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Damit Kultur bezahlbar wird

Von Bei einer kleinen Rente überlegen sich viele Bürger, ob sie sich die Fahrt in die Stadt und den Besuch von Kulturveranstaltungen leisten können. Ein Kulturpass könnte das ändern, sagt Seniorenbeirätin Heidi Lamprecht. Einen solchen hat sie als Bad Vilbelerin sogar in Frankfurt bekommen.
Zeigt ihren Frankfurter Kulturpass: Heidi Lamprecht.	Foto: Dieter Deul Zeigt ihren Frankfurter Kulturpass: Heidi Lamprecht. Foto: Dieter Deul
Bad Vilbel. 

Erst kürzlich wurde der SPD-Antrag, einen „Vil-Pass“ zu entwickeln, im Parlament abgelehnt. Dieser sollte für einkommensschwache Bürger die Teilhabe am kulturellen Leben und die Vilbus-Nutzung ermöglichen. Damit will sich Heidi Lamprecht nicht zufriedengeben. Es gebe jedes Jahr Menschen, die nur eine geringe Rente bekämen „und sich viele Dinge nicht erlauben können“.

Die 67-Jährige ist selbst davon betroffen. Über 40 Jahre habe sie als Krankenschwester gearbeitet, zudem zwei Kinder großgezogen. Nun müsse sie von 856 Euro Rente leben. Deshalb hat sie einen Ausweis für die Bad Vilbeler Tafel erhalten.

Dort erlebe sie immer wieder, wie Leute ganz verschämt ihre Lebensmittel abholten. „Was soll das“, frage sie sich dann. „Wenn, dann soll sich doch der Staat schämen“, schimpft sie. Über den Tafelausweis hat sie inzwischen auch den Frankfurter Kulturpass erhalten. Den verteilt die Stadt nicht nur an ihre eigenen einkommensschwachen Einwohner, sondern auch an Interessenten aus dem Umland.

 

Frankfurt macht’s vor

 

„Ich musste nur meinen Tafelausweis zeigen, dann habe ich nach einer Woche für einen Euro den Kulturpass bekommen“, erzählt Lamprecht. Damit kann die Bad Vilbelerin fortan für je einen symbolischen Euro eine breitgefächerte Palette von Angeboten nutzen: von den Museen über die Buchmesse, dem Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks und Oper bis hin zum Palmengarten. Sogar Restkarten der Alten Oper und des Schauspiels werden via Internet zu je einem Euro angeboten. „Das druckt mein Sohn dann für mich aus“, sagt Lamprecht, die auf einen Computer verzichtet.

Was sie erstaune, sei, dass sie mit die einzige Tafelkundin sei, die den Kulturpass nutze, sagt Lamprecht. Kultur sei bei vielen kein Thema, sie habe den Eindruck, Tattoos, Piercing und Zigaretten seien manchen wichtiger. Doch das mag sie nicht akzeptieren.

Zumal es neben den Eintritten auch noch ein weiteres Problem gebe: die Fahrtkosten mit dem Vilbus. Einzelfahrten kosteten hier 1,60 Euro, Monatskarten für die Kernstadt und den Heilsberg gibt es für 39,50 Euro, welche für alle Stadtteile schlagen mit 64 Euro zu Buche. Das sei mit kleinen Renten zu viel, klagt sie.

Dabei habe Bad Vilbel gerade mit der Neuen Mitte das Ziel, die Innenstadt zu beleben, argumentiert die Seniorenbeirätin. Versuche im Seniorenbeirat, tageweise Freifahrten, etwa zum Wochenmarkt anzubieten, wurden aber abgelehnt. Zu teuer, zu bürokratisch, hieß es.

Doch Heidi Lamprecht hat eine pragmatische Lösung: Warum nicht einfach den Tafelausweis nutzen? Mit dem könnten sich Bedürftige ausweisen und zumindest den reduzierten Tarif für Kinder und Jugendliche beanspruchen, schlägt die Bad Vilbelerin vor. Darüber solle auch im Seniorenbeirat erneut diskutiert werden - mit dem Ziel, einen entsprechenden Prüfantrag zu beschließen.

Bei den Fahrten in die Stadt und den Kulturveranstaltungen spiele noch ein weiterer Gedanke eine Rolle, so Lamprecht. Wenn die älteren Menschen nicht mehr am öffentlichen Leben teilnehmen, dann drohe die Vereinsamung. Selbst eine Arztpraxis sei schon ein Ort des Miteinanders. „Ach, lassen Sie mich sitzen, ich schwätz’ grad so schön“, habe sie häufiger in ihrer Zeit in einer Praxis gehört. Auch und vor allem das Haus der Begegnung sei solch ein Ort, „aber die Leute müssen auch dahin kommen.“

 

Zu viert im Minicar

 

Ihren Teil zur Mobilisierung hat Lamprecht beigetragen mit der Organisation der Friedhofsfahrten, welche der Seniorenbeirat angeregt hat. Nun schreibt sie akribisch die Namen der Interessenten auf die Fahrtenlisten. Einmal pro Woche geht es mit dem Kleinbus des Sozialamts los, quer durch die Stadt hoch zur Lohstraße. Vier Fahrer sind dafür im Einsatz.

Zuletzt wurde im Seniorenbeirat der Wunsch fallen gelassen, Vergünstigungen für den Vilbus zu fordern. Man konzentrierte sich auf den Wunsch, für einzelne Veranstaltungen wie zum Beispiel die Burgfestspiele den Sozialbus zu nutzen. Doch auch andere Stimmen gab es, die etwa darauf hinwiesen, dass sich Senioren für Fahrten auch zusammentun könnten. Zu viert im Minicar sei es billiger als im Stadtbus.

EXTRA

clearing

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