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Schluss nach 16 Jahren: Das große Ausputzen im Quellenhof

Von Schluss, Aus, vorbei. Mit dem Ende des Jahres endet in Karben auch eine gastronomische Epoche. Nach sechzehneinviertel Jahren schließen Anja und Stefan Kohler die Türen im Hotel und Restaurant Quellenhof. In die Wehmut mischt sich aber viel Aufbruchstimmung. Denn Mitte März soll es kulinarisch weitergehen, und zwar „Deftig & fein“.
Drecksarbeit gehört auch zu seinem Job, doch nun ist Markus Hindel besonders gefordert als Saubermann. Er schrubbt den Herd, damit heute der Quellenhof in Groß-Karben ordentlich übergeben werden kann. Heute stellvertretender Küchenleiter, war Hindel von Anfang an dabei. Bilder > Drecksarbeit gehört auch zu seinem Job, doch nun ist Markus Hindel besonders gefordert als Saubermann. Er schrubbt den Herd, damit heute der Quellenhof in Groß-Karben ordentlich übergeben werden kann. Heute stellvertretender Küchenleiter, war Hindel von Anfang an dabei.
Karben. 

Wären die Fenster geöffnet gewesen, hätten sich wohl viele Karbener am Mittwochabend gewundert über lautes Gelächter, das vom Quellenhof herüberschallt. Im Kreis der Mitarbeiter feiern da Anja (42) und Stefan Kohler (49) das Ende ihrer Zeit im Hotel und Restaurant. Tränen seien geflossen, erzählt die Bankkauffrau. „Aber fast nur, weil wir so viel zu lachen hatten.“

16 Jahre und drei Monate lang hat das Ehepaar den Betrieb geführt. Mit einem Schlemmerbüfett am zweiten Weihnachtstag und 120 Gästen endete der Restaurantbetrieb. Auch von den letzten Übernachtungsgästen aus den 19 Zimmer verabschiedeten sich die Kohlers. Die Woche über räumten sie und ihre Mitarbeiter aus, brachten das nicht mehr ganz frische Gebäude auf Hochglanz. Heute übergeben Kohlers die Schlüssel.

Abschied fällt schwer

Pause haben die Gastronomen aber nicht. Nächste Woche sollen die Umbauarbeiten in ihrem neuen Lokal beginnen. Sie übernehmen die „Rathausstube“, das Restaurant im Bürgerzentrum. Bis März will die Stadt als Verpächterin das Lokal für 200 000 Euro sanieren.

Umgebaut wird auch nach den Wünschen der Kohlers. „Offen und modern“ soll es werden, eine bodenständige, frische, leicht gehobene Küche wollen sie anbieten. Auch Quellenhof-Stammgäste sollen sich im neuen Lokal wohlfühlen. „Es wird auch nicht teuer sein“, betont Stefan Kohler. „Wir sind da nie den Ruf losgeworden, den der Quellenhof von den Vorgängern hatte.“

Um den frischen Wind zu betonen, schaffen die Kohlers den Namen „Rathausstube“ ab. „Deftig & fein“ soll das neue Lokal heißen. Ob mit dem „&“-Zeichen oder anders, ist noch nicht klar. „Wir brüten noch über den Logo-Vorschlägen“, sagt Anja Kohler. Gäste sollen genauso eine leckere, deftige Bratwurst bekommen wie ein „schönes Rinderfiletstück“, sagt Koch Stefan. Ihren Familiennamen wollen die beiden nicht im Lokalnamen verwenden. „Unsere Stammgäste kommen doch sowieso schon immer zu ,den Kohlers‘“, erklärt Anja.

Besonders freuen sich die beiden auf die neue, zur Nidda hin gerichtete Terrasse, die die Stadt 2018 hinterm Lokal baut. Diese wollen die Kohlers als Ausflugsziel für Karbener und Radweg-Nutzer etablieren. „Darin steckt ein immenses Potenzial“, ist Stefan sicher. „Ein solcher Platz fehlt bisher in Karben.“

Mitte März soll die Innensanierung fertig sein. Der Terrassenbetrieb, fürchtet Stefan Kohler, könnte womöglich bis 2019 auf sich warten lassen. „Die Arbeiten hatten ja schon im Herbst beginnen sollen.“

Als die Torte flog

Mit ins neue Lokal wechseln sieben Mitarbeiter – ein Großteil des Quellenhof-Personals, darunter Markus Hindel und Stephan Groß, die beide von Anfang dabei waren. Ein Zimmermädchen wird Küchenhilfe. Ohne Hotel, nur noch mit Restaurant, gehe es zurück zu den Wurzeln, freut sich Anja Kohler. Im Jahr 2000 waren sie von der Turnhallen-Gaststätte des TV Massenheim nach Karben gewechselt.

Mit den reichhaltigen Erfahrungen scheuen sie und ihr Mann sich nicht, Verpflegung bei Veranstaltungen im 500 Menschen fassenden Saal des Bürgerzentrums anzubieten. „Dann muss Johannes Scherer nicht mehr selbst in der Pause mit Flaschen durchs Publikum gehen“, erinnert Anja Kohler an einen besonderen „Auftritt“ des Comedian. Ihr zweites Standbein, das Catering, wollen die Gastronomen fortführen. Auch die Martinsgans zum Abholen soll’s weiter geben.

Leicht fällt der Abschied den beiden aber nicht. Mit dem seit 2015 neuen Besitzer des Quellenhofs, Kay-Hendrik Eichler, stimme die Chemie sehr, betont Stefan Kohler. Doch hätten seine Frau und er sich in der Abwägung dennoch gegen das Weitermachen entschieden: Wegen des großen Sanierungsstaus stünden Jahre voller Bauarbeiten im Haus und drumherum an.

Für die Entscheidung hätten sie viel guten Zuspruch der Stammgäste bekommen, erzählt Anja Kohler. Überhaupt seien sie oft auf den Wechsel angesprochen worden. Daher sind die Kohlers zuversichtlich, dass der Neustart glückt.

Doch davor liegen ein paar Tage voller Entdeckungen. Beim Ausräumen findet sich Unerwartetes. „Küchenutensilien,“ sagt Stefan, „die lange vermisst waren.“ Erinnerungen werden wach. „Da war diese Hochzeitsfeier, die um vier Uhr plötzlich endete, als der Bräutigam die falsche Braut küsste.“ Der Koch stellt eine Topfpflanze auf dem längst tischtuchlosen Tisch ab.

Frau Anja muss laut lachen. Und ergänzt: „Weißt Du noch, als der Azubi mit dem Kuchen zum Fünfzigsten von Guido Rahn im Kühlhaus stolperte?“ So bekamen des Bürgermeisters Gäste nur eine statt zwei Schwarzwälderkirschtorten serviert. „Psst“, sagt Stefan Kohler, „das sollte doch niemand ...“

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