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Projekt: Schülerbetreuung in Massenheim zieht Bilanz

Weil es zu wenig Plätze in der Nachmittagsbetreuung der Saalburgschule gab, beschlossen Eltern im Bad Vilbeler Stadtteil Massenheim vor einem Jahr, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Sie gründeten den Verein „Spiel- und Spaßstube“ und engagierten Betreuerinnen für ihre Kinder. Wie steht es heute um das ambitionierte Projekt?
Betreuerinnen Barira Ahmad (links) und Maham Hussain (rechts) erklären den Kindern mit Experimenten wissenschaftliche Phänomene. Betreuerinnen Barira Ahmad (links) und Maham Hussain (rechts) erklären den Kindern mit Experimenten wissenschaftliche Phänomene.
Bad Vilbel. 

Im Fußball gibt es eine alte Weisheit, die lautet: Das zweite Jahr ist immer das schwerste. Das gilt auch für die vor einem Jahr gegründete Schülerbetreuung in Massenheim. Mit inzwischen zwölf Kindern sei diese an einem Wendepunkt angekommen, erklärt Vorstandsmitglied Michael Stremme. Weniger sei finanziell nicht machbar, wenn man weiter die Löhne der Betreuerinnen bezahlen wolle. Gleichzeitig ist die Hoffnung groß, dass man das bald ausbauen kann.

Michael Stremme, Vorstandsmitglied der „Spiel- und Spaßstube“. Bild-Zoom
Michael Stremme, Vorstandsmitglied der „Spiel- und Spaßstube“.

Zum Schuljahr 2017/18 hatte Stremme mit anderen Eltern den Verein „Spiel- und Spaßstube“ ins Leben gerufen. Insgesamt fünf Betreuerinnen kümmern sich seither nach Schulschluss bis 15.30 Uhr im katholischen Gemeindesaal der Herz-Jesu-Kirche um deren Kinder – bezahlt vom Verein. Mit acht Erstklässlern aus Massenheim ging es los, vier kamen mit der Zeit hinzu. Langfristig sei das Ziel, 20 Kinder in ihre nachmittägliche Obhut zu nehmen, erzählt Stremme.

Kontinuierliches Wachstum

„Ich denke das ist realistisch. Wenn wir weiterhin kontinuierlich wachsen, könnten wir das schon im nächsten Jahr erreichen“, sagt er. „Die Betreuungs-Kapazitäten reichen auf jeden Fall. Und dann kann man ja schauen, was man mit den Geldern anstellt. Das liegt aber noch weit in der Zukunft.“

Derzeit sind je zwei Aufsichtspersonen pro Tag im Einsatz. „Spiel und Spaß steht bei der Betreuung im Vordergrund“, sagt Stremme. „Zwei Betreuerinnen haben zum Beispiel ganz tolle Bastelideen, die bei den Kindern wirklich super ankommen. Auch Experimente begeistern sie, und wenn das Wetter gut ist, sind sie natürlich viel draußen. Jedes Kind kann sich da selbst entfalten.“

Auch Hausaufgaben kommen nicht zu kurz. „Eine pensionierte Lehrerin kommt täglich für eine Stunde vorbei und schaut den Kindern über die Schulter“, erzählt der Vereinsvorstand. Dies sei jedoch keine Nachhilfe, sondern eine Art „Unter-die-Arme-greifen-und-motivieren“, wie er es nennt. Mit 180 Euro pro Monat ist die Betreuung nicht günstig, dazu kommen noch 60 Euro für das Mittagessen. Denn das Budget des kleinen Eltern-Vereins ist knapp bemessen: Ohne die Fördergelder der Stadt Bad Vilbel würde es gar nicht funktionieren, sagt Stremme. „Die geben wir für die Miete im katholischen Gemeindezentrum sowie für Nebenkosten aus. Da sind die Löhne und einige andere Sachen noch nicht bezahlt.“

In eigener Verantwortung

Das Betreuungsangebot haben die Eltern eigenverantwortlich auf die Beine gestellt. Es ist aus der Not geboren. „Unsere Tochter brauchte einen Platz für die Betreuung, doch wie bei anderen Massenheimer Kindern auch sah es so aus, als würden wir keinen bekommen“, erinnert sich Stremme. „Die Plätze der Schülerbetreuung an der Saalburgschule waren limitiert.“ Erstmals hatten dort 2018 gleich vier erste Klassen angefangen, manche Familien gingen leer aus.

Erst gründeten die betroffenen Eltern eine Initiative und regten Gespräche mit einem möglichen Träger für eine Schülerbetreuung an. Doch vorerst verliefen ihre Pläne im Sande.

„Bei einem Gespräch im Ahrenshof kamen wir zu dem Schluss, dass wir die Sache selbst in die Hand nehmen müssen“, erzählt Stremme. „Wir waren sieben Leute, genauso viele, wie man für die Gründung eines Vereins benötigt. Der Grundstein war gelegt.“ Schnell machten sie sich ans Werk, die Zeit drängte, der Schulstart rückte näher. „Für mich und meine Kolleginnen Kai Feldmann und Ruth Schadel war das alles total neu“, sagt Stremme. Wochen verbrachten sie damit, intensiv die Rechtslage zu studieren. „Komplex wurde es vor allem dadurch, dass wir mit den Betreuerinnen Angestellte haben“, erzählt Stremme. „Keiner von uns war je Arbeitgeber. Das war für uns eine komplett neue Welt. Lohnfragen, Sozialfragen, dieses Wissen mussten wir uns erst aneignen.“

Doch am Ende haute alles hin: Die Massenheimer Schülerbetreuung begann pünktlich zum neuen Schuljahr. Glatt lief seither nicht alles. „Zahlungsschwierigkeiten von Mitgliedern sind bei kleinen Vereinen immer ein Problem“, sagt Stremme. „Da gibt es auch keine schöne Möglichkeit. Man redet mit den Betroffenen, doch nicht immer lässt sich eine Lösung finden. Wenn dann ein Kind nicht mehr kommen kann, ist das für Kinder und Eltern sehr schade.“ Jetzt im neuen Schuljahr, angekommen am Wendepunkt, befindet der engagierte Vater: „Nach einem Jahr Etablierung sind wir auf einem guten Weg.“ Zu diesem Schuljahr habe es zwar wenig Bewegung gegeben, doch für das Schuljahr 2019/20 gebe es bereits viele Interessenten. „Langfristig wird das noch mehr werden: Massenheim wächst wie ganz Bad Vilbel. Und sollten wir irgendwann tatsächlich eine eigene Schule bekommen, sieht es natürlich noch mal anders aus.“

Letztlich sei eines am wichtigsten: „Wir haben den Verein gegründet um eine Schülerbetreuung für unsere Kinder zu haben. Wenn ich nach Hause komme und meine Tochter erzählt, was sie alles gemacht hat und dass sie sich auf den nächsten Tag freut, das macht alle Arbeit unvergessen!“

Der Verein im Internet

Weitere Infos zur Schülerbetreuung gibt’s auf www.schulbetreuung-massenheim.de und info@schulbetreuung-massenheim.de

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