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Rechte Umtriebe früh erkennen

Schüler aus dem ganzen Wetteraukreis konnten sich gestern im Karbener Bürgerzentrum über Rechtsextremismus informieren. Sie lernten Ansprechpartner kennen, sollten sie rechtsextreme Tendenzen in ihrer Umgebung entdecken. Hintergrund: Natürlich die Ereignisse der Reichspogromnacht vor 75 Jahren.
Widerstand gegen die Nazi-Herrschaft (von links): Julia Korte, Lisa Loh, Theresa Olshausen informieren sich im Karbener Bürgerzentrum.	Foto: Dominik Rinkart Widerstand gegen die Nazi-Herrschaft (von links): Julia Korte, Lisa Loh, Theresa Olshausen informieren sich im Karbener Bürgerzentrum. Foto: Dominik Rinkart
Karben. 

„Es gibt nur noch wenige Zeitzeugen. Umso wichtiger ist es, dass wir selbst zu Zeitzeugen werden“, erklärt Helmut Betschel-Pflügel (Grüne). Der Erste Kreisbeigeordnete spricht im Bürgerzentrum zu gut 300 Schülern diverser Schulen aus dem Wetteraukreis. Zusammen mit seiner Kollegin Anja Köhler und dem Projekt Xenos hat er Organisationen eingeladen ihre Arbeit vorzustellen.

Neben der Antifaschistischen Bildungsinitiative (Antifabi) und dem Butzbacher Bündnis für Demokratie und Toleranz haben unter anderem das Bündnis offenes Karben und die Initiative Stolpersteine in Karben Info-Stände aufgebaut. Sie verteilen Flyer, Infoheftchen, sprechen mit den neugierigen Schülern. „Sie sind interessiert und erstaunt. Viele können sich gar nicht vorstellen, dass es so etwas wirklich gibt“, erzählt Otto Seesemann vom Butzbacher Bündnis mit Blick auf seine Erfahrungen mit Nazitreffpunkten in Butzbach.

Dritten Weltkrieg verhindern

Doch nicht nur über die Vorfälle in Butzbach oder jüngst in Karben, können sich die Schüler informieren.

Auch die Geschichte des Widerstandes im Zweiten Weltkrieg wird den Jugendlichen auf Infotafeln präsentiert, gestaltet von Schülern der Assenheimer Geschwister-Scholl-Schule, präsentiert. Dort hat es die Achtklässlerinnen Theresa Olshausen, Julia Korte und Lisa Loh hingezogen. Wie ihre Mitschüler der Friedberger Henry-Benrath-Schule oder der Wölfersheimer Singbergschule sind sie mit Laufzetteln ausgestattet, deren Fragen es an den Ständen abzuarbeiten gilt.

Lisa Loh stellt sich dabei, angesichts der Portraits der Widerstandskämpfer, die Frage: „Was können wir jetzt anders machen, damit es nie zu einem dritten Weltkrieg kommt?“ Ihre Freundin Julia überlegt wie sie sich verhalten würden, wenn Menschen in ihrem Umfeld diskriminiert werden.

Rassismus tarnt sich

Eine Hilfsstelle stellt Tina Dürr vom „Beratungsnetzwerk Hessen“ vor: Dort haben Opfer rechtsextremer Taten oder von Problemen mit Rechtsextremen Betroffene die Möglichkeit schnell, anonym und kostenlos Hilfe zu erhalten. Doch auch Menschen die aus der rechten Szene aussteigen wollen, finden dort Hilfe „Rechtsextremismus ist kein Jugendphänomen“, betont Tina Dürr.

Helge von Horn klärt die Schüler über das moderne Erscheinungsbild Rechtsextremer auf. Neonazis seien längst nicht mehr durch Glatze und Springerstiefel zu erkennen, sondern sie träten oft im Stil des autonomen schwarzen Blocks auf. Strömungen wie die Identitäre Bewegung verschleierten ihre Einstellung: „Sie schreiben zwar ,Null Prozent Rassismus‘ auf ihre Aufkleber, das ändert aber nichts daran, dass sie es trotzdem sind.“ So erklärt von Horn den jungen Zuhörern, wie sie auch in sozialen Netzwerken im Internet rechtes Gedankengut schneller erkennen.  rin

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