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Natur: Kampagne des Landes soll vor allem junge Menschen für Streuobstwiesen begeistern

Dem dramatischen Artensterben von Pflanzen und Tieren will die Landesregierung mit einer Kampagne begegnen. In Karben hat sie deshalb jetzt das erste Projekt gestartet: „Biologische Vielfalt im Bembel.“
Am großen Apfelsilo der Kelterei Rapp’s in Karben starten (von links) Volker Thoma, Annette Enders, Johann Ferber und Martin Heil die Kampagne „Biologische Vielfalt im Bembel“. Am großen Apfelsilo der Kelterei Rapp’s in Karben starten (von links) Volker Thoma, Annette Enders, Johann Ferber und Martin Heil die Kampagne „Biologische Vielfalt im Bembel“.
Karben. 

Ohne Bienen keine Blüten, ohne Blüten keine Äpfel. Auf diese einfache Formel bringt es der Vorsitzende des Verbandes der hessischen Apfelwein- und Fruchtsaftkeltereien, Martin Heil. In den vergangenen Jahren sei die Zahl der Bienen markant zurückgegangen, weiß die Abteilungsleiterin Landwirtschaft im hessischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium, Annette Enders. Der Grund ist einfach: Es gibt zu wenig Blühstreifen.

Auch andere Beispiele zeigen, dass die Vielfalt bei Lebensmitteln und deren Anbau auf der Strecke geblieben sind. Johann Ferber, Vorsitzender der Marketinggesellschaft „Gutes aus Hessen“ (MGH) mit Sitz in Friedberg sagt: Es seien rund 700 Getreidesorten bekannt. „Auf dem Markt wird aber mit nicht mehr als fünf Sorten gearbeitet.“

Damit der Anbau von Früchten wieder vielfältiger wird, hat die schwarz-grüne Landesregierung eine Kampagne zur Biodiversität gestartet. Sie gliedert sich in zwei Projekte. Das erste hat am Freitag in der Karbener „Juice Factory“ von Rapp’s begonnen. Zu Beginn der Zeit des Süßen heißt es dort „Biologische Vielfalt im Bembel“ – so der Name der Kampagne, die insbesondere jüngere Leute für die Wichtigkeit einer vielfältigen Natur sensibilisieren soll. Begleitet von der Frankfurter Apfelweinkönigin Larissa Vogl machten die Verantwortlichen deutlich, dass „nur eine vielfältige, intakte Natur für den Menschen frische Luft, sauberes Wasser, fruchtbare Böden und Nahrungsmittel bereitstellen kann“.

420 000 Euro

Es habe in den vergangenen Jahren einen drastischen Verlust an Streuobstwiesen gegeben, „den wir in Hessen aufhalten müssen“. Denn diese Wiesen böten zahlreichen Tieren wie Kleinnagern und Vögeln, aber auch seltenen Pflanzenarten einen einzigartigen Lebensraum. Bei der Kelterei Rapp’s setzt man schon seit April verstärkt auf heimische Äpfel. Deshalb sieht sich der ehemalige Geschäftsführer Klaus-Dieter Kneip in der Region nach geeigneten Flächen um, die der Ockstädter Landwirt Steffen Rehde für die Karbener Kelterei pflegt (siehe Kasten).

Die Friedberger MGH ist von der Landesregierung mit der Durchführung der Kampagne beauftragt worden und soll sowohl Erzeugern als auch Verbrauchern das Thema ökologische Vielfalt näherbringen. 420 000 Euro lässt sich die hessische Regierung die Kampagne kosten.

Dazu sind verschiedene Projekte in Planung. Zum einem soll in sozialen Netzwerken auf das Thema aufmerksam gemacht werden. Zum anderen sollen Städte dazu animiert werden, ungenutzte Streuobstwiesen wieder zu pflegen.

Enders sagte, der Verlust der Vielfalt in der Landwirtschaft sei geradezu besorgniserregend. Die landwirtschaftlichen Monokulturen seien anfälliger für Schädlinge, aber auch für die Folgen des Klimawandels. Auch deshalb setze man auf ökologische Vielfalt.

Mehr vom Höhenvieh

„Wir wollen den Verbrauchern vermitteln, wie wichtig Vielfältigkeit ist“, ergänzt Ferber. „Denn mehr Vielfalt bedeutet mehr Genuss.“ Dabei setzen Landesregierung, Apfelweinwirtschaft und Marketinggesellschaft auf Nachhaltigkeit. So gebe es das hessische Biosiegel, hier würden ausschließlich nachhaltig erzeugte Produkte aus der Region zugelassen.

Im kommenden Jahr folgt ein zweites Projekt unter dem Motto „Biologische Vielfalt genießen“. Diese Kampagne befasst sich mit seltenen Nutztierrassen, zum Beispiel dem Roten Höhenvieh. Ferber sagt: „Wir wollen einen Markt schaffen für Milch und für die Fleischverwertung.“ Das Rote Höhenvieh soll auch häufiger in der Region angesiedelt werden. Mit den örtlichen Landwirten will man deshalb ins Gespräch kommen.

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