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Positiv zusammen leben

Von "Positiv zusammen leben" ist der Name der deutschen Kampagne zum heutigen Welt-Aids-Tag. Als Symbol der Solidarität tragen viele Menschen eine rote Schleife. Doch nicht jeder Mensch kann mit dem Thema HIV und einer Aids-Erkrankung umgehen. Das weiß auch der Sozialpädagoge Holger Kleinert.
Kontakt und Anonymität: Sozialpädagoge Holger Kleinert (rechts) berät jeden Donnerstag im Friedberger Kreishaus.	Foto: Corinna Weigelt Kontakt und Anonymität: Sozialpädagoge Holger Kleinert (rechts) berät jeden Donnerstag im Friedberger Kreishaus. Foto: Corinna Weigelt
Friedberg. 

Seit Jahren steht Kleinert im Kontakt mit Erkrankten. Die werden im Alltag oft diskriminiert. So auch eine junge Mutter, die sich an die Aids-Hilfe Gießen gewendet habe. "Sie erfuhr bei der Geburt ihres Kindes, das sie HIV-positiv ist", erzählt Kleinert.

Die Frau nahm Beratungsgespräche in Anspruch. Mit der Außenwelt sprach sie nicht darüber. Ihr Geheimnis blieb aber nicht verborgen. "Eine Tages wurde sie zur Schule ihre Kindes zitiert", erzählt Kleinert weiter. Dort herrschte eine panische Stimmung. "In der Familie gibt es Aids", habe es schockierend die Runde gemacht.

Die Situation beruhigte sich nicht wieder. "Letztendlich ist sie dorthin umgezogen, wo niemand etwas von der Erkrankung wusste." Mittlerweile lebe sie schon zwölf Jahre mit der Krankheit. "Heute geht es ihr gut."

Viele arbeiten weiter

Die Therapien seien heute wirksamer, je nach Stadium der Krankheit. Mit Medikamenten werde die Viruslast gedrückt, wichtig seien regelmäßige Bluttests. Die geschilderte Geschichte sei kein Einzelfall. Selbst in Zahnarztpraxen seien bereits Behandlungen verweigert worden. Schätzungen zufolge nehmen in Deutschland zwei Drittel aller Infizierten weiterhin am Berufsleben teil, bei 78 000 Erkrankten sind das rund 50 000 Menschen. Jedoch gut 14 000 Männer und Frauen tragen eine nicht diagnostizierte HIV-Erkrankung in sich.

Die Aids-Hilfe Gießen setzt hier auf Prävention, das einzige Mittel, auf mögliches Risikoverhalten Einfluss zu nehmen. Prävention beginne bei jeder Generation neu. Nach großem Medieninteresse in den 80er Jahren sei man hier wieder Schritte zurück gegangen. "Das Thema Sex wird in der Schule zu wenig behandelt." Hier sei eine Grundlage erforderlich, um mit Jugendlichen über HIV und Aids zu reden. Viele wüssten nicht, wie man ein Kondom anwendet. Eine Präventionsmaßnahme der Aids-Hilfe ist der Kondomführerschein. "Den bieten wir immer am Hessentag an, da sind wir mit einem Info-Stand vertreten."

Regelmäßig donnerstags bietet die Aids-Hilfe mit ihrer Außenstelle im Gesundheitsamt am Europaplatz in Friedberg telefonische und persönliche Beratungen an, die Anonymität wird gewahrt. Hier kann auch gleich ein HIV-Antikörpertest durchgeführt werden.

Schützen und checken

2011 wurde dieser in 75 Fällen beansprucht. zehn Euro kostet der 20-minütige Schnelltest. Liegt hier ein positives Ergebnis vor, folgt ein zweiter Labortest zur Abklärung.

Zum Vergleich: In einer Arztpraxis betragen die Kosten für einen Aids-Test zwischen 80 und 100 Euro. "Viele möchten vorsorglich einen Test machen", sagt Kleinert, "Ich bin fremd gegangen, ich war bei einer Prostituierten", so manche Aussagen der Hilfesuchenden.

Wichtig sei es, die hauptbetroffene Gruppe zu erreichen, Männer, die mit Männern Sex haben. 63 000 der in Deutschland Erkrankten seien männlich. Laut einer Umfrage, die sich gezielt mit dieser Gruppe befasst habe, wissen homosexuelle Männer aber gut Bescheid. Geplatzte Kondome oder Anwendungsfehler kämen trotzdem vor. "Aids geht alle an, einige aber besonders." Seinen Rat richtet Kleinert aber an alle Gruppen: "Regelmäßig schützen und sich checken lassen."

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