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Straßenname Ziegelhofring: Ein Wahrzeichen, das heute Geschichte ist

Wieso trägt eine Straße ihren Namen? Unsere Serie zu den Hintergründen von Straßennamen dreht sich heute um den Ziegelhofring in Massenheim.
Im 19. Jahrhundert begann die Geschichte der Massenheimer Ziegelei, an die der Straßenname erinnert. Im 19. Jahrhundert begann die Geschichte der Massenheimer Ziegelei, an die der Straßenname erinnert.
Bad Vilbel. 

Die CDU im Massenheimer Ortsbeirat wollte den 2013 verstorbenen Heimatforscher Walter Heil ehren, der Magistrat einen hier unbekannten Pionier der Ziegeleitechnik. Am Ende aber legte die SPD die Route fest: Namen aus der Ziegeleiherstellung sollten die Erinnerung an die verschwindende Industriegeschichte wahren.

Einstimmig votierte das Gremium dann im Mai 2014 für den Ziegelhofring mit den Nebenstraßen Lorenweg, Backsteinweg und Lehmgrubenweg. Der ursprüngliche Magistratsvorschlag mit dem Ziegelei-Ingenieur Friedrich Eduard Hoffmann war schnell aus dem Rennen, „da fehlt der Bezug zu Massenheim“, fand auch der Ziegelei-Besitzer Michael Strauch. Auf dem 3,3 Hektar großen Ziegelei-Areal sind nun drei Jahre Planung, ein Jahr Erschließung und ein Jahr Bauzeit nötig, bis 88 Familien einziehen können. Im November 2014 beschloss das Stadtparlament den Bebauungsplan Ziegelhof. Der wurde bald geändert, statt drei Geschossen an der Randbebauung zur B 3 sind nur noch zwei vorgesehen. Das Straßenschild Ziegelhofring steht bereits, die ersten Häuser folgen im Herbst 2017. Fertiggestellt werden soll das neue Baugebiet bis Herbst 2019.

Im 19. Jahrhundert begann die Geschichte der Massenheimer Ziegelei. Der erste Ringofen für Mauersteinbrand wurde von Julius Peters 1898 in Massenheim erbaut. Dessen Sohn Hans Peters, der später Bürgermeister von Massenheim war, führte die Ziegelei als Geschäftsführer weiter. 1936 erwarb die Firma Tonwerk Fritz Strauch den Betrieb und verbesserte ihn ständig. Der alte Ringofen wurde 1973 abgerissen.

Ein neuer, moderner Tunnelofen mit elektronischer, vollautomatischer Steuerung wurde errichtet und mit einem 60 Meter hohen Schornstein versehen. Der letzte Ziegel an diesem Standort ist am 17. November 2014 vom Band gelaufen. Mit der Sprengung dieses Ziegelei-Schornsteins ist am 31. Oktober 2015 ein Bad Vilbeler Wahrzeichen von der Bildfläche verschwunden. Einige Ziegelsteine sind für ein Ziegelei-Denkmal auf einem der Kreisel der Homburger Straße verwendet worden. Das Abbaugebiet für die Tonerde hat sich früher links und rechts der Homburger Straße ab der Eisenbahnunterführung Richtung Massenheim befunden. Bis zuletzt wurde dann aber Material aus der Oberdorfeldener Tongrube verwendet, aus der einst täglich 200 Tonnen Ton angeliefert wurden. Die Tonerde wurde dann zwei Stunden lang zu Rohlingen geformt, die schließlich auf den Ofenwagen verladen und gebrannt wurden – 38 Stunden lang und bei Temperaturen bis 980 Grad.

18 Mitarbeiter waren zuletzt in Bad Vilbel beschäftigt, davon elf saisonal, denn produziert wurde nur an vier Monaten im Jahr. Künftig wird in der Oberpfalz produziert, ein Großteil der Anlage wurde nach Genca Kerpic Zavodu im Nordwesten von Aserbaidschan verkauft, darunter die Ziegelei-Pressen und die Ofenwagen.

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