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Hundebeutel-Stationen in Bad Vilbel: Hundekot: Kleine Haufen, großer Ärger

Vor vier Jahren hatten die Heilsberger die Schnauze voll von Hundekot auf Gehwegen. Die Fraktionen von CDU und Grüne nahmen sich im Ortsbeirat der Hinterlassenschaften an. Im Juni 2011 stellten sie zwei Anträge, in einem Pilotprojekt Dog-Stationen einzurichten. Die Anträge wurden vereinheitlicht und bei einer Enthaltung angenommen. Eine Erfolgsgeschichte mit politischen „Tretminen“ war auf den Weg gebracht.
Auf dem Heilsberg ist Ingrid Schenk bereits seit Jahren unterwegs, um die Dog-Stationen immer wieder neu zu bestücken. Viele Hundehalter bedienen sich daran. Doch manch ein Beutel landet nach Benutzung im Gebüsch. Bilder > Foto: Kurt Sänger Auf dem Heilsberg ist Ingrid Schenk bereits seit Jahren unterwegs, um die Dog-Stationen immer wieder neu zu bestücken. Viele Hundehalter bedienen sich daran. Doch manch ein Beutel landet nach Benutzung im Gebüsch.
Bad Vilbel. 

Ingrid Schenk zählt zu den ersten Aktivistinnen, die einmal wöchentlich auf dem Heilsberg die Dog-Stationen in der Freudenberg-Anlage mit Entsorgungsbeuteln befüllten. Sie tut dies heute noch ehrenamtlich, wie auch ihre Kollegen in den anderen Stadtteilen – mit Ausnahme von Gronau. Rund 1290 angemeldete Hunde gibt es zurzeit in der Stadt. Im vergangenen Jahr wurden 145 000 Entsorgungsbeutel über 20 Dog-Stationen an die Hundehalter verteilt, sagt Bastian Zander, Sprecher der Stadt. Eine Dog-Station kostet die Stadt ohne Installationsarbeiten 145 Euro.

Der Anfang war nicht einfach und die Vorbehalte in der Stadtverwaltung waren groß, erinnert sich Schenk. Die erste Box fiel dem Vandalismus zum Opfer. Dann musste der Pfosten zusätzlich einbetoniert werden. Nicht alle verstanden den Sinn der silbernen Box aus Stahlblech sogleich. Zwar wurden die Kotbeutel entnommen, doch deren Entsorgung erfolgte teilweise im nächsten Gebüsch. Ein Problem, das immer wieder vorkommt, sagt Schenk: „Es gibt Ecken, da fehlt noch ein zusätzlicher Müllbehälter.“

 

Überrascht von Resonanz

 

Dennoch wurde das Projekt von den meisten Hundehaltern als „sehr positiv“ angenommen, resümiert Schenk. Mittlerweile stehen fünf Dog-Stationen auf dem Heilsberg, deren Versorgung ebenfalls von ehrenamtlichen Kräften geleistet wird. Insgesamt wurden auf dem Heilsberg im vergangenen Jahr 43 000 Hundekotbeutel verteilt.

„Ohne diese ehrenamtliche Tätigkeit und gemeinsame Beschlusslage im Ortsbeirat wäre das Projekt nicht so gut gelaufen“, ist sich Jens Völker (CDU) sicher. Die Vorbehalte der städtischen Verwaltung gegen dieses Projekt von damals „sind ausgeräumt“, sagt er. Ortsvorsteher Christian Kühl (SPD) lobt das „gemeinsame Engagement“, und Manfred Kissing (Grüne) ist „überrascht von der Resonanz auf ein Projekt vor vier Jahren“. Aber Kissing sieht noch weiteren Handlungs- und Aufklärungsbedarf, etwa am Heilsberger Plattenweg.

Handlungsbedarf gibt es auch in der Kernstadt. Lediglich zwei Dog-Stationen wurden bisher installiert, am Berkersheimer Weg und in der Goethestraße. Befüllt werden die Stationen von Susanne Lorenzini. Bisher hat sie 15 000 Entsorgungsbeutel geordert. Wie Kollegin Schenk vom Heilsberg moniert Lorenzini „fehlende Müllbehälter in der Entsorgungskette“. Die Dog-Stationen werden jedoch angenommen, sagt sie. Ein Manko bestehe im Stadtzentrum und im Kurpark sowie entlang der Nidda zum Festplatzgelände. Dort gehörten die „Tretminen“ noch zum täglichen Geschäft.

