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Im Cockpit ist das Leben schön

Gut zehn Jahre ist es her, da berichtete die FNP über Burkhard Fiebig aus Bad Vilbel, in dessen Garage im Ulmenweg kein Auto, sondern das vordere Rumpfteil einer russischen MIG 21 steht.
Burkhard Fiebig (links) und Gary Gray "fliegen" auf dem August-Euler-Flugplatz in Darmstadt-Griesheim die DC 8, die viele Besucher des Frankfurter Flughafens von der dortigen Aussichtsplattform kennen.	Foto: Beppo Bachfischer Burkhard Fiebig (links) und Gary Gray "fliegen" auf dem August-Euler-Flugplatz in Darmstadt-Griesheim die DC 8, die viele Besucher des Frankfurter Flughafens von der dortigen Aussichtsplattform kennen. Foto: Beppo Bachfischer
Bad Vilbel. 

In seinem Keller kann er wahlweise im Cockpit eines Starfighters oder zum Fernsehen in First-Class-Sesseln aus einem Lufthansa-Jumbo Platz nehmen. "Ein Museum wäre klasse", sagte der Sammler von allem, was mit Flugzeugen zu tun hat, damals. Diesem Ziel ist er einen großen Schritt näher gekommen.

Drei Jahre nach dem damaligen Artikel, 2005, gründete sich auf Fiebigs Initiative am 21. Dezember im Bad Vilbeler City-Hotel der Förderverein "August-Euler-Luftfahrtmuseum". Dieses Museum soll dort entstehen, wo der Luftfahrtpionier der ersten Stunde und Namensgeber 1908/1909 einen Teil des Griesheimer Sandes pachtete, um darauf Flugzeuge zu bauen und zu erproben. Dieses Gelände wurde der erste Flugplatz Deutschlands.

Dort legte Euler am Silvestertag 1909 im Alter von 41 Jahren seine Pilotenprüfung ab und erhielt am 1. Februar 1910 das "Flugzeugführer-Zeugnis Deutschland Nr. 1". Euler bildete 74 Flugschüler aus, darunter den ersten Postflieger Deutschlands, Ferdinand von Hiddessen, und Prinz Heinrich von Preußen, den Bruder von Kaiser Wilhelm II.

30 Flugzeugtypen

Bis 1919 produzierte er 30 verschiedene Flugzeugtypen. Euler wurde nach dem Ersten Weltkrieg zum Leiter des neuen Reichsluftfahrtamtes ernannt und gestaltete in dieser Position die deutsche Luftfahrt maßgeblich mit. 1922 trat der Fliegerpionier in den Ruhestand. Er starb 1957 in seinem Haus im Schwarzwald und wurde in einem Ehrengrab auf dem Frankfurter Hauptfriedhof beigesetzt.

Unter den Gründungsmitgliedern des Fördervereins für das Museum auf dem Griesheimer Flugplatz finden sich Nachfahren Eulers neben Heimatkundlern, Piloten, Modellbauern, Kommunalpolitikern, Historikern und Flugzeugbegeisterten. "Heute sind die Ältesten der 106 Mitglieder über 80, das jüngste ist elf Jahre alt", sagt Vorsitzender Fiebig. Gemeinsam ist ihnen allen "die Leidenschaft zur Fliegerei". Hinzu kommt bei vielen eine Sammelleidenschaft.

Das Schicksal wollte es, dass sich Kontakte zu Johann-Dietrich Wörner ergaben, einem Hochschullehrer für Ingenieurwissenschaften. Unter seiner Präsidentschaft hat die Technische Universität Darmstadt 2005 den Flugplatz gekauft, um ihn einerseits für technische, aber auch für Forschungszwecke des Fachbereichs Biologie zu nutzen. Denn der Flugplatz ist ein einzigartiges Biotop von hohem ökologischem Wert.

Er stellte dem Förderverein Platz für Exponate und zum Arbeiten zur Verfügung. Fiebig versteht, bedauert aber auch, dass "dieser große Förderer unserer Idee" 2007 als Vorstandsvorsitzender zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt gewechselt ist.

Platz reicht nicht aus

Natürlich reicht der Platz am Griesheimer Sand nicht aus, um die Exponate des Vereins unterzubringen, geschweige denn in einer Ausstellung zu präsentieren. Der Vorsitzende ist deshalb froh, im Egelsbacher Diamond Center wenigstens einige Fluggeräte sowie technische Ausstattungsgegenstände, Urkunden und historische Dokumente in Vitrinen der Öffentlichkeit zugänglich machen zu können. Unter anderem sind dort der Lilienthal-Gleiter und der "Rote Baron" zu sehen. Ein Glücksfall, dass die Museumsfreunde auch die Fraport über deren damaligen Chef Wilhelm Bender mit an Bord nehmen konnten.

Gebäude verfallen

Dadurch gingen die Flugzeuge, die unter der Decke des Frankfurter Flughafenterminals hingen, an das Museum über. Leider fehlt der Platz, sie zu zeigen. "Zusammen mit der TU Darmstadt haben wir versucht, die historischen Hallen auf dem Flugplatz zu bekommen, nachdem die Amerikaner abgezogen waren und die Gebäude auf die Bundesimmobilienverwaltung übergegangen waren", berichtet Fiebig. Vergebens. Statt sie renovieren und nutzen zu können, müssen Flugzeugbegeisterte und Wissenschaftler zusehen, wie sie verfallen. Fiebig: "Wir hoffen aber immer noch auf eine positive Lösung."

Eines der bekanntesten Ausstellungsstücke, das einst mit Gangway auf der Besucherterrasse des Frankfurter Flughafens tausendfach als Fotomotiv diente und nun auf dem Griesheimer Flugplatz steht, ist die Spitze mit Cockpit einer DC 8. Zwei Jahre lang haben Techniker-Lehrlinge der Lufthansa das gute Stück restauriert, die Statik wieder hergestellt und mit Lufthansa-Sitzen als Info-Raum für kleinere Gruppen ausgestattet.

Gaddafis Maschine

Bei der Arbeit trat Überraschendes zutage. Nachdem mehrere Farbschichten abgetragen waren, stellte sich heraus, dass die DC 8 einst von dem früheren libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi genutzt wurde. Es gibt sogar ein Foto des Flugzeugs mit ihm und Palästinenserführer Jassir Arafat.

In einem Container daneben hat Gary Gray, Schatzmeister des Fördervereins, daran gearbeitet, einen "Gelben Hund" nachzubauen. Der "Gelbe Hund" ist Eulers für Postflüge entwickelte Flugmaschine Nummer 33. Ihren Namen verdankt sie der Wut ihres Konstrukteurs. Als sie nicht tat, was er wollte, soll Euler geschrien haben: "Verdammter Hund, flieg!" Am 10. Juni 1912 hob Ferdinand von Hiddensen im "Gelben Hund" mit der ersten Luftpost vom Flughafen Frankfurt ab.

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