sie.

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