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Prozess gegen Eltern läuft: Grauen um getötetes Baby soll ein Ende finden

Nach sechseinhalb Jahren begann gestern der letzte Akt eines Bad Vilbeler Dramas. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt die Jugendstrafkammer am Landgericht Frankfurt gegen die Eltern des Säuglings, der am 27. Mai 2010 tot an der Nidda in Bad Vilbel aufgefunden wurde. Posthum erhielt das Kind den Namen Magdalene.
Am Ort des Geschehens: Hier wurde die kleine Magdalene am 27.Mai 2010 an der Nidda gefunden. Kriminalhauptkommissar Klaus Schmidt ist vor Ort. Am Ort des Geschehens: Hier wurde die kleine Magdalene am 27.Mai 2010 an der Nidda gefunden. Kriminalhauptkommissar Klaus Schmidt ist vor Ort.
Bad Vilbel. 

Totschlag durch Unterlassen: So lautet der Vorwurf der Anklage im Prozess um den Tod der kleinen Magdalene, die im Mai 2010 in einer Bad Vilbeler Badewanne geboren wird. Doch die Mutter lässt das Kind nicht auftauchen: Nur Momente, nach denen es das Licht der Welt erblickt hat, erlischt das neue Leben auch schon wieder. Wo genau dies geschah, ist auch heute zumindest der Öffentlichkeit noch nicht bekannt und wirft weiter Fragen auf. Später wurde der Leichnam – in einem Müllsack versteckt – am Ufer der Nidda zwischen Bahnstrecke und Freibad aufgefunden.

Zum Thema: Urteil am 19. Dezember

In dem auf drei Verhandlungstage terminierten Prozess vor der Jugendstrafkammer des Landgerichts Frankfurt soll auch ein psychiatrischer Sachverständiger zur Frage der Schuldfähigkeit gehört

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Schuld am Tod des Säuglings sind nach Ansicht der Staatsanwaltschaft die Mutter und der Vater des Babys, damals gerade 16 Jahre alt. Die Mutter habe das unter Wasser zur Welt gekommene Kind nicht über der Wasseroberfläche gehalten, als es nach Luft zu schnappen begonnen hatte. Und der Vater stand die ganze Zeit regungslos neben der Badewanne.

Obwohl der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, finden sich gestern einige Kamerateams vor dem Gerichtssaal 12 im Gebäude des Frankfurter Landgerichts ein, um visuelle Eindrücke zu erhaschen. Der Fall hatte seinerzeit einfach zu viel Wirbel verursacht und war auch im März dieses Jahres noch einmal in die Schlagzeilen geraten, als die Mutter hilflos aufgegriffen worden war und die lange zurückliegende Tat den Polizeibeamten gebeichtet hatte.

Höchststrafe: zehn Jahre

Die meisten Kameraleute mussten sich jedoch damit begnügen, den Aushangzettel vor dem Saal zu filmen, auf dem statt der Namen der Angeklagten und ihrer Verteidiger nur „N.N.“ zu lesen war. Und darunter prangte das große rote Licht mit der Inschrift „Nicht öffentlich“. Zwischendurch aber ist Vorsitzender Richter Ulrich Erlbruch unterwegs auf den Gerichtsfluren. Alles habe planmäßig angefangen, sagt der Richter, und man werde den Prozess aller Wahrscheinlichkeit auch termingerecht am 19. Dezember mit der Verkündung eines Urteil beenden – maßgeblich für das Strafmaß wird das Jugendstrafrecht sein, das eine Höchststrafe von zehn Jahren vorsieht.

In Bad Vilbel indes bleibt die traurige Geschichte unvergessen. Es war Dienstag, der 27. Mai 2010. Ein Radfahrer fuhr an der Nidda nahe der Innenstadt entlang. Gegen 18.15 Uhr fand er die Leiche durch Zufall. Er sah einen blauen Müllsack und hoffte, dort etwas verwertbares zu entdecken. Doch stattdessen machte er in einem Gebüsch hinter einer kleinen Böschung seinen grausigen Fund.

Noch immer ist das Grab von Magdalene im Gräberfeld F des Friedhofs Lohstraße bestens gepflegt; eine Aufgabe, die von den Vilbeler Bestattungsunternehmen übernommen wird. Weiße Steine rahmen das kleine Grab ein, ein betender Engel blickt auf es hinab. Am 8. Juni 2010 nahmen viele Bad Vilbeler Abschied von dem Mädchen, das sie nie gekannt hatten. Mitarbeiter der Stadtverwaltung und eines örtlichen Beerdigungsinstituts gaben dem Mädchen den Namen „Magdalene“.

2800 Frauen getestet

Der Fund hatte großangelegte Ermittlungen ausgelöst. Eine fünfköpfige Arbeitsgruppe der Polizei Friedberg hatte dann weitere Fakten parat: Das Baby war lebend geboren worden und starb keines natürlichen Todes. Die Ermittler gingen damals davon aus, dass die gesuchte Frau sich an der Nidda auskannte. Trotz der aufwendigen Ermittlungen wurden jedoch keine konkreten Hinweise auf die Täterin gefunden.

Rund 2800 Frauen zwischen 15 und 35 Jahren gaben dann bei einem Massen-Gentest Speichelproben ab. Ohne Erfolg für die Ermittler. Erst im März diesen Jahres half der Zufall bei der Beantwortung dieser Frage: Denn eine 22-jährige Frau wurde kurz zuvor von der Polizei als „hilflose Person“ in Frankfurt aufgefunden. Bei den Vernehmungen ergab sich der dringende Tatverdacht gegen die Frau, die Mutter und auch verantwortlich für den Tod von Magdalene gewesen sei.

Als die Identität der Mutter geklärt wurde, äußerte sich auch Bad Vilbels Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU): „Das Schicksal von Magdalene bewegt mich auch heute noch. Es bleiben die Erinnerungen an die große Anteilnahme der Bevölkerung, aber auch der Pietäten und Steinmetze, die Magdalene eine würdige Ruhestätte schufen.“

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