Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 17°C

Karbens vergessene Synagoge

Von Bei der Pogromnacht im November 1938 kam es wie in anderen hessischen Dörfern auch in Groß-Karben und Rendel zu Ausschreitungen und Angriffen gegen jüdische Bürger sowie zu Verhaftungen. Hartmut Polzer und Irma Mattner von der Initiative Stolpersteine ist es ein Anliegen, anlässlich des Jahrestages an die Menschen , aber auch an die Zerstörung des jüdischen Gotteshauses in Groß-Karben zu erinnern.
Diese Aufnahme zeigt die Ruinen der Synagoge in der Heldenberger Straße 10.	Repros: Krejcik Bilder > Diese Aufnahme zeigt die Ruinen der Synagoge in der Heldenberger Straße 10. Repros: Krejcik
Karben. 

"Die Pogrome fanden in Karben am 10. November statt", erklärt Hartmut Polzer. Viele jüdische Männer waren einen Tag zuvor verhaftet und ins Konzentrationslager Buchenwald gebracht worden.

Zurück blieben Frauen, Kinder und alte Menschen, die dem plündernden Mob keinen Widerstand entgegensetzten. "So gegen 17 Uhr kamen mehrere SA-Männer. Sie haben meine Einrichtungsgegenstände zerstört und die Fenster eingeschlagen. Ich saß weinend im Hof und war derart aufgeregt, dass ich genaue Einzelheiten nicht mehr schildern kann". Dies gab Rosa Rosenthal aus der Heldenberger Straße 3 in Groß-Karben am 15. Juli 1946 zu Protokoll. Sie hat den Holocaust überlebt und zog nach dem Zweiten Weltkrieg in die USA.

Bei der geplanten Aktion – durchgeführt von Mitgliedern der NSDAP-Ortsgruppe, der "Sturmabteilung" SA sowie unter Beteiligung von Bürgern – wurde auch die Synagoge in der Heldenberger Straße 10 angezündet. "Zuvor wurde das Innere samt Thorarollen geplündert", sagt Hartmut Polzer.

"Auf Anweisung von Bürgermeister Heinrich Flach durfte die Feuerwehr die Synagoge nicht löschen, sondern sollten lediglich ein Übergreifen des Feuers auf die benachbarten Häuser verhindern", sagt Polzer. Auch die Scheune von Seppel Junker, die sich auf der gegenüberliegenden Seite der Heldenberger Straße befand, brannte nieder. Nach diesen Ereignissen versuchten viele jüdische Familien, aus Karben zu fliehen.

Errichtung von Synagogen

Helmut Heide, Mitglied im Karbener Geschichtsverein, hat sich bei seinen Recherchen zur Karbener Geschichte auch mit der Geschichte der Juden beschäftigt. So sei den Juden im damaligen Freigericht Kaichen vom regierenden Friedberger Burgregiment am 4. September 1739 – nach mehreren zuvor abgelehnten Ersuchen – die Errichtung einiger Gotteshäuser erlaubt worden. Den Recherchen zufolge wurde die Groß-Karbener Synagoge entweder 1840 oder 1872 erbaut.

Heide erinnert sich an ein Gespräch mit zwei Frauen, die einen Einblick ins Innere der Synagoge bekommen hatten. "Sie haben von einem herrlichen Vorhang geschwärmt, der vor dem Thoraschrein gehangen habe", sagt er. "Die Männer hatten unten ihren Eingang, und die Frauen saßen oben, streng getrennt voneinander, wie es in der damaligen Zeit üblich war", sagt Heide.

Auf dem Grundstück, auf dem sich die Synagoge befand, erinnert ein Gedenkstein an Existenz und Zerstörung des Gotteshauses.

Keine Abbildungen

Leider gebe es weder Fotos vom Äußeren noch vom Inneren aus der Zeit, als die Synagoge unversehrt war, erzählt Polzer. Eine Vorstellung davon, wie das Gotteshaus ausgesehen hat, vermitteln Foto und Skizze von Edgar Braun aus Groß-Karben. Ende Mai 1945 fuhr er in seine Geburtsstadt Karben und fotografierte die Ruinen der Synagoge in der Heldenberger Straße 10. Später fertigte er dann eine Skizze aus der Erinnerung heraus an.

Mehr Informationen unter www.stolpersteine-in-karben.de im Internet.

Zur Startseite Mehr aus Wetterau/Main-Kinzig

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse