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Mit Hilfe der Leberecht-Stiftung: Edelgard Gerwien bekommt für ihre schwerbehinderte Tochter einen Aufzug

Von Seit 22 Jahren sorgt sich die Dortelweilerin Edelgard Gerwien um ihre schwerbehinderte Tochter Sabrina, trägt sie auch täglich in ihr Zimmer. Ein Außenlift, zu dem die Leberecht-Stiftung der FNP 43 000 Euro beisteuern möchte, soll ihr nun Entlastung verschaffen. Doch der Weg dorthin war steinig und ähnelt einer Dauerbaustelle.
Trägerschaft: Edelgard Gerwien und ihre schwerbehinderte Tochter Sabrina sind froh, dass es mit der Dauerbaustelle jetzt ein Ende hat und der Aufzug fährt. Trägerschaft: Edelgard Gerwien und ihre schwerbehinderte Tochter Sabrina sind froh, dass es mit der Dauerbaustelle jetzt ein Ende hat und der Aufzug fährt.
Bad Vilbel. 

Es hätte alles so einfach werden können. Seit 22 Jahren kümmert sich die Dortelweilerin Edelgard Gerwien aufopferungsvoll um ihre Tochter Sabrina, in den vergangenen Jahren auch noch als Alleinerziehende. Auch wenn ihre schwerbehinderte Tochter mittlerweile in eine Tagesförderwerkstatt nach Friedberg-Ockstadt geht – zu Hause wird sie wieder zu einem ganz kleinen Kind. Wenn Gerwien sie in ihrem Elternhaus ins Kinderzimmer bringen will, muss sie sie jedes Mal eine steile Holztreppe hoch und hinunter tragen. „Das ist fast mein eigenes Körpergewicht – dabei habe ich Arthrose“, sagt sie fast entschuldigend.

Diese Mühsal sollte längst der Vergangenheit angehören. Gerwien wandte sich mit ihrem Wunsch nach einem Außenlift an die Leberecht-Stiftung der FNP und erhielt eine Zusage. Schon im April sollte der Anbau an die Außenfassade ihres Hauses beginnen. Inzwischen steht der Lift dort, nur die Abnahme durch den TÜV fehlt noch. Aber die Dauerbaustelle kostete die Familie viele Nerven.

Seit 60 Jahren für benachteiligte Kinder

Die Leberecht-Stiftung der FNP und ihrer Regionalausgaben macht sich seit über 60 Jahren für behinderte und benachteiligte Kinder und Jugendliche und ihre Eltern stark.

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Im Alter von zehn Monaten bekam Sabrina starke Krampfanfälle. Eine Kernspintomografie brachte die Diagnose Mikrozephalie – eine starker Verkleinerung des Schädels. Dazu kamen Krampfleiden mit Spastik. Weil Sabrinas Körper so geschwächt ist, kamen auch in den vergangenen Jahren immer wieder Erkrankungen hinzu: eine Schiel-OP, ein Klumpfuß, nach einem Reflux-Leiden hat sie künstliche Schließmuskel und schließlich eine krankhafte Verdrehung der Wirbelsäule, eine Skoliose. Stehen kann Sabrina nur für wenige Momente.

Verrostete Bauteile

Wenn Edelgard Gerwien das aufzählt, ist sie nicht aufgeregt, sondern eher erschöpft – aber auch liebevoll. „Für mich ist sie mein Sonnenschein“, sagt sie milde und nimmt Sabrina in den Arm, die gerade ermüdet von der Tagespflege zurückgekehrt ist. Ein kurzes Lächeln, denn sprechen kann Sabrina nicht. Dann legt sich das Mädchen auf die Wohnzimmer-Couch. Ihre Mutter deckt sie zu – und schon ist sie eingeschlafen. Doch Edelgard Gerwin ist hochkonzentriert, versucht, all das zu ordnen, was in den vergangenen Monaten passiert – oder besser: nicht passiert ist. Nachdem sie die sich über drei Jahre erstreckende Rücken-Operation in einer Münchner Klinik hinter sich hatte und die Hoffnung zerstob, dass Sabrina vielleicht doch einmal laufen könnte, überlegte sie sich, einen Lift anzuschaffen. Rasch gab ihr die Leberecht-Stiftung die Zusage, mit einem der bislang höchsten Förderbeträge von 43 000 Euro. Auch die Pflegekasse mit 4000 Euro, der Bad Vilbeler Anzeiger mit 5000 Euro und der Wetteraukreis mit 4700 Euro stiegen mit ein.

Im April sollte es losgehen, doch obwohl der Lift längst an die Außenfassade angebaut war, funktionierte gar nichts. „Das war den ganzen Sommer über eine Baustelle, ich konnte nicht in den Garten gehen“, klagt Edelgard Gerwien.

Schlimmer noch: Durch den Anbau sei das Haus nun undicht und nicht mehr isoliert. Gerwien zeigt auf ein Metallteil in dem Aufzug. Es lagerte im Regen, wurde verrostet eingebaut. „Das ist Chaos hoch drei“, sagt auch der Chef der Montagefirma, der ungenannt bleiben möchte. Schon am Anfang hätten Angaben zur Statik gefehlt, mehrfach seien defekte Platinen geliefert worden, die Türen seien keine Thermotüren, mutmaßt er. Die Montage, üblicherweise eine Sache von einer Woche, stockte.

Niemand geht ans Telefon

Auch der Monteur war ratlos: „In 27 Jahren habe ich so etwas nicht erlebt.“ Wütend meinte er, am besten sei es, die Anlage wieder abzureißen. Auch der Geschäftsführer der Liftfirma gibt sich auf Nachfrage selbstkritisch. „Eine echte Katastrophe“ sei das Ganze, doch er wolle noch in derselben Woche vor Ort nach dem Rechten sehen. Es gehe nur noch um die passende Platine.

Doch auch am Ende der Woche hat Edelgard Gerwien niemanden auf der Baustelle gesehen. „Wenn ich anrufe, geht er gar nicht erst ans Telefon“, schildert sie ihre Erfahrungen mit der Liftfirma. Die habe sie zwar selbst beauftragt, aber auf Anraten des Wetteraukreises, der das günstigste Angebot favorisiert hatte. Nun stapeln sich bei ihr die Rechnungen – nicht nur von der Dachdeckerfirma, deren Gerüst seit Monaten ungenutzt im Garten steht.

Der Wetteraukreis hielt sich aus dem Streit heraus, fühlte sich nicht zuständig. „Da können wir nichts machen, das ist eine privatrechtliche Angelegenheit“, erklärte Pressesprecher Michael Elsaß – auch wenn der Kreis den Auftragnehmer ins Spiel brachte. Erst nach der Androhung von juristischen Konsequenzen und dem Zurückhalten noch ausstehender Rechnungen kam die Liftfirma erneut nach Dortelweil. Jetzt läuft der Lift endlich und Edelgard Gerwien ist optimistisch, dass in Kürze auch der TÜV grünes Licht gibt. „Das ist eine unendliche Erleichterung für uns!“

Auch Sabrina ist glücklich. Wenn es nach der jungen Frau ginge, würde sie dauernd im gläsernen Aufzug hinauf und hinunter fahren. Das kann sie zwar nicht sagen, aber ihr Lächeln spricht Bände.

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