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B 3-Baustart: Wöllstadt atmet auf

Von Befreiungsschlag für Wöllstadt: Der Bau der B 3-Ortsumgehung hat begonnen. Zum offiziellen Spatenstich gab‘s viel Lob fürs Durchhaltevermögen der Wöllstädter. Ihnen winkt bald fast himmlische Ruhe.
Wöllstadt. 

Im Jahr 1936, damals hätten die Wöllstädter zum ersten Mal einen Eindruck bekommen, wie die Umgehungsstraße verlaufen sollte, erzählt Bürgermeister Alfons Götz (CDU). Ein örtlicher Schreiner habe den Auftrag zum Liefern von Holzlatten erhalten. In den Feldern hätten sie den geplanten Verlauf der geplanten Autostraße Bad Nauheim – Frankfurt gezeigt.

76 Jahre später stehen an die 300 Menschen auf den Feldern westlich von Nieder-Wöllstadt. Eine Handvoll Großkopferte stechen mit Spaten in den Wetterauer Lößlehm, sogar Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) ist dabei. Mit dem üblichen Tamtam wird der Beginn der Bauarbeiten zelebriert. Die laufen seit einigen Wochen, etwa mit Vermessungen (die FNP berichtete). Bis das erste Bauwerk des 38,8 Millionen Euro teuren Vorhabens entsteht – die Brücke an jener Stelle, wo nun gefeiert wurde –, dürfte es Frühjahr werden.

Bürgermeister Götz stört das nicht. "Hauptsache, es geht jetzt los." Allzu oft war der Ausbau der B 3 in der Wetterau geplant, gestoppt, geändert worden. Vom einstigen Main-Lahn-Schnellweg bleibt eine Kette von Ortsumfahrungen.

Die Politiker malträtiert

Unter den Besuchern steht Franz Hagenmaier aus Okarben. Er hört genau hin, engagiert er sich doch in der Nachbarstadt Karben in der Bürgerinitiative "Am Straßberg". Wird Wöllstadts neue B 3 in vier Jahren fertig, fehlt in der Wetterau alleine in Karben noch der Lückenschluss – und zwar wohl für länger: Parlamentsmehrheit und Bürger sträuben sich gegen die Wunschvariante des Bundes (die FNP berichtete). "Irgendwann wird es schon kommen", sagt Hagenmaier. Aktuell halte sich die BI lieber aus den Debatten heraus. Aber es gelte weiter: "Wenn wir eine Umgehung bekommen, dann bitte eine richtige."

Die "richtige" Umgehung bekommt Wöllstadt – für eine "durchaus namhafte Summe", erinnert Jan Mücke (FDP), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium von Peter Ramsauer (CSU). Dass der Bund das Geld in die Hand nimmt, danach sah es lange nicht aus, auch wenn er schon 2009 Baurecht erließ. Damals organisierten sich die Wöllstädter in der Bürgerinitiative "Umgehung Wöllstadt jetzt!", koordinierten so ihren Unmut. "Es war das entscheidende, dass die BI die Leute mobilisiert und auf die Straße gebracht hat", sagt BI-Chef Peter Dangelmaier. Demonstrationen, ein Frühstück mitten auf der Hauptkreuzung und Briefaktionen folgten. "Die Politiker haben nur noch von Wöllstadt gelesen." Abgeordnete in Land und Bund, Landesminister und Minister Ramsauer erhielten Post. An ihn schrieb Wolfgang Dellenberg als allererster – als wohl einziges Wöllstädter Mitglied in Ramsauers Partei CSU. "Ich habe das Eis gebrochen", sagt Dellenberg und lacht.

Das Engagement der Bürger loben an diesem Morgen alle. Aber was hat wirklich dafür gesorgt, dass das Geld losgeeist wurde? Hessens Vizeministerpräsident Jörg-Uwe Hahn (FDP) aus Bad Vilbel zeigt mit seinem Daumen über die linke Schulter – auf Bürgermeister Götz. "Er hat ständig damit genervt", erklärt Hahn. "Selbst Peter Ramsauer weiß heute, wo Wöllstadt liegt."

Arbeitsziel erreicht

Der Ministerpräsident bestätigt das. "Selbst an meinem Geburtstag rief er mich damit an." Götz‘ Verantwortungsbewusstsein sieht Bouffier als beispielhaft an. Verkehrsbelastungen wie in Wöllstadt könne man Anwohnern nicht zumuten.

Um bis zu 75 Prozent des heutigen Verkehrs werde Wöllstadt entlastet, sagt Hessens Verkehrsminister Florian Rentsch (FDP). 28 000 Autos und Laster pro Tag wären ohne Umgehung bald durch Wöllstadt gerollt. "Eine nicht menschenwürdige Belastung", findet Bouffier. Götz ist direkt betroffen: Er wohnt in Ober-Wöllstadt an der B 3. Die am häufigsten an ihn gestellte Frage während seiner nächsten März zu Ende gehenden, 18-jährigen Amtszeit sei gewesen: "Wann wird mit dem Bau begonnen?"

Der Bürgermeister schaut über die Köpfe der Menschen hinweg. Im Hintergrund kontrastiert die wärmende Novembersonne die Silhouette von Nieder-Wöllstadt, drehen sich die Windräder hinter Ober-Wöllstadt mit sanftem Schwung. "Heute wird sie endlich beantwortet." Er, sagt Alfons Götz, habe nun sein Arbeitsziel erreicht.

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