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55-Jähriger verurteilt: Perverse Sexspiele: "Opa" aus der Wetterau missbraucht Mädchen

Weil er drei minderjährige Mädchen in diversen Sexspielen missbraucht hat, muss ein Mann für vier Jahre in eine Entziehungsanstalt. Die Entstehungsgeschichte dazu ist ein wahres Drama.
Der Angeklagte vor Gericht in Gießen.	Foto: Jürgen W. Niehoff Der Angeklagte vor Gericht in Gießen. Foto: Jürgen W. Niehoff
Büdingen/Gießen. 

„Die Taten sind selbst für uns außergewöhnlich und eklig“, räumte der Vorsitzende Richter der Ersten Strafkammer am Gießener Landgericht, Dr. Patrick Gödicke, bei der Urteilsbegründung ein. Zwar konnte das Gericht auf die Aussagen der zur Tatzeit sieben, neun und elfjährigen Mädchen verzichten, doch in einem nicht-öffentlichen Teil sahen sich die Beteiligten die Fotos an, die der Angeklagte Klaus Claasen* von sich und seinen Enkelinnen bei den Taten hatte machen lassen. Darüber hinaus zeigte sich der Angeklagte in allen Anklagepunkten geständig.

Danach soll er sich im April 2012 an den drei minderjährigen Enkelinnen seiner damaligen Lebensgefährtin sexuell vergangen und sie teilweise durch Androhung von Gewalt zur Ausübung oder Duldung von sexuellen Handlungen gezwungen haben. Auch soll er sie veranlasst haben, in ein Glas zu urinieren, das er anschließend in ihrem Beisein austrank. Auch auf einen Teller mussten die Mädchen koten, den er anschließend in ihrem Beisein ableckte. Über vier Wochenenden hat der Angeklagte dieses schmutzige Spiel getrieben, bis eines der Mädchen ihrer älteren Schwester die Handlungen ihres „Opas“ gestand.

 

Drama nimmt seinen Lauf

 

Der Angeklagte, der die erste Schulklasse dreimal wiederholen musste und später seine Lehre als Bauschlosser abbrach, arbeitete 30 Jahre lang als Chemiearbeiter in einem Büdinger Unternehmen. Die Ehe mit seiner ersten großen Liebe dauerte nur fünf Jahre. Als kurz darauf sein älterer Bruder mit nur 31 Jahren starb, kümmerte er sich fortan um dessen nunmehr verwitwete Ehefrau und deren Tochter. Sie zogen zusammen, bekamen ein behindertes Kind und lebten als durchaus glückliche Familie 18 Jahre zusammen, wie die inzwischen 39-jährige Tochter Monika*, die Mutter der misshandelten Kinder vor Gericht aussagte. Und zwar ohne jede Zwischenfälle.

Ostern 2012, das Verhältnis des Angeklagten zu seiner Lebensgefährtin hatte sich zwischenzeitlich abgekühlt und Claasen hatte sich eine eigene Wohnung gesucht, brachte Monika ihre drei jüngsten Töchter zu „Opa“.

Die Mädchen duschten sich und saßen nackt am PC, um im Internet zu spielen. Claasen hatte sich mit sieben Flaschen Bier intus zu einem Nickerchen niedergelegt. Wach wurde er durch das Kichern der Mädchen. Die hatten seine Porno-Dateien entdeckt und darin gestöbert. Als „Opa“ die nackten Mädchen sah und erkannte, dass sie sich Pornos ansahen, fragte er sie, ob sie dazu nicht auch Lust hätten. Und so nahm das Drama seinen Lauf.

Sie sollten sich hinlegen. Er fotografierte sie, begann sie zu befingern und nachdem ein Eindringen mit seinem Penis an den Schmerzen der Mädchen scheiterte, fordert er sie auf, ihn zu befriedigen. Es folgten weitere eklige Handlungen, die Claasen dem Gericht ohne Scham berichtete und der Mutter Tränen in die Augen trieben.

Bei der rechtlichen Bewertung ging es darum, ob Claasen zurechnungs- und steuerungsfähig war. Dann hätte das Urteil auf eine Haftstrafe hinauslaufen müssen. Da Claasen aber berichtete, dass er seit seinem 15. Lebensjahr täglich zwischen sechs und acht Flaschen Bier trinke und trotzdem nicht einen Tag in seinem Betrieb gefehlt habe, schloss der psychiatrische Gutachter Rainer Gliemann Schuldmilderungsgründe aus. Er habe sich an den Alkohol gewöhnt. Und weil eine Wiederholungsgefahr aufgrund seines bisherigen Lebenswandels unwahrscheinlich sei, plädierte er für eine Gefängnisstrafe. Dem schloss sich die Staatsanwaltschaft an und forderte sechs Jahre Haft.

 

Gericht entschuldigt sich

 

Claasenss Verteidiger Jürgen Heller hingegen verwies auf den hohen Alkoholgehalt im Blut des Angeklagten. Er forderte deshalb Einweisung in eine Entziehungsanstalt, um Alkoholsucht und Pädophilie behandeln zu lassen. Dem folgte das Gericht. Es entschuldigte sich zwar für den mit vier Jahren niedrigen Strafrahmen, „aber durch sein Geständnis hat der Angeklagte den Mädchen zumindest eine Zeugenaussage erspart“, so Richter Gödicke.

Zwar habe der Angeklagte jederzeit die Kontrolle über sein Handeln besessen, doch stünden seine Taten zweifellos im engen Zusammenhang mit seiner Alkoholsucht. Dadurch sei die Hemmschwelle herabgesenkt worden. Bei der Strafzumessung berücksichtigt wurde auch, dass Claasen nach seiner Zeit in der Anstalt mit knapp 60 Jahren keinen neuen Arbeitsplatz mehr finden werde. Das Urteil wurde von allen Parteien akzeptiert.

*Namen von der Redaktion geändert

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