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Debatte: Friedberg: Mohren-Apotheke will ihren Namen nicht aufgeben

Von „Nicht eine Sekunde denke ich über eine Namensänderung nach“, betont Kerstin Podszus, Inhaberin der 400 Jahre alten Mohren-Apotheke in Friedberg. Auch ihre Kunden haben kein Verständnis für die aktuelle „Mohren“-Debatte.
Apothekerin Kerstin Podszus (rechts) und Mitarbeiterin Cornelia Kamphaus-Krahe stehen zum traditionsreichen Namen. Foto: Petra Ihm-Fahle Apothekerin Kerstin Podszus (rechts) und Mitarbeiterin Cornelia Kamphaus-Krahe stehen zum traditionsreichen Namen.
Friedberg. 

„Du liebes Bisschen!“ Hans Dümpelmann schüttelt den Kopf, während er seinen Namen auf die Unterschriftenliste in der Hofapotheke zum Mohren in Friedberg setzt. Eine Aktion, die Inhaberin Kerstin Podszus und ihr Team initiiert haben, weil ihnen die jüngst vorgetragene Forderung der Kommunalen Ausländervertretung Frankfurt Sorge bereitet. Das Gremium will, dass Mohren-Apotheken ihren Namen ändern, da das Wort „Mohr“ rassistisch sei. „Die spinnen“, fährt Kunde Dümpelmann fort. Etwas Tradition und Selbstbewusstsein sollte jeder Bürger behalten, meint er.

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Oft findet man die Historie auch dort, wo es ziemlich modern aussieht. So ist es in der Hirsch-Apotheke in der Zeil 111: Sie ist nicht nur die zweitälteste Apotheke Frankfurts, sondern auch Keimzelle des Gesundheitskonzerns Fresenius, den Else Kröner 1946 übernahm und ausbaute. Nach ihr soll nun die dortige Passage benannt werden.

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1621 wurde die Mohren-Apotheke in Friedberg gegründet, ist seit 99 Jahren in Familienbesitz, wie Podszus erläutert. Ihr Großvater Hans führte die Apotheke bis 1990, verpachtete sie anschließend, bis Enkelin Kerstin das Unternehmen 2001 übernahm. Dass sie die Familientradition fortführt, habe dem Großvater sehr viel bedeutet.

Mit Tradition

„Mein Herzblut steckt in dieser Apotheke“, unterstreicht die 47-Jährige, die aus diesen traditionellen und emotionalen Gründen keinesfalls den Namen ändern würde. Auch geschäftlich dürfte es ihrer Ansicht nach schwierig werden, wenn das 400 Jahre alte Geschäft plötzlich unter anderem Namen firmieren müsse und den Wiedererkennungswert verlöre. „Wir sind eine Institution, die jeder kennt. Ich wüsste nicht, ob ich als kleine Einzelapothekerin dann weiterbestehen könnte“, sagt sie. Die Forderung sei nicht verhältnismäßig. Bei ihren Kunden sei das Thema ständig Gesprächsstoff.

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Und noch niemals habe sich ein Kunde wegen des Namens beschwert, obwohl sie internationales Publikum habe. „Im Moment haben wir gigantische positive Rückmeldungen, die Leute sagen: ,Sie behalten doch Ihren Namen?’“ Mit der Unterschriftenliste wolle sie diesen Rückhalt dokumentieren, falls irgendwann einmal etwas von oben komme. Jeder Kunde habe bisher unterzeichnet, den sie und ihre Mitarbeiter angesprochen hätten. „Aber hallo!“, ruft eine Frau an der Kasse und zückt den Stift. „Wehe, Sie lassen sich rumkriegen. Wer schlecht denken will, dem fällt zu allem etwas ein“, findet sie.

Hof beliefert

1892 wurde die Apotheke durch Großherzog Ernst Ludwig zur Hofapotheke ernannt, worauf der damalige Inhaber Wilhelm Georgi das Privileg hatte, den Hof zu beliefern. „Seitdem heißt sie ’Hofapotheke zum Mohren’“, erzählt Podszus. Knapp 100 Mohrenapotheken gebe es in Deutschland, es gebe aber keine Theorie, woher der Name kommt. Nach Ansicht von Fachleuten könne es etwas mit den Gewürzen und Heilmitteln aus fernen Ländern zu tun haben.

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