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Heinrich Quillmann: Stadtführungen: Irgendwann muss Schluss sein

Von Die Umhängetasche ist sein Markenzeichen. In ihr bewahrt Heinrich Quillmann Karteikarten, Stadtpläne, Bilder und Modelle auf. 400 nach Themengruppen sortierte Karteikarten befinden sich im Bestand. Zu Quillmanns Stadtführungen kommen bis zu 100 Teilnehmer pro Führung, um mit ihm die Spuren der Stadtgeschichte zu verfolgen. Die hat der heute 85-Jährige oft mit einem Augenzwinkern aufgedeckt und humorvoll zu einem Ganzen zusammengefügt. Aus gesundheitlichen Gründen hat er kürzlich seine letzte öffentliche Führung angeboten. Die Stadt sucht nun dringend einen Nachfolger.
Zahlreiche Stadtführungen hat Heinrich Quillmann angeboten. Jetzt ist für den 85-Jährigen aus gesundheitlichen Gründen Schluss. Zahlreiche Stadtführungen hat Heinrich Quillmann angeboten. Jetzt ist für den 85-Jährigen aus gesundheitlichen Gründen Schluss.
Nidderau. 

Von der Nidderbrücke, Treffpunkt der Führungen, blickt Quillmann auf das Nutriagehege. Er wartet. Er beobachtet. Er verfolgt den Blick von Fremden, die sich für die malerische Altstadt interessieren. „Auch ich liebe Windecken, davor wird sich Windecken nicht schützen können“, hat er einmal gegenüber den Heimatfreunden gesagt.

Es ist eine frühe Liebe, denn Quillmann, am 17. Juni 1932 in Berlin-Tempelhof geboren, betritt bereits am 11. August 1943 das erste Mal Ostheimer Boden, die Erde seiner Vorfahren. „Seit 1611 ist die Familie Quillmann in Windecken ansässig“, sagt der 85-Jährige.

25 Patente angemeldet

Auch er wird in Nidderau heimisch, heiratet 1955 und wird Vater von drei Töchtern. Beruflich macht Quillmann in der Industrie Karriere, als Ingenieur für chemische Verfahrenstechnik und Chemotechniker. Von 1951 bis 62 ist er in der Forschung bei Degussa in Hanau-Wolfgang tätig. 1976 wechselt er zu Nukem Hanau.

Dass Quillmann ein kluger, innovativer Kopf ist, beweist die Tatsache, dass er über 25 Patente aus dem Fachbereich Chemie angemeldet und unzählige Beiträge in Fachzeitschriften publiziert hat. Herausragend sind seine veröffentlichten kerntechnischen Kurzzeichen in der Zeitschrift „Atomwirtschaft“. In Nidderau ist er Mitglied zahlreicher Vereine.

Großes Interesse hegt er für den Verein der Natur-und Kulturführer Wetterau-Vogelsberg-Taunus. Zertifizierte Natur-und Kulturführer haben sich in dem 2007 gegründeten Verein zusammengeschlossen, um Gästen Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten der Region zu vermitteln. „Ich habe 1996 mit Führungen für die Stadt Nidderau begonnen“, sagt Quillmann. Von 1996 bis 2017 vermittelt er 15 161 Teilnehmern in 532 Führungen Geschichten aus der Historie. „Ich kam mir oft vor wie ein Entertainer“, blickt er auf seine Tätigkeit als Stadtführer zurück.

Führung mit Head-Set

Der Kontakt zu Menschen und der wirtschaftliche Nutzen der Führungen fürs heimische Gewerbe sind ihm wichtig. Maximal vier Kilometer legt er zu Fuß bei Stadtführungen zurück, bis zu sieben Kilometer „auf den Pfaden der Schmuggler“. Die letzte Führung bewältigt er, mit Head-Set ausgestattet, vom Sitz eines Elektro-Scooters. Interessierte führt er auch zum Wartbaum und durch das Feldflora-Reservat.

„Besonders gern habe ich Führungen für Rollstuhlfahrer gemacht“, sagt Quillmann. Bis 2004 führt er Gäste für die Heimatfreunde Windecken. Seit 2010 ist er Natur- und Kulturführer. 2010 erhält er auch das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Auch Führungen für Kindertagesstätten und Schulen stehen in Quillmanns Terminkalender.

Seit 2002 übernimmt er die Aufsicht in der Stiftskirche und ist dort heute noch immer am ersten Donnerstag im Monat von 15 bis 17 Uhr anzutreffen. Privat beschäftigt sich der 85-Jährige sich mit genealogischen Forschungen, hat bisher unbekannte Formeln zur Ermittlung der Kreiszahl veröffentlicht und dokumentiert die Geschichte der Flurnamen. Die 150 Bände umfassende Sammlung von Nidderauer Autoren im Rathaus, hat Quillmann der Stadt übereignet. Arbeiten des Buchbinders finanziert er aus eigener Tasche.

Sein Ruf in Windecken als Stadtführer ist so legendär, dass sich niemand traut, in die Fußstapfen zu treten. „Wir suchen händeringend einen Nachfolger und haben Aufrufe gestartet. Rückmeldungen waren bisher spärlich“, sagt Corinna Wagner vom Fachbereich Innere Verwaltung der Stadt Nidderau.

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