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Anonymer Brief: Prozess nach Mord mit einem Beil: Überraschende Wende in Niddatal

Der Fall schien einfach zu sein: Ein geldgieriger junger Mann erschlägt in Ilbenstadt den älteren Freund mit einem Tomahawk und raubt ihm 100 000 Euro - damit er sich ein Auto kaufen kann. Doch am dritten Verhandlungstag tauchten immer mehr Fragezeichen auf.
Der 21-jährige Angeklagte wird des Mordes beschuldigt. Der 21-jährige Angeklagte wird des Mordes beschuldigt.
Niddatal. 

Schon nach einer Nacht machte die Kripo den 21-jährigen Weilroder am 8. April dingfest: Am Tag nach der Ermordung eines 40-jährigen Finanzmaklers schnappte ein Sondereinsatzkommando ihn frühmorgens. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Am letzten Freitag, dem dritten Prozesstag ging es aber nicht um den Angeklagten, sondern um den 28-jährigen Mieter des Ermordeten. Dieser gehörte offenbar seit Kindesbeinen quasi zur großen Familie des Bankiers. Ende 2016 zog der Freund ins neue Wohnhaus des Opfers in Ilbenstadt ein.

In Pläne eingeweiht

Von der Einliegerwohnung aus gibt es einen offenen Durchgang ins Haus, berichtete gestern der Bruder des Opfers. Beide seien auch in Geld-Dingen miteinander vertraut gewesen und hätten im Keller ein gemeinsames Schließfach gehabt.

Der Mieter und Freund war nach eigenem Bekunden eingeweiht, dass sein Vermieter mit dem Angeklagten einen Bargeldtausch plante. Demnach bot der mutmaßliche Täter dem Hausbesitzer 120 000 Euro an und wollte dafür 100 000 Euro in Zweihunderter- und Hunderter-Noten zurück. Ihm sei das schon seltsam vorgekommen, gab der Mieter zu Protokoll. Er wollte beim Geldtausch aufpassen, wurde aber weggeschickt. Als er zurückkehrte, lag sein Freund mit einem großen Loch im Kopf auf einem Stuhl. Und das Geld war fort.

Einen Tag nach dem Mord habe der 28-Jährige all das detailliert am Küchentisch der Familie erzählt, berichtet nun der Bruder des Opfers. „Er hat eine recht kalte Art gehabt“, sagte der 39-jährige Bruder gestern. Er habe das Gefühl, dass der Mann mehr wisse als er sage. Er wisse ferner, dass der 28-Jährige im Gefängnis gesessen und Kontakt zu den Hells Angels gehabt habe. Deshalb sei er, der Bruder, lieber für eine Weile nach Berlin gezogen.

Anonymer Brief

Nicht weniger seltsam ist der anonyme Brief, der am 1. Dezember in der Anwaltskanzlei der Verteidigerin Friederike Vilmar landete. Er wurde vor dem Landgericht verlesen. Der 28-Jährige habe freien Zugang zur Wohnung des Mordopfers, steht darin. Er habe sich von dessen Kleidung bedient. Er habe eigenmächtig den Tatort gereinigt und drei Geldverstecke im Hause unterhalten. Die Rechtsanwältin sagte: „Wir haben die starke Vermutung, dass das aus dem Familienkreis kommt.“

So bleiben viele Fragen. Der Angeklagte sagte kein Wort zur Aufklärung. Im Gefängnis soll der junge Mann behauptet haben, der Bankier sei von seinem Mitbewohner umgebracht worden. Die Staatsanwaltschaft hält das für eine Schutzbehauptung. Aber sicherheitshalber will das Landgericht den 28-jährigen Mieter noch einmal anhören. Der Prozess wird am Freitag (16. Dezember) fortgeführt

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