In Massenheim ist man hingegen voll des Lobes. Für Ortsvorsteher Bernd Hielscher (SPD) hat sich „die Situation definitiv verbessert“. Der Skulpturen-Park entlang des Erlenbaches „ist weitestgehend sauber“. Zuständig für die drei Dog-Stationen ist Peter Paul. Übers Jahr wurden 28 000 Entsorgungsbeutel verteilt. „Das Projekt ist über alle Erwartungen gut gelaufen“, findet Paul. Seine Bilanz: „An die 80 Prozent weniger Hundehaufen in der Landschaft.“ Aber auch in Massenheim gebe es immer noch beratungsresistente Menschen.

Denn nicht alle Hundehalter haben in der Vergangenheit zur Sauberkeit auf Gehwegen und in Anlagen beigetragen. Wer erwischt wird, dem droht ein Bußgeld von 50 Euro. Ein Problem, das auch in Dortelweil die Erfolgsgeschichte schmälert. Statt die Hundekotbeutel in einen Müllbehälter zu entsorgen, landen die Beutel oft im Uferbereich der Nidda. Zudem hat es anfangs Missverständnisse gegeben, berichtet Ulrike Greiner, die in Dortelweil drei Dog-Stationen betreut. „Am Anfang haben die Leute die Beutel wieder unter die Spenderboxen gelegt im Glauben, dass diese dort abgeholt werden.“ Und auch Greiner kritisiert gleichlautend, dass zu wenig Müllbehälter zur Entsorgung der Kotbeutel vorhanden sind.

 

Ausnahme in Gronau

 

In Dortelweil mit Dortelweil-West wurden im vergangenen Jahr 59 000 Hundekotbeutel ausgegeben. Neben Greiner betreuen Nicole Knöll und Karoline Klopf neun Dog-Stationen. Ein „positives Resümee mit Abstrichen“ zieht Klopf für Dortelweil-West. Die angehende Tierärztin macht auf die Gesundheitsrisiken aufmerksam, die vom Hundekot auch für den Menschen ausgehen (siehe „Auf ein Wort“). „Wir sammeln jetzt Erfahrungen und werten diese aus“, sagt Ortsvorsteher Herbert Anders (CDU), Kritiken und Anregungen sollen geprüft werden.

Karoline Knopf
Interview Hundekot: Gefahren für Mensch und Tier

Karoline Klopf studiert Veterinärmedizin und betreut in Dortelweil Dog-Stationen. Sie erklärt, warum Hundekot gefährlich ist.

clearing

Eine Prüfung hält hingegen sein Kollege in Gronau, Karl Peter Schäfer (CDU), für nicht erforderlich. Schäfer bezweifelt die Wirkung von Dog-Stationen: „Bisher gab es weder im Ortsbeirat noch bei mir Anfragen oder Anträge. Wir sind aber sehr wohl über die Problematik und den Unmut in der Bevölkerung und der Landwirtschaft über die Hinterlassenschaften informiert. Jedoch ist Gronau anders als andere Stadtteile, da wir keine Park- und Grünanlagen haben. Gronau ist von Natur- und Vogelschutzgebieten umgeben, in denen sowieso keine Hunde erlaubt sind. Das gilt auch für Spielplätze.

In die Felder dürfen die Hunde. Dieser Bereich ist so groß, dass wir eine Wirkung einzelner Spenderboxen nicht erwarten. Vielmehr erwarten wir von den Bürgern ein verantwortungsvolles Verhalten, dass sie die Schutzgebiete respektieren und bei den Spaziergängen selbst für ausreichend Vorsorge zur Aufnahme der Hinterlassenschaften sorgen.“

Diese Position teilt Gerd Rinck (SPD) nicht. Er beabsichtigt, zur Gronauer Ortsbeiratssitzung im Mai einen entsprechenden Antrag einzubringen.

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