E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 18°C

Kein Platz: Arbeitskreis Ortsgeschichte Kilianstädten sucht dringend größere Räume

Der Arbeitskreis Ortsgeschichte bewahrt Kilianstädtens Gedächtnis. Doch den engagierten Männern fehlt es an Platz.
Bilder, Werkzeuge und mehr ist im Obergeschoss der Bücherei ausgestellt. Auf Nachfrage können die Exponate besichtigt werden. Bilder, Werkzeuge und mehr ist im Obergeschoss der Bücherei ausgestellt. Auf Nachfrage können die Exponate besichtigt werden.
Schöneck. 

Es ist wirklich eine Misere, in der sich der Arbeitskreis Ortsgeschichte Kilianstädten derzeit befindet: Da verfügt man über ausreichend Exponate, um 7000 Jahre Heimatgeschichte lückenlos darzustellen, und kann die Sache aus Platzmangel doch nicht angehen.

Eigentlich fehlt nur ein größerer Raum für eine derartige Ausstellung. „Dann könnte man mit den vorhandenen Stücken etwas auf die Beine stellen, das es in dieser Form nirgends sonst in Deutschland gibt“, meint der Archäologie-Beauftragte des Arbeitskreises, Norbert Heitzenröther. Welche Gemeinde könne denn noch Objekte aus so vielen Zeitepochen präsentieren?

Ende Mai 2007, über ein Jahr nach Gründung ihrer „Projektgruppe“, bekamen die Geschichtsenthusiasten von der Gemeinde Schöneck zwei kleine Räume im Obergeschoss der Bücherei in der Herrnhofstraße 6 zur Verfügung gestellt. Das historische Fachwerk-Ambiente passt durchaus zum Anliegen der Männer. Allein die räumliche Enge erweist sich jetzt als ein großer Nachteil.

Große Resonanz

„Wir können uns zurzeit nicht so entfalten, wie wir es gerne möchten“, bedauert Heitzenröther. „Irgendwie stehen wir mit dem Rücken zur Wand. Und die Jüngsten sind wir auch nicht mehr. Langsam ist es an der Zeit, dass wir unsere Dokumentation der Ortsgeschichte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen können.“

Im Verlauf der vergangenen zwölf Jahre gab es immer wieder ambitionierte Aktivitäten. Die Resonanz aus der Bevölkerung war groß und zeigte, dass bei den meisten ein Geschichtsinteresse vorhanden ist. Interessanterweise sind und waren es oft Neubürger, die etwas über die Historie erfahren wollten. Das Heimatbuch „Kilianstädten – Geschichte und Geschichten“ mit einer Auflage von 500 Exemplaren war innerhalb kürzester Zeit vergriffen.

Info: Das Massengrab von Kilianstädten

Vor zwei Jahren veröffentlichte Christian Meyer im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ als Erstautor eine Studie über die Forschungsergebnisse zum Kilianstädter Massengrab.

clearing

Am Weihnachtsmarktwochenende 2007 wurde eine Bilderausstellung vom alten Kilianstädten ausgestellt, die rund 500 Besucher sehen wollten. Doch es gab auch damals schon Rückschläge: Kontakte mit Gleichgesinnten und Ortsbeiräten aus anderen Schönecker Gemeinden verliefen im Sande. Ein gemeinsamer Arbeitskreis zur Geschichte der Schönecker Ortsteile kam deshalb nie zustande.

Bereits im Jahr 2006 hatten archäologische Nachgrabungen im Bereich der Umgehungsstraße/Neuer Weg einen Sensationsfund zutage gefördert: Ein Massengrab aus der Jungsteinzeit mit 26 menschlichen Überresten gab Zeugnis von Brutalität und 7000 Jahren Siedlungsgeschichte. Archäologen aus Mainz nahmen sich der Sache an. Der Arbeitskreis Ortsgeschichte, obwohl erster Ansprechpartner vor Ort, erhielt darüber nur spärliche Informationen.

Erst nach über acht Jahren und „einigem Hickhack“ wurde dem Arbeitskreis ein sechsseitiger Bericht über die Untersuchungsergebnisse übermittelt. In einer daraufhin organisierten Ausstellung konnten die Texte und Bilder den Kilianstädtern gezeigt werden.

Exponate zurückgeben

Eine für den Regionalpark Rhein-Main aufgestellte Info-Tafel über die Geschichte der Hohen Straße hatte nicht lange Bestand. Nur fünf Wochen nach ihrer Einweihung wurde sie von Vandalen zerstört.

Mit Gegenwind hatte die rührige Gruppe also ein ums andere Mal zu kämpfen. Ihr größtes Problem ist aber der fehlende Platz. Immer wieder kommen die Männer darauf zu sprechen. „Im Augenblick ist es schon so weit, dass wir gespendete Exponate an die Stifter zurückgeben müssen“, beschreibt Hobby-Historiker Gerhard Weismüller das Dilemma. „Die Räume sind einfach voll. Schon ein weiterer würde uns wahrscheinlich genügen.“

Aber wo soll der herkommen? Unten im Haus sei die Bücherei, sagt Ehren-und Gründungsmitglied Ludwig Wacker. Nebenan, im ersten Stock, die Arbeiterwohlfahrt. Bürgermeisterin Conny Rück (SPD) kennt ihr Anliegen und ist um eine Lösung bemüht. „Ich bin selbst ab und zu bei den Sitzungen des Arbeitskreises dabei“, sagt die Rathauschefin. „Es ist phänomenal, was sie leisten und mit welchem Herzblut sie dabei sind. Für die Gemeinde und mich wäre es eine große Freude, wenn wir ihnen ausreichende Räume zur Verfügung stellen könnten. Leider gibt es die zurzeit in Kilianstädten aber nicht.“

Aufgeben wollen die Männer aber erst recht nicht. „Denn schließlich sind wir dazu da, die Geschichte unserer Gemeinde weiterzuschreiben. Vielleicht tut sich ja noch etwas“, hofft Wacker. Alles geschehe doch rein ehrenamtlich, ohne dass jemand dafür einen Cent haben wolle.

Kontakt aufnehmen

Arbeitskreis Ortsgeschichte Kilianstädten, Herrnhofstraße 6, Erster Stock; Telefon (0 61 87) 88 51, Mail N.Heitzenroether@icloud.com.

Zur Startseite Mehr aus Wetterau/Main-Kinzig

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen