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Dampfend durch die Wetterau

Karben. 

„Die V36 ist meine Lieblingslok“, schwärmt Kurt Merz, ältestes Mitglied der Eisenbahnfreunde Wetterau (EWF). Er ist nicht nur in Jahren der Älteste, sondern auch Gründungsmitglied des Vereins. Dieser wurde 1974 als Modelleisenbahnverein gegründet. 1975 wurde in das Clubhaus eingebrochen. Die große Modelleisenbahnanlage, die dort stand, wurde zerschlagen, Modelleisenbahnen gestohlen.

Zur gleichen Zeit hatte der damalige Vorstand Kontakt zu einem größeren Verein aus Darmstadt-Kranichstein, der mit großen Loks Sonderfahrten machte. Mitglieder dieses Vereins kamen regelmäßig mit einer großen Lok angereist. Deswegen wurde diskutiert, ob die Modelleisenbahnen gegen große Eisenbahnen eingetauscht werden sollten. Eine knappe Mehrheit traf die Entscheidung – für große Eisenbahnen.

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Der Verein Wetterau hat heute etwa 100 Mitglieder – jeweils rund 50 aktive und passive. Insgesamt hat der Verein einen Zug bestehend aus Lok und Personenwaggons. Die Ausgaben seien sehr hoch. Schon allein die TÜV-Kosten beliefen sich alle sechs Jahre auf rund 90 000 Euro, erklärt Kurt Merz. Am teuersten sei der Erhalt der Strecke.

Der Verein finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen, Museumsfahrten und seit dem Jahr 2000 aus dem Transport von Holz. Auf einer stillgelegten Strecke der Hessischen Landesbahn (HLB) werden Güterzüge des EFW über Nacht mit Holz beladen. Das Holz wird nach Butzbach transportiert, wo die HLB die Waggons wieder übernimmt. „Einnahmen hätten wie gerne mehr“, schmunzelt Merz, „deshalb freuen wir uns über jeden Besuch.“

Er selbst ist jahrelang mit der V 36, jeden ersten und dritten Sonntag von April bis Oktober, auf der Wettertalbahn nach Münzenberg gefahren. Die V 36 ist eine Diesellok. Sie wurde 1942 mit einem Gewicht von 42 Tonnen erbaut und kann bis auf 60 Kilometer pro Stunde beschleunigen. Vorne und an der Seite hat sie ein Hoheitszeichen, einen Adler. Sie hat fünf angetriebene Achsen und eine Vorlaufachse.

Neben einem Buffetwagen, Packwagen, Thekenwagen, Theaterwagen und einem Clubwagen können an die Lok noch vier Personenwaggons angehängt werden. So finden etwa 250 Personen in diesem Zug, bekannt als Museumsbahn, Platz. Seit April fährt sie wieder jeden ersten und dritten Sonntag durchs Land und kann zu Festen gemietet werden (siehe Info-Box). Auch an Nikolaus und Neujahr ist sie im Einsatz. Sonderfahrpläne gibt es zum Rosen- und Kartoffelfest.

Neben der V 36 besitzt der EFW eine Dampflok, die mit Wasser und Kohle angetrieben wird. Schwarze Kohle wird gleichmäßig im Ofen verteilt und angefeuert. Durch die Hitze wird aus Wasser Wasserdampf. Der Wasserdampf wird zu einem Zylinder geleitet. In den Zylindern ist ein großer Druck und durch diesen Druck werden die Räder durch die Stangen angetrieben. Die erste Dampflok in Deutschland hieß Adler und wurde 1834 gebaut.

Eine Dampflok wiegt etwa 20 Tonnen. Nur ein Lokführer mit Ausbildung darf eine Dampflok fahren, aber ein Heizer und ein Lokbeimann müssen dabei sein.

Auch über Unfälle mit der Bahn weiß Herr Merz zu berichten: Eine der Loks war gerade auf dem Weg nach Steinfurt auf der Höhe eines unbeschrankten Bahnübergangs. Zwei ältere Damen fuhren mit ihrem Auto auf den Bahnübergang zu. Statt auf die Vorfahrt des Zuges zu achten, winkten sie dem Lokführer freundlich zu – und fuhren weiter. Trotz Vollbremsung konnte der Zug nicht rechtzeitig halten. Der Puffer streifte die Backe der Beifahrerin, dann blieb der Zug zum Glück stehen. Niemand kam zu Schaden.

Kurze Zeit später passierte das Gleiche noch einmal: Ein alter Herr, auch im Pkw unterwegs, winkte dem Lokführer zu – aber auch er blieb nicht stehen. Zug und Auto stießen zusammen. Hier entstand ebenfalls kein Personenschaden.

Ein anderes Mal, auch wieder an einem Bahnübergang in Griedel, geschah das nächste Unglück. Diesmal hielten die Autos vorschriftsmäßig an, um den Zug vorbei zu lassen. Ein Mann fuhr mit seinem Wagen und einem Pferdeanhänger an den wartenden Autos vorbei. Da kam die Lok und der Puffer stieß gegen den Anhänger. Aber dieser war zum Glück leer. Der Anhänger flog hoch und fiel auf die Motorhaube des ersten Autos. Verletzte gab es auch hier zum Glück nicht.

 

Von Anton Brand, Shadi El Hefni, Kacper Jakubowski, Nico Liedtke, Axel Lützkendorf, Gregor Römer, Yannick Schmitz, Richard Weidner, Angelina Gartz, Lynn Heils, Kim Kauffeldt, Leana Kehl, Helena Koch, Lea Loczewski, Elina Losensky, Vanessa Nguyen, Lilli Pirschel, Veronika Witzel und Una Züsch

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