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Dokumentation: Nur wenige haben überlebt

Von Kommenden Sonntag haben Karbener Gelegenheit, sich intensiv mit der jüdischen Geschichte Groß-Karbens zu beschäftigen. Dazu lädt der Karbener Geschichtsverein ins Landwirtschafts- und Heimatmuseum ein.
Halten Erinnerung an jüdische Mitbürger wach (von links): Marlies Gebhard-Petri, Rosemarie Plewe, Charlotte Jäkel und Monika Heinz. Halten Erinnerung an jüdische Mitbürger wach (von links): Marlies Gebhard-Petri, Rosemarie Plewe, Charlotte Jäkel und Monika Heinz.
Karben. 

„Von der ehemaligen Synagoge in der Heldenberger Straße 10 liegen leider keine Fotos vor. Wir können nur eine Zeichnung zeigen, die der Augenzeuge Edgar Braun damals angefertigt hat“, sagt Rosemarie Plewe, Mitglied im Karbener Geschichtsverein. Unter dem Motto „Aspekte des jüdischen Lebens in Groß-Karben“ informiert der Karbener Geschichtsverein über die geschichtliche Entwicklung der ehemaligen jüdischen Gemeinde in Groß-Karben sowie deren Einrichtungen. Zudem werden exemplarisch Schicksale jüdischer Kinder während der Zeit des Nationalsozialismus vorgestellt.

Zum Thema: Zehn Prozent Juden

Im Jahr 1933 waren mehr als zehn Prozent der Groß-Karbener Bürger Juden. Aufgrund wirtschaftlicher Boykotte sowie zunehmender Entrechtungen und Diffamierungen wanderten sie aus oder wurden

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Als Grundlage hierzu dient eine Wandtafel. Die Informationen darauf hat die Initiative Stolpersteine in Karben in mehrjähriger Arbeit in Vorbereitung für die Verlegung von Stolpersteinen zusammengetragen. Dass die Wandtafel – gespendet von der Sparda-Bank – nun als Dauerausstellung im Landwirtschafts- und Heimatmuseum installiert ist, begrüßt Hartmut Polzer von der Initiative Stolpersteine. „Auch das gemeinsame Leben von Christen und Juden in Karben bis 1933 ist ein Teil der Heimatgeschichte dieser Stadt“, so Polzer.

Schriften als Grundlage

Als weitere Recherche-Grundlagen dienten ein Sonderband der Reihe „Streiflichter“ des Karbener Geschichtsvereins von Helmut Heide, die Chronik „Groß-Karben und seine Juden“ von Helmut Weigand sowie die „Karbener Hefte“. Rosemarie Plewe, Marlies Gebhard-Petri und Monika Heinz, Mitarbeiterinnen des Museumsdienstes, haben sich unterschiedliche Schwerpunkte gewählt, die sie am Sonntag vorstellen werden. So hat sich Plewe intensiv mit Gebäuden wie Synagoge und Lehrerhaus beschäftigt.

Indes stellen Marlies Gebhard-Petri und Monika Heinz die Schicksale von Kindern aus jüdischen Groß-Kärber Familien vor, von denen nur wenige den Holocaust überlebt haben. Auf Schautafeln wird über die Familien Hirsch, Junker, Ross und Strauss informiert. Zudem werden in einer Vitrine Gegenstände gezeigt, die einst jüdischen Karbener Familien gehörten, etwa ein Poesiealbum. „Ich möchte den Besuchern erläutern, welche Funktionen die Gebäude hatten, wo sie sich befanden und wie und von wem sie genutzt wurden“, sagt Plewe.

So sei die Synagoge in Groß-Karben auch von Roggauer jüdischen Bürgern genutzt worden, als es dort keinen Rabbiner mehr gab, so Plewe. Außer den genannten Gebäuden wird sie auch auf den jüdischen Friedhof hinweisen am Ortsende Groß-Karbens in Richtung Heldenbergen.

Die teils noch lesbaren Inschriften auf den Grabsteinen seien oft wichtige Quellen für die Existenz jüdischer Familien, so Plewe. „Die jüdischen Bewohner lebten im alten Ortskern von Groß-Karben, vor allem in der Bahnhofstraße, Heldenberger-, Burg-Gräfenröder- und Parkstraße“, sagt Plewe. Sie beschäftige sich mit dem Thema, da sie sich der lokalen Historie Groß-Karbens verpflichtet fühle. „Ich möchte, dass die Erinnerung an die Verschleppung und Ermordung der Menschen durch das Nazi-Regime nicht verloren geht. Das ist zugleich eine Mahnung für Gegenwart und Zukunft“, so Plewe.

1942 deportiert

Marlies Gebhard-Petri und Monika Heinz informieren über die Familien Hirsch, Junker, Ross und Strauss samt deren Kindern. So sind von Familie Hirsch sowohl die Eltern Adolf und Antonie als auch ihre Kinder Marga, geboren am 25. Juli 1923 in Groß-Karben, und Erich, geboren am 2. Februar 1925 in Frankfurt, in Konzentrationslagern ums Leben gekommen.

Bei ihrer Deportation 1942 wurden Eltern und Kinder auseinandergerissen. Die Eltern wurden in das Ghetto Theresienstadt bei Prag deportiert. Die Geschwister Erich und Marga wurden in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt.

Von Familie Junker hat Tochter Ruth als einzige überlebt, was durch einen Kindertransport in die Schweiz gelang. „Jedes Schicksal für sich ist erschütternd“, sagt Monika Heinz. Ihr lägen diese Themen am Herzen, fügt sie hinzu. „Es gab schon mal Vertreibung, Hass und Brandanschläge“, sagt Heinz. Die Veranstaltung im Landwirtschafts- und Heimatmuseum, Degenfeld’sches Schloss, Westliche Ringstraße 1, findet am Sonntag, 1. November, von 14 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt statt.

Informationen im Internet unter www.karbenergeschichtsverein.de und unter www.stolpersteine-in-karben.de.

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