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Erinnern an gute Nachbarn

Von Eine Ausstellung „Jüdisches Leben in Groß-Karben“ wird an den nächsten zwei Sonntagen im Karbener Heimatmuseum gezeigt. Sie ist Teil des Rahmenprogramms zu der Ausstellung „Legalisierter Raub“ in Bad Vilbel.
Haben die Ausstellung erstellt (von links): Marlies Gebhard-Petri, Rosemarie Plewe, Charlotte Jäkel, Monika Heinz, Hartmut Polzer.	Foto: Krejcik Haben die Ausstellung erstellt (von links): Marlies Gebhard-Petri, Rosemarie Plewe, Charlotte Jäkel, Monika Heinz, Hartmut Polzer. Foto: Krejcik
Karben. 

Auf dem um 1930 entstandenen Foto hält Margot Junker ihre jüngere Schwester Ruth an der Hand. Von den beiden Kindern, die mit ernstem Gesichtsausdruck in die Kamera blicken, hat nur Ruth überlebt, da sie mit einem Kindertransport aus Deutschland fliehen konnte. Margot Junker wurde mit ihren Eltern in das Ghetto Minsk deportiert und ermordet.

Anhand dieses und weiterer Fotos dokumentiert die Ausstellung „Jüdisches Leben in Groß-Karben“ exemplarisch das Schicksal der vier jüdischen Familien Hirsch, Junker, Ross und Strauss. „Es war sehr bewegend, sich damit zu beschäftigen, dass man solche kleinen Kinder in den Tod geschickt hat“, sagen Marlies Gebhard-Petri und Monika Heinz. Die früheren Lehrerinnen gehören zum Team des Museumsdienstes des Heimatmuseums, das gemeinsam mit der Initiative Stolpersteine die Schau erstellt hat.

Es sei das erste Mal, das im Heimatmuseum eine Ausstellung zum jüdischen Leben in Karben gezeigt werde, erklärt Charlotte Jäkel vom Museumsdienst des Geschichtsvereins. Die Ausstellung vermittelt Einblicke in die Entwicklung jüdischen Lebens in Groß-Karben, religiöse Einrichtungen der jüdischen Gemeinde sowie ins Familien- und Geschäftsleben von jenen jüdischen Familien, die vor dem Nationalsozialismus in Groß-Karben wohnten und arbeiteten.

„Zudem wird erstmals eine kleine Auswahl von Gegenständen gezeigt, die sich einst im Besitz von Karbener jüdischen Familien befunden haben“, erläutert Hartmut Polzer von der Initiative Stolpersteine. Vom Museumsdienst-Team haben außerdem Ex-Ortsvorsteher Werner Gold und Rosemarie Plewe mitgemacht.

 

Erinnerung erhalten

 

Grundlage für ihre Recherchen waren Veröffentlichungen von Helmut Wiegand sowie des jüngst verstorbenen Historikers Helmut Heide, weitere historische Literatur sowie die Ergebnisse aufgrund der langjährigen Arbeit der Initiative. Die Recherche-Ergebnisse werden auf Schautafeln gezeigt. „Hierzu haben wir das historische Klassenzimmer der alten Dorfschule ausgeräumt, in das die alten Schulbänke nach der Ausstellung wieder eingeräumt werden“, erzählt Jäkel.

„Ich finde es sehr interessant, was ich im Laufe unserer Recherchen über das einstige jüdische Leben in Karben erfahren habe“, sagt Rosemarie Plewe, die auch die FW-Fraktion im Stadtparlament führt. „Es ist mir ein Anliegen, dass die Erinnerung daran erhalten bleibt.“ So hat sie recherchiert, dass die Juden in Groß-Karben vor allem in der Bahnhof-, Park-, Burg-Gräfenröder- und Heldenberger Straße lebten.

Eine große Wandtafel auf dem Gang – gespendet von der Sparda-Bank – wird auch nach der Ausstellung ihren Platz im Museum behalten. Auf ihr sind auf einem aktuellen Stadtplan die Häuser markiert, in denen jüdische Familien um 1930 wohnten.

 

Besitztümer im Müll

 

Eine weitere Stelltafel informiert über jüdische Geschäfte, darunter Metzger und Händler für Vieh, Früchte, Getreide, Textilien, Manufakturwaren, eine weitere über religiöse Einrichtungen. So habe es eine Synagoge und in der Heldenberger Straße 12 eine Mikwe, das jüdische Tauchbad, gegeben, sagt Jäkel.

 

Service: Führungen durch die Schau und zu Stolpersteinen

Die Ausstellung (Eintritt frei) wird an den Sonntagen 5. und 12. Oktober von 14 bis 17 Uhr im Karbener Landwirtschafts- und Heimatmuseum, Westliche Ringstraße 2, gezeigt.

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In einem Schaukasten werden Gegenstände gezeigt, die einst jüdischen Karbenern gehörten. Zu sehen sind unter anderem Puppenmöbel, Dokumente, ein Silberschälchen. „Das Schälchen hat einst der jüdischen Familie Kulb gehört“, erklärt Monika Heinz. Seniorin Lia Fink habe erzählt, dass ihr Vater es nach der Pogromnacht im Schutt gefunden habe. Als Lia Fink es bei der Woche der Begegnung in Karben im Jahr 1993 an Familie Kulb habe zurückgeben wollen, habe man gesagt, sie könne es zur Erinnerung behalten, so Monika Heinz.

Nach vielseitiger Quellenrecherche lasse sich festhalten, „dass übereinstimmend vom guten nachbarschaftlichen Verhältnis zwischen Juden und Christen bis in die 1930er-Jahre berichtet wird“, erzählt Rosemarie Plewe. „Hierzu gehörte auch, dass die Juden ins örtliche Vereinsleben integriert waren.“

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