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Neonazis keinen Raum lassen

Von Wie sich junge Menschen über das Medium Musik für rechtsextremes Gedankengut ködern lassen, wie ganze Familien bei Frühlingsfesten der NPD in Sachsen mitfeiern und was man gegen die Ausbreitung der menschenverachtenden rechten Ideologie tun kann, waren einige der Themen bei der Veranstaltung im Jugendkulturzentrum zur Internationalen Woche gegen Rassismus.
Neonazis nicht so viele Plattformen bieten: Joachim Schäfer (links) und Andreas Balser (rechts) im Podiumsgespräch mit dem Journalisten Andreas Hofmann im Karbener Jugendzentrum. Foto: Krejcik Neonazis nicht so viele Plattformen bieten: Joachim Schäfer (links) und Andreas Balser (rechts) im Podiumsgespräch mit dem Journalisten Andreas Hofmann im Karbener Jugendzentrum. Foto: Krejcik
Karben. 

"Die Veranstaltung ist unser Beitrag zur Internationalen Woche gegen Rassismus", sagte Philipp von Leonhardi (CDU) als Vertreter der Stadt. Eingeladen hatten der Gesprächskreis Prävention der Stadt Karben in Zusammenarbeit mit dem Verein Antifaschistische Bildungsinitiative (Antifa-BI), der Kulturscheune Karben sowie dem Fachdienst Kinder- und Jugendarbeit.

Dass es in Karben kaum Aktionen von Rechtsextremen gebe, habe mit der guten Präventionsarbeit zu tun, sagte Andreas Balser von der Antifa-BI. Zunächst informierte er die mehr als 60 Besucher über die rechtsextreme Szene. So verteilten rechte Gruppen wie die Jugendorganisation der NPD (Junge Nationaldemokraten) beispielsweise CDs mit rechter Musik vor Schulen. "Musik hat mit Emotionen zu tun, und damit kann man Leute eher erreichen als etwa mit trockenen Vorträgen", sagte Balser. Zudem sei eine bestimmte Musikrichtung meist auch an eine bestimmte Jugendkultur gebunden.

Auf diese Weise würden Jugendliche sozialisiert "und mit den Vorurteilen vertraut gemacht", sagt Balser. Was man dagegen tun könne? "Wir zeigen, dass man mit Musik auch gute Laune transportieren kann", sagte Andy Schmaus, Sänger der Deutsch-Rock-Band "elfmorgen" aus der Wetterau. Mit ihrem Auftritt im Jukuz an diesem Abend wollten sie auch "Farbe gegen Rechts bekennen", fügte er hinzu.

Zeichen der Hoffnung

Den Besuchern wird der Dokumentarfilm "Blut muss fließen" (Regie Peter Ohlendorf) gezeigt; am Vormittag wurde der Film bereits Schülern der Kurt-Schumacher-Schule vorgeführt. Bei einer neunjährigen verdeckten Filmrecherche hat sich der Journalist Thomas Kuban - er verbarg sein Aussehen stets unter einer Perücke und hinter dunkler Sonnenbrille - auf Rechts-Rock-Konzerte begeben und dort mit verstecker Kamera gefilmt. Harte Kost ist es, was den Zuschauern präsentiert wird.

Die Inhalte der Texte, die die rechten Bands grölen, reichen von martialisch bis hin zu offen menschenverachtend und rassistisch, die "Feinde", gegen die offene Drohungen ausgestoßen werden, heißen: "Juden, Türken, Kommunisten, Schwule, Nigger und Pfaffen". So lautet eine Textzeile: "Eine U-Bahn bauen wir von Jerusalem nach Auschwitz".

Doch es gebe auch "Zeichen der Hoffnung", wie es Moderator Andreas Hofmann in der anschließenden Podiumsdiskussion ausdrückte. So hat sich nach solchen Rechts-Rock-Konzerten im hessischen Kirtorf ein Aktionsbündnis gegen Rechts gegründet, angeführt von drei Senioren. "Als es immer mehr Leute wurden, die zu diesen Konzerten in unseren Ort kamen, habe ich gedacht, ich muss mithelfen, etwas dagegen zu unternehmen", sagt ein älterer Mann im Film.

Genau darum müsse es gehen, sagten Joachim Schäfer, Pastoralreferent und Betreiber des Jugendnetzes Wetzlar, und Andreas Balser im Podiumsgespräch mit dem Journalisten Andreas Hofmann. "Man darf den Neonazis nicht so viel Raum lassen", so Balser. Vielmehr gelte es, ihnen "Freiräume zu nehmen und sie anders zu füllen".

So lobte er die Schulsozialarbeit an der Kurt-Schumacher-Schule (KSS) in Karben und fügte hinzu: "Auch ein solches Jugendkulturzentrum, wie es Karben hat, in dem Jugendliche Ansprechpartner finden und auch vieles selbst machen dürfen, kann präventiv dagegen wirken, dass sie für rechte Parolen anfällig werden".

Es gilt, wachsam zu sein

Sie sei erschrocken darüber, "dass die Leute die Inhalte solcher Lieder als Lebensinhalt sehen", sagte Maja Neidhart, Schulsprecherin an der KSS. Wenn sich Mitschüler oftmals gedankenlos beleidigend über andere äußerten, sollte man sich, wenn möglich, "einmischen und klar Stellung beziehen", sagt sie. Die Eheleute Ursula und Jürgen Jacobsen aus Karben sagten: "Wir hoffen, dass die Karbener wachsam sind und sich zur Wehr setzen würden gegen solche Strömungen".

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