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Heilige Schrift von 1729: Pfarrer zahlte mit barocker Bibel

Von Der Heimat-und Geschichtsverein Ostheim hat ein neues Schmuckstück für sein Dorfmuseum im Bürgerhof erhalten: Eine Bibel aus dem Jahr 1729 wurde dem Verein leihweise zur Verfügung gestellt. In Kürze soll sie, unter Glas liegend, den Besuchern des Bürgerhofs zugänglich gemacht werden.
Diese Bibel von 1729 ist bald unter Glas gesetzt, für die Öffentlichkeit zugänglich. Heinrich Pieh, Vorsitzender des Heimat-und Geschichtsvereins Ostheim, freut sich über die Bibel, die dem Verein von Susanne Gimplinger leihweise zur Verfügung gestellt wurde. Diese Bibel von 1729 ist bald unter Glas gesetzt, für die Öffentlichkeit zugänglich. Heinrich Pieh, Vorsitzender des Heimat-und Geschichtsvereins Ostheim, freut sich über die Bibel, die dem Verein von Susanne Gimplinger leihweise zur Verfügung gestellt wurde.
Nidderau. 

Vereinsvorsitzender Heinrich Pieh nimmt vorsichtig den Deckel des Kartons ab, in dem die Bibel liegt. Ein dunkler Einband aus geprägtem Leder wird sichtbar. Das mehr als 1000 Seiten starke Werk ist voller Kupferstiche, die lateinische, deutsche und französische Aufschriften tragen, sowie Landkarten.

Leihgeberin ist Susanne Gimplinger aus dem Stadtteil Ostheim. Doch ihre Bibel hat selbst eine Geschichte zu erzählen. Sie sei auch nicht zum privaten Hausgebrauch gedruckt worden, sondern als Altarbibel, erklärt Gimplinger. Bei dem Werk handelt es sich um die Luther-Bibel von Christoph Matthäus Pfaff, auch „Das Pfaffische Bibelwerk“ genannt.

 

Schnörkeliges Deutsch

 

Nach mehreren Druckausgaben der Württemberger Luther-Bibel erschien die reich kommentierte Ausgabe 1729 im Verlag von Johann Georg Cotta als „Biblia. Das ist die ganze Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments nach der Übersetzung und mit Randglossen D. Martin Luthers“. Wie umfangreich die Bibel ist und wie viel sie wiegt, kann Gimplinger selber nicht genau sagen. Die Seiten des Werkes seien durch einen Wasserschaden zudem in Mitleidenschaft gezogen worden und aufgequollen. Auch habe sie Spuren eines Bücherwurms festgestellt.

„Das Buch hat an den Ecken zur Verstärkung Metallverzierungen und verfügte auch über eine Öse aus Leder zum Zubinden“, sagt Gimplinger. Zur Geschichte dieses Bibelexemplars habe Marie Tesche, ihre Urgroßmutter, auf einer leeren Eingangsseite des Buches im Jahr 1952 einen Eintrag verfasst.

 

Schulden und Selbstmord

 

Marie Tesche stammte aus Niederschlesien. Ihr Vater, ein Fleischermeister, betrieb eine Metzgerei und belieferte auch den Pfarrer mit seinen Wurstwaren. Dieser konnte laut Eintrag seine Rechnungen nicht zahlen, da er zwei Söhne hatte, die er finanziell unterstützte. Auf diese Weise verschuldete sich der Gottesmann.

Um Schulden zu begleichen, gab der Pfarrer dem Fleischermeister die Bibel in Zahlung. Der Pfarrer habe später eine Zugfahrt unternommen, von der er nicht mehr zurückgekommen sei. Er habe Selbstmord verübt.

Marie Tesche starb 1960. Die kostbare Bibel ging nach ihr an Richard Tesche, Maries Sohn, und Susanne Gimplingers Großvater. Richard Tesche lebte im Odenwald, war in Niederschlesien geboren, er diente, so Gimplinger, im Ersten Weltkrieg bei den Kaiserjägern, geriet französische Gefangenschaft.

So kam die Bibel in Besitz von Susanne Gimplingers Vater. Jahrzehntelang lagerte sie in dessen Schreibtisch, in einer Kiste. Als Hermann Tesche 2012 starb, erinnerte sich seine Tochter an die Bibel. Susanne Tesche suchte Kontakt zum Vorstandsmitglied des Heimat- und Geschichtsvereins Ostheim, Georg Warning, der benachbart wohnt.

Private Leihgabe ans Museum

Die Luther-Bibel von 1729 wird in diesen Tagen unter Glas gesetzt. Heinrich Pieh, Vorsitzender des Heimat-und Geschichtsvereins Ostheim, freut sich über die Leihgabe von Susanne Gimplinger.

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Die Ostheimer Lokalhistoriker nahmen das Angebot gerne an. Gimplinger stellt ihre Bibel leihweise zur Verfügung. Unter Glas wird das umfangreiche Werk bald neue Attraktion für die Besucher des Bürgerhofs sein. Kurios sind nicht nur biblische Texte darin, sondern auch eine Übersicht über biblische Monate, Münzen, Maße, Gewichte, die Beschreibung der Stadt Jerusalem mit Plan sowie eine Chronologie der denkwürdigsten Geschichten im Alten und Neuen Testament sowie Luthers Vorreden über die beiden Testamente.

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