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Ausstellung "Legalisierter Raub" in Bad Vilbel: Nazis als Räuber - Bürger sollen bei Aufklärung helfen

Von Ein sensibles Thema mit großem Erfolg arbeitet die Ausstellung „Legalisierter Raub – Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden 1933-1945“ auf. Seit zehn Jahren in Hessen und angrenzenden Bundesländern unterwegs, macht sie ab September in Bad Vilbel Station. Doch auch nach Karbener Schicksalen wird im Vorfeld recherchiert.
Sie organisieren die Ausstellung (von links): Hartmut Polzer, Claus-Günther Kunzmann, Maria Ochs und Gottfried Kößler.	Foto: Thomas Kopp Bilder > Sie organisieren die Ausstellung (von links): Hartmut Polzer, Claus-Günther Kunzmann, Maria Ochs und Gottfried Kößler. Foto: Thomas Kopp
Bad Vilbel. 

Die Ausstellung „Legalisierter Raub“ ist etwas Besonderes. „Ja, ein großer Teil der Ausstellung wandert mit, aber es gibt immer einen lokalen Schwerpunkt“, verrät Maria Ochs vom Bad Vilbeler Kulturamt. Mit den jeweiligen Kommunen arbeiten der Hessische Rundfunk und das Fritz-Bauer-Institut im Vorfeld der Ausstellung zusammen, versuchen Schicksale zu ergründen. Und sie sind dabei auf die Bevölkerung angewiesen.

Rosa Rosenthal vor ihrem Haus in Karben.	Repro: Thomas Kopp
428 Mark für das Reich

Moritz Rosenthal, geboren am 7. Dezember 1881 in Langenhain, war von Beruf Ziegenhändler. Gemeinsam mit seiner Frau Rosa, die am 23.

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Gottfried Kößler vom Fritz-Bauer-Institut ist stolz auf das bisher Erreichte: „Seit 2002 fand die Ausstellung an über 20 Stationen statt, immer wieder wurde regional neu recherchiert.“ Entgegen skeptischer Stimmen wurde Ende des 20. Jahrhunderts die gesetzliche Basis dafür geschaffen, dass ein Teil der noch dem Steuergeheimnis unterliegenden Akten aus der Zeit des Nationalsozialismus gesichtet werden durften. Ein Forschungsprojekt des Instituts belegt eindeutig die systematische Beraubung der Juden.

Aufruf: Jedes Gespräch kann wichtig sein!

Die Ausstellungsmacher rufen die Bevölkerung auf, sich zu beteiligen: Sind in Ihrer Familie Erinnerungen an die Familien Wechsler, Rosenthal oder andere jüdische Nachbarn überliefert?

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„Es geht hier nicht um das Ziel der Arisierung der Gesellschaft, sondern um eine staatliche legitimierte Enteignung der Verfolgten durch den Staat selbst“, erläutert Kößler. Wie es sich für einen „ordentlichen Staat“ gehört, wurden kilometerlange Aktenreihen angelegt, für die Forscher trotz aller Tragödie ein Glück. „Durch die Finanzunterlagen können wir viel über die Menschen erfahren, über die es sonst kaum noch etwas gibt“, schildert Kößler. So kommen die Forscher von den Akten zur Familiengeschichte.

 

Mysteriöse Andenken

 

Trotzdem ist noch mehr vorhanden. Bereits während der Verfolgung haben sich die Juden von wertvollen Andenken getrennt. Sie gaben sie an ihre Nachbarn und Freunde weiter, mit denen sie vor 1933 Tür an Tür lebten. Mit der Maßgabe, sie wiederzubekommen, wenn der Hitler-Spuk vorbei, eine Rückkehr möglich ist. Viele kehrten nie zurück.

„Es kann sich als Hinterlassenschaften um Tischdecken handeln, aber auch wie hier in Bad Vilbel um eine ganze Fabrik“, erklärt Kößler. Oft hafte diesen Dingen im Familienbesitz etwas Mysteriöses an. Während manche Familien noch genau wüssten, woher die Exponate stammten, sei dies in anderen Familien vergessen oder verschwiegen worden. Es gebe auch Nachfahren, die das damals begangene Unrecht verdrängten. Hier sei auch die Auseinandersetzung mit dem Thema Schuld angebracht.

Kößler verspricht Diskretion und Sensibilität. „Wir versuchen wissenschaftlich abzuklären und die Geschichten auf ihre Wahrheit hin zu überprüfen.“ Er berichtet von einem Fall aus Offenbach. Dabei führten lange Gespräche schließlich zu einer öffentlichen Übergabe des Silberbestecks einer Synagoge.

Spezifischer Fall

Kulturamtsleiter Claus-Günther Kunzmann geht auf einen Fall ein, der exemplarisch für das Geschehen in Bad Vilbel steht (siehe „Quellenbesitzer in Bankrott geführt“): „Wir haben uns bewusst für Familie Wechsler entschieden, steht doch ein Mineralbrunnen ganz spezifisch für Bad Vilbel und für diese Ausstellung.“ Kunzmann dankte Stefan Kunz, dem Hassia-Experten für Historisches, der sich des Falles angenommen hat. Kunz hat viele Daten aus Verhören 1946 bis 1948 gesammelt. Kunzmann: „Es wäre aber toll, wenn weitere Informationen ans Tageslicht kämen. Aber auch Informationen zu ganz anderen betroffenen Juden aus Bad Vilbel sind willkommen.“

Eine Hoffnung, der sich Hartmut Polzer von der Initiative Stolpersteine in Karben gerne anschließt. „Ich bin gespannt, was noch gefunden wird.“

Über das umfangreiche Begleitprogramm zur Ausstellung mit Vorträgen, Führungen und mehr in Bad Vilbel und Karben wird die FNP noch zu gegebener Zeit berichten.

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