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Dottenfelderhof: Ärger auf dem Acker

Insgesamt 143 Hektar Ackerfläche hat die Dottenfelder Bodenstiftung in Bad Vilbel, Karben und Frankfurt gekauft. Rund 3,4 Millionen Euro flossen dafür ans Land Hessen. Erstaunlich wenig, sagen andere Bauern. Vor allem, weil es im Ballungsraum sonst schwer ist, landwirtschaftliche Flächen zu ergattern.
Dottenfelderhof Foto: Niklas Mag Dottenfelderhof

Die Landwirte in der Region sind verärgert. Jüngst hatte der Haushaltsausschuss des hessischen Landtags beschlossen, der neu gegründeten Dottenfelder Bodenstiftung für 3,2 Millionen Euro rund 143 Hektar Ackerflächen zu verkaufen. Nun ist von »Wahlgeschenken«, »Verschleuderung des Eigentums von sechs Millionen Bürgern zu Dumpingpreisen« und »fehlender Transparenz« die Rede.
Angesichts der Tatsache, dass nach und nach immer mehr landwirtschaftliche Nutzflächen in der südlichen Wetterau wegfallen, schien der Unmut programmiert – schließlich sind diese die Lebensgrundlage vieler Bauern. Das sieht auch Fläche die Produktions- und Einkommensgrundlage der Landwirte bildet und in der südlichen Wetterau immer mehr landwirtschaftliche Nutzfläche wegfällt, scheint der Unmut verständlich.Florian Dangel, Geschäftsführer des regionalen Bauernverbandes Wetterau-Frankfurt, ähnlich. Er sagt: »Ich kann verstehen, dass Mitgliedsbetriebe vor Ort diese Entscheidung angesichts des Flächenfraßes in der Region, dem kolportierten Symbolpreis für das Land, der ein Drittel unter dem aktuellen liegt, sowie die Stärkung eines Betriebes aus politischen Gründen, nicht begrüßen können.«


Die Kritik richtet sich jedoch nicht direkt gegen die Vilbeler Stiftung: »Keiner will die Landwirte des Dottenfelderhofes angreifen«, so Dangel. Die Ungleichbehandlung durch das Land Hessen sei jedoch offensichtlich und der Ärger bei den Familienbetrieben über Vergabeverfahren und Konditionen deshalb verständlich. Da die 143 Hektar dem Land gehörten, greife das Grundstückverkehrsgesetz, das landwirtschaftliche Böden vor dem Ausverkauf schützen soll, in diesem Fall nicht. Es gilt nur beim Verkauf durch Privatleute und Kommunen von Flächen ab einem halben Hektar Größe.


Andere hätten mitgeboten


Der stellvertretende Dortelweiler Ortslandwirt Michael Steinmetz erfuhr vom Verkauf aus der Presse. Einige Bauern aus dem Umland hätten sich ebenfalls für die Äcker interessiert, erzählt er. »Kein Betrieb hat mehr ausreichend Flächen. Mit jedem Bau- oder Gewerbegebiet, Biotop, Ausgleichsflächen, die oft mit unserer Gemarkung nichts zu tun haben, oder dem Bau der neuen Bahngleise wird die landwirtschaftliche Fläche geringer.« Er glaubt, vor allem zu diesem Preis hätten auch andere Bauern für einzelne Parzellen mitgeboten. Je nach Lage und Bodengüte werde in Dortelweil für einen Quadratmeter Ackerland derzeit bis zu sechs Euro und mehr gezahlt.


Von den fünf Betrieben in Dortelweil werden drei in Vollzeit bewirtschaftet, in Gronau ist es von drei Höfen nur noch einer. Von diesen bestätigt ein Bauer, der namentlich nicht genannt werden möchte, die Aussagen von Dangel und Steinmetz. Er bemängelt, dass es sich bei den 143 Hektar nicht um eine zusammenhängende Fläche handele, und einem Verkauf einzelner Grundstücke deshalb nichts entgegengestanden hätte.


Als Paket zu teuer?


Wenn solch wertvolle Flächen, wie geschehen, als Paket veräußert würden, müssten viele Landwirte passen – bei den Äckern, die auf Vilbeler, Karbener und Frankfurter Gemarkung liegen, wäre das nicht anders gewesen, sagt er. wenn die  gesamte Fläche als Paket, wie geschehen, auf den Markt gekommen wäre, hätten viele Landwirte passen müssen, sagt er.  leer ausgegangen  Grund für den günstigen Preis? »Das hätte sich zum regulären Preis keiner leisten können. Dann wären überregionale Investoren zum Zug gekommen.«


Vor diesem Hintergrund sei es akzeptabel, dass die Bauern des Dottenfelderhofes, die das Land bereits über die Landbauschule in Pacht bewirtschafteten, es über die Stiftung bekommen haben. »Bei Verlust des Landes an eine Investor wären Arbeitsplätze verloren gegangen, die Züchtung gefährdet gewesen«, so der Bauer.
Das Land Hessen begrüßte den Verkauf bei Übergabe der Stiftungsurkunde, weil diese sich unter anderem für die Förderung und Stärkung des ökologischen und biologisch-dynamischen Landbaus sowie die Forschung an ökologischem Saatgut einsetze.

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