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Gewittersturm hinterlässt Schneise der Verwüstung

Von Jana Kötter und Dennis Pfeiffer-Goldmann Mit einem Paukenschlag hat sich gestern der Hochsommer verabschiedet: Ein Unwetter zieht am Nachmittag über Wetterau- und Main-Kinzig-Kreis hinweg. Am schlimmsten trifft es die Einwohner in Karben. Von diesem Dach in Klein-Karben bergen Feuerwehrleute lose Dachziegel. Viel Regen dringt ins Haus ein. Bilder > Von diesem Dach in Klein-Karben bergen Feuerwehrleute lose Dachziegel. Viel Regen dringt ins Haus ein.

Karben. 

Die losen Ziegel auf dem Dach hat er gesichert, nun steht der Mann auf der Leiter und reinigt die zugesetzten Abflüsse der Regenrinne. „Wir sind jahrelang verschont worden“, sagt er. „Da hat es uns wohl diesmal treffen sollen.“

Überall in der Rathausstraße in Klein-Karben, dem Ortszentrum des größten Stadtteils von Karben, blitzt das Blaulicht der Feuerwehrautos. Feuerwehrmann Christoph Häusler steht mit einem Kollegen auf der Drehleiter. Vorsichtig heben sie Dachziegel von einem Haus herunter, die der Sturm gelockert hat. Einige von ihnen hatte das Unwetter auf die Straße donnern lassen. Der Sturm habe in der Wetterau eine wortwörtliche Schneise der Verwüstung gezogen, sagt Kreisbrandinspektor Otfried Hartmann.

Karben trifft es am stärksten: „60 der 150 Einsätze in der Wetterau haben die Feuerwehren dort.“ Das Unwetter zieht über Niddatal, Florstadt, Altenstadt nach Nordosten weiter. In all diesen Orten laufen Keller voll, blockieren umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste Straßen, Wege und Bahnstrecken.

„Es ging von einer Sekunde auf die andere los“, erzählt ein Anwohner in Klein-Karben. „Es war ganz dunkel, dann tobte der Sturm. Wie bei einer Windhose drehte sich alles.“ Hartmann ordnet den Sturm aber „nur“ als starkes Sommergewitter ein. Wie hoch die Schäden sind, bleibt am Dienstag unklar.

 

Bad Nauheim ohne Strom

 

Am Bahnhof Groß-Karben stürzt ein Baum auf vier geparkte Autos. In einem davon, einem Taxi, sitzt noch der Fahrer. Er hat Glück, bleibt unverletzt. Der Benz ist nach Einschätzung von Augenzeugen aber Schrott. Den schwersten Sturm-Unfall gibt es auf der A 45: Bei Florstadt wird ein leerer Sattelzug von einer Orkanböe umgeweht, erläutert ein Beamter der Butzbacher Autobahnpolizei.

Den Fahrer (59) aus Miltenberg befreien Feuerwehrleute unverletzt aus seinem Führerhaus. Der Sachschaden liegt bei rund 10 000 Euro. In Bad Nauheim kommt es kurzzeitig zu einem Stromausfall - die Ursache ist am Abend noch unklar.

Bilderstrecke Unwetter wütet in der Wetterau Ein Unwetter hat am Dienstag (06.08.2013) in der Wetterau gewütet. In unserer Fotostrecke sehen Sie Bilder vom Einsatz der Feuerwehr und den Aufräumarbeiten. Ein Unwetter hat am Dienstag (06.08.2013) in der Wetterau gewütet. In unserer Fotostrecke sehen Sie Bilder vom Einsatz der Feuerwehr und den Aufräumarbeiten. Alle Fotos: Pfeiffer-Goldmann (11), Samon (2), Kötter (1), Feuerwehr (1) <br><br> Hier: Glas-Bruch en masse: Auf . . . . . . einem Lagerplatz des Mineralwasserherstellers Hassia in Bad Vilbel hat der Gewittersturm hohe Stapel von Leergut zum Einsturz gebracht.

47 Feuerwehren rücken im Main-Kinzig-Kreis zu mehr als 110 Einsätzen aus, erläutert Kreissprecher Lennart Meyer. In Nidderau müssen sie Bahngleise und Oberleitungen von umgestürzten Bäumen befreien. „Außerdem steht hier das Wasser auf der Straße“, erzählt Kerstin Pusch, während ihr Mann Stefan für die Feuerwehr Eichen Keller auspumpte. „Bäume sind umgeknickt, Äste und Schwimmbadutensilien die Straße entlang geflogen. Das war Wahnsinn.“

In Schöneck räumt die Feuerwehr „diverse Bäume von der Straße“, berichtet Gemeindebrandinspektor Thomas Walter. Ein Baum stürzte auf eine Garage und hinterlässt 15 000 Euro Schaden.

In Karben sind alle Stadtteile außer Rendel sind von Sturmschäden betroffen. Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte haben bis in die Dunkelheit hinein zu tun. Vize-Stadtbrandinspektor Christian Becker bittet deshalb das Technische Hilfswerk und das Rote Kreuz um Unterstützung. Für den jungen Feuerwehrmann ist der Einsatz die erste Großschadenslage, die er als Einsatzleiter bewältigen muss.

 

Viele Züge fallen aus

 

Auch von diversen weiteren Dächern müssen die Karbener Feuerwehrleute lose Dachziegel bergen.

Dafür wird die Rendeler Straße gesperrt. Wodurch der Stadtbusverkehr zeitweise zum Erliegen kommt. Mit einem blauen Auge kommen die Menschen in Bad Vilbel davon: Nur 15 Einsätze habe es gegeben, erklärt Otfried Hartmann. Am Bad Vilbeler Bahnhof warten viele Fahrgäste vergeblich: Bis Betriebsschluss fallen diverse Fahrten der S-Bahn-Linie S6, der Niddertalbahn und der Regionalzüge auf der Main-Weser-Bahn aus.

Züge, die fahren, haben teils massive Verspätungen. In Friedberg ist auch der Fernverkehr betroffen.

 

 

Fotos von den Folgen des Unwetters in Karben und der Wetterau gibt es unter
www.fnp.de/unwetter

 

 

Wie in vielen Orten machen sich in Klein-Karben die Menschen am Abend ans Aufräumen. Überall liegen Blätter, Äste, Gartenutensilien, Eimer, Plastikplanen herum. Verstopfte Gullys haben die Straßen kurzzeitig überschwemmt. Mindestens bei zwei Firmen reißt der Sturm Leuchtreklamen herunter.

Am Gasthof Gehspitze in Groß-Karben stürzt ein morscher Baum um. Er begräbt den kompletten Biergarten unter sich. Dabei ist der Sommer noch gar nicht vorbei.

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