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Theater erklärt Homosexualität: Anders sein ist doch völlig normal

Neben Mathematik, Englisch und Deutsch gibt es an der Karbener Kurt-Schumacher-Schule mal ein ungewöhnliches Schulfach: Homologie. In seiner Rolle des Malte Anders hat der Kabarettist Timo Becker den Schülern am Dienstag auf unterhaltsame Weise gezeigt, dass alle Menschen anders und doch gleich sind.
<span></span> Bilder > Foto: Dominik Rinkart
Karben. 

Es gibt Brillenträger, Raucher und Bayern-Fans. Jeder Mensch ist anders und doch sind alle gleich. Mit dieser simplen und doch so häufig vergessenen Botschaft gastiert Malte Anders an diesem Dienstag in der Kurt-Schumacher-Schule (KSS) in Karben. Schüler aus den achten und neunten Klassen aller Zweige sind in die Aula gekommen, um eine Schulstunde zu erleben, die viel mehr bietet als Informationen und Moral.

Als moderner Lehrer mit sportlicher Base-Cap bringt Malte Anders die Schüler nicht nur zum Nachdenken, sondern vor allem zum Lachen. Dabei sorgt das Thema Sexualität bei einigen Teenagern erstmal für Unbehagen. Doch mit seiner lockeren und humorvollen Art gelingt es Anders, dass die Schüler trotz einiger roter Köpfe Spaß haben. Und ganz nebenbei lernen.

Hilfe bei Coming-out

Timo Becker kommt aus Haiger. Er lebt in Frankfurt, hat mit seinem Verein Art-Q das Projekt „Homologie“ per Crowdfunding finanziert – also vielen kleinen, privaten Geldgebern.

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Zu Beginn des 50-minütigen Theaterstücks räumt Malte Anders mit Vorurteilen auf. So gebe es weder ein „Schwulen-Gen“, noch sei das Grundwasser dafür verantwortlich. Ebenso sei Homosexualität keine Frage der Erziehung: „Ich war schon in der dritten Klasse in einen Jungen verliebt. Da hat mich die Erziehung meiner Mutter herzlich wenig interessiert.“

Ja, natürlich ist Malte Anders alias Timo Becker schwul. Mit seiner herzlichen und offenen Art lebt er die wichtigste Botschaft des Tages eindrucksvoll vor, die unspektakuläre Selbstverständlichkeit dieser Eigenschaft. Jedoch wehrt sich Anders dagegen, dass die sexuelle Orientierung stets mit der sexuellen Praxis gleichgesetzt werde. Auch in homosexuellen Beziehungen gehe es um Aspekte wie Zuneigung, Freundschaft und Liebe – jenseits des Sex.

Oma reagiert ganz cool

Große Sensibilität für das Normale an der Homosexualität erzeugt Anders durchs Verdrehen mit Heterosexualität. So berichtet er aus einem Gespräch mit seiner Großmutter Else, die auf sein Coming-out erst im Alter von 21 Jahren keineswegs überrascht reagierte: „Ich renn’ doch auch nicht durch die Nachbarschaft und erzähle allen, dass ich hetero bin.“ Daraus ergebe sich sowohl die Frage, warum sich Heteros nicht für ihre Sexualität rechtfertigen müssten und warum Homosexualität so selten in Schulbüchern vorkomme.

Nach der Show haben die Schüler die Gelegenheit, Fragen an den Künstler zu stellen, anonym auf kleinen Zetteln. Dabei liest Anders viele freundlich-neugierige Fragen vor: Wie lernt man andere Schwule kennen? Wie fühlt es sich an, schwul zu sein? Diese Frage gibt Anders an alle Heteros im Raum zurück und teilt deren Meinung mit einem schlichten: „Gut!“

Beschimpfen ist Standard

Dass nicht jedermanns Geist einer vielseitigen Welt gewachsen ist, zeigt sich in einer Frage, die Anders ebenfalls offen vorliest: „Hast du schon mal einen Mann gefickt, du Schwuchtel?“ Das schockiert viele Schüler. Anders erklärt, anderswo habe er schon Schlimmeres gehört.

Zu Gast ist Malte Anders auf Initiative von Annette Kehrbaum und Bettina Kreutz von der städtischen Schulsozialarbeit. „Das war eine Ermutigung für alle, die sonst den Mund halten, auch mal Stellung zu beziehen“, betont Bettina Kreutz.

Beleidigungen auf Kosten von Lesben und Schwulen? Das sei auch an der KSS an der Tagesordnung, erzählen die Schüler Max Burkhardt und Michael Melnikov (15). Die Beschimpfung „Schwuchtel“ sei in allen Schulzweigen Standard. In ihrer Klasse sehe es jedoch anders aus: „Da gibt es Homosexuelle und das ist ganz normal, wir haben eine super Klassengemeinschaft.“

Dabei haben Max und Michael eine Vermutung, warum es zu Diskriminierungen kommt: „Weil es die Leute nicht verstehen“, schätzen sie. „Aber vielleicht wird das ja jetzt durch den Vortrag besser.“

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