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Generationswechsel bei Karbener Feuerwehr: Junge übernehmen Kommando

Von Die Karbener Feuerwehren haben eine neue, jüngere Führung. Die Mannschaften wählten den bisherigen Vize Christian Becker zum neuen Stadtfeuerwehrchef. Wie gut das Wahlergebnis war, das macht den Okarbener baff.
Stehende Ovationen spenden die 105 Feuerwehrleute spontan ihrem scheidenden Chef. Stehende Ovationen spenden die 105 Feuerwehrleute spontan ihrem scheidenden Chef.
Karben. 

„Er war in den letzten Woche ganz schön angespannt“, sagt Bürgermeister Guido Rahn (CDU) mit breitem Grinsen in Richtung von Christian Becker (30). Der antwortet mit einem Lächeln. Gerade haben ihn die Mitglieder der sechs Karbener Feuerwehren zu ihrem neuen Kommandanten gewählt, dem Stadtbrandinspektor.

Das Ergebnis ist überwältigend: Alle 105 Feuerwehrleute im Bürgerzentrum heben ihre Hand für Ja. So zügig, wie der Bürgermeister die Wahl leitet, realisiert der bisherige Feuerwehrvize dieses Traumergebnis zunächst gar nicht richtig. Doch sein Vater Werner Becker, Wehrführer in Okarben, springt auf, läuft zu seinem Sohn und umarmt ihn.

Kann beruhigt das Kommando abgeben: Thomas Bier mit Christian Becker und Christoph Häusler. Bild-Zoom
Kann beruhigt das Kommando abgeben: Thomas Bier mit Christian Becker und Christoph Häusler.

„Ich bin positiv schockiert“, sagt Christian Becker. Dabei standen alle Zeichen für einen Durchmarsch. Der bisherige stellvertretende Stadtbrandinspektor ist seit Jugendtagen in der Feuerwehr. Mit seinem herzlichen Wesen ist er allseits beliebt.

Genau so gut fällt das Ergebnis für Beckers Nachfolger als Vize aus: Christoph Häusler (29), Vize-Wehrführer der größten Truppe Karben-Mitte, erhält volle Zustimmung bei nur einer einzigen Enthaltung.

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Abschied mit Wehmut

„Habt eine gute Hand, die Herausforderungen werden immer größer“, gibt Thomas Bier (57) seinen Nachfolgern mit. Der Stadtbrandinspektor beendet sein Ehrenamt zum Monatsende – mit Wehmut, wie er gesteht, aber auch viel Zuversicht in die nächste Generation: „Ich bin nicht bange, dass Christian und Christoph das Ruder gut übernehmen“, sagt Thomas Bier.

Anderthalb Jahrzehnte lang hatte er den Karbener Wehren vorgestanden. Fast eine halbe Stunde lang verliest Bier seinen Bericht – und nimmt sich Zeit auch für eine Gesamtrückschau. Inklusive des Erwähnens von Einsatzhöhepunkten wie 2006 dem Brand des Riesen-Pferdemisthaufens am Karbener Wald, der unlöschbar acht Wochen lang kontrolliert vor sich hin glomm und bis Frankfurt stank.

2253 Einsätze absolvierten die Wehren während Biers Amtszeit. Nur, weil Karben in den vergangenen beiden Jahren von Unwettern verschont geblieben sei, sei die Zahl der Einsätze um je ein Drittel gesunken – auf 96 im Jahr 2016 .

Doch mit Rauchmeldern überall und immer mehr Brandmeldeanlagen nehme die Zahl der Alarmierungen tendenziell zu – auch die der Fehlalarme, erinnert Thomas Bier. Sie sind längst Hauptjob der Wehr. Zugleich würden Einsätze aufwändiger, etwa wenn Fassadendämmungen brennen. Neue mögliche Einsatzorte wie das Hochregallager der Kelterei Rapp’s und das erheblich vergrößerte Umspannwerk in Rendel stellten die Wehren vor enorme Herausforderungen.

Die Truppe motivieren

Dazu muss sich der Feuerwehrchef mit allerlei Regularien und Gesetzen herumschlagen, Vergaberecht, aufwändigen Anschaffungen. „Ihr habt euch jede Menge Zeug aufgehalst“, gibt Bier den Neuen mit – und es schwingt auch ein wenig Erleichterung mit, dass er sich darum nicht mehr kümmern muss.

Voller Dank ist Bürgermeister dem scheidenden Feuerwehrchef: „Solche Leute brauchen wir, die solche Arbeit 15 Jahre lang nebenher machen.“ Die Wahl des neuen Führungsduos macht Rahn euphorisch: „Ich finde diese Einigkeit klasse, das macht die Feuerwehr stark.“

Mit seit Jahren stabil 85 Mädchen und Jungs in der Jugendfeuerwehr und schon 50 Dreikäsehochs in den Kinderfeuerwehren seien die Brandschützer bestens aufgestellt. Zukunftssorgen müsse sich niemand machen „mit so einem tollen Nachwuchs“, sagt Rahn und schaut dabei Becker und Häusler an.

Die Motivation der Truppe nennt Christoph Häusler als wichtigstes Ziel und die Hürde zu bewältigen, „neue Leute zu gewinnen“. Zwar sei nicht jeder Wunsch umsetzbar, drückt Christian Becker auf die Euphorie-Bremse, „Aber wir können über alles reden.“ Nötig sei aber, dass alle ihn unterstützten, fordert der Neue: „Stadtbrandinspektor ist keine One-Man-Show.“

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