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Karbener Initiative: Stolpersteine gegen das Vergessen

Von Auf Betreiben der Initiative Stolpersteine in Karben wurden bislang 56 Stolpersteine in den Stadtteilen zur Erinnerung an die Menschen verlegt, die einst hier lebten und in den Konzentrationslagern ermordet wurden. Und die Arbeit geht weiter.
Insgesamt verlegte Gunther Demnig in Karben bisher 56 Stolpersteine – hier im Jahr 2008. Bilder > Insgesamt verlegte Gunther Demnig in Karben bisher 56 Stolpersteine – hier im Jahr 2008.
Karben. 

In den vergangenen zehn Jahren hat die Initiative mehr als 100 Einzelschicksale recherchiert. „Mit der Verlegung von Stolpersteinen wollen wir an die früheren Bürger Karbens erinnern. Darüber hinaus war es uns ein Anliegen, die Menschen zu informieren und mitzunehmen durch Veranstaltungen und Gespräche mit Zeitzeugen“, sagen Irma Mattner und Hartmut Polzer von der Initiative Stolpersteine in Karben im Rückblick.

Die Teilnahme an einer Verlegung von Stolpersteinen in Bad Vilbel im Jahr 2006 habe den Anstoß gegeben, so etwas auch in Karben zu initiieren, erzählen Mattner und Polzer. Wenn man vor dem Haus stehe, in dem der Mensch gelebt habe und zudem etwas über sein Leben erfahre, „dann ist es fast so, als ob man denjenigen gekannt hat“.

Vor zehn Jahren gestartet

Vor zehn Jahren haben sie mit ihren Recherche-Arbeiten begonnen, im darauffolgenden Jahr haben sie die Initiative gegründet. Für die Daten, die der Künstler Gunter Demnig benötigt, um die Steine zur Erinnerung an die Opfer des Holocausts in den Gehweg verlegen zu können, haben sie via Internet bei Yad Vashem recherchiert, im Bundesarchiv, in regionalen Archiven wie den Staatsarchiven in Wiesbaden und Darmstadt sowie im Jüdischen Museum in Frankfurt. Helmut Weigands Dokumentation „Groß-Karben und seine Juden“ habe ihnen ebenso geholfen wie die Unterstützung durch Helmut Heide; beide sind verstorbene Mitglieder des Geschichtsvereins.

Durch ihre Recherchen haben sie in Erfahrung gebracht, wie die jüdischen Bürger einst in Karben lebten, in welchen Vereinen sie verwurzelt waren und welche Kontakte zu den christlichen Nachbarn bestanden. Die Recherche-Ergebnisse machten das funktionierende Miteinander von Juden und Christen in den kleinen Karbener Stadtteilen bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten deutlich, sagt Polzer.

Service: Trude Simonsohn berichtet

Am Montag (23. Mai) ab 19 Uhr berichtet Trude Simonsohn im evangelischen Gemeindehaus in Groß-Karben (gegenüber des Degenfeld’schen Schlosses) über ihr Leben und Überleben in der Nazi-Diktatur.

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Schüler machen mit

Im November 2007 fand die erste Verlegung von Stolpersteinen durch Gunter Demnig statt. Bis jetzt hat er 56 Stolpersteine in Karben verlegt.

Bei den Verlegungen hat die Initiative mit der Karbener Kurt-Schumacher-Schule kooperiert und Schüler eingebunden. So trugen diese während der Verlegungen einzelne Schicksale vor. An manchen Verlegungen nahmen Nachfahren der Ermordeten teil, die dafür weite Anreisen in Kauf nahmen.

Für ihr Engagement hat die Initiative im Jahr 2009 den Kulturehrenpreis der Stadt Karben bekommen: Im Jahr 2013 wurde die mit dem Ehrenamtspreis der SPD Hessen Süd ausgezeichnet.

Zu den ersten Zeitzeugen, die von der Initiative im Laufe der Jahre eingeladen wurden, gehörte Trude Simonsohn im Juni 2007. Durch Gespräche mit Zeitzeugen wolle man die Erinnerung anschaulich machen, sagen Mattner und Polzer.

Die Initiative – sie gehört dem „Bündnis für ein offenes Karben“ an – hat mit anderen kooperiert, etwa beim Pogromgedenken und beim „Trialog der Religionen“ mit dem Deutsch-Ausländischen-Freundschaftskreis sowie mit verschiedenen Kirchengemeinden.

Von Beginn an haben Mattner und Polzer die Ergebnisse ihrer Recherchen im Internet veröffentlicht. Auf der Internetseite der Initiative finden sich zudem Informationen in englischer Sprache.

Zu den beeindruckendsten Erlebnissen in den vergangenen Jahren „gehörten persönliche Begegnungen“, sagen Mattner und Polzer. Etwa jene mit Klara Kirschberg, geboren 1922 in Burg-Gräfenrode, damals „Klärchen“ genannt. Die Jüdin – nach ihrer Hochzeit hieß sie Clare Zweig – überlebte den Holocaust durch einen Kindertransport und wanderte in die USA aus. Dort besuchte Polzer sie zunächst für ein Interview, das als Grundlage für den Film „Klärchen – Flucht in eine fremde Welt“ diente, der in Karben gezeigt wurde. Daraus entwickelte sich eine Freundschaft, die bis zu Zweigs Tod im Jahr 2014 andauerte.

Zudem trafen Mattner und Polzer mit Nachfahren aus den USA zusammen, die sich auf Spurensuche nach ihren Vorfahren in Karben aufhielten. „Wir möchten dazu beitragen, dass die Erinnerung an die früheren Karbener Bürger wachgehalten wird und dass sich so etwas nicht wiederholt“, sagen Irma Mattner und Hartmut Polzer.

Weitere Informationen zur Initiative gibt es im Internet unter www.stolpersteine-in-karben.de.

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