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Unsere Heimat ist die ganze Welt

Von Die evangelische Kirchengemeinde Sankt Michaelis in Klein-Karben, der Deutsch-Ausländische Freundschaftskreis (DAF) sowie die Initiative Stolpersteine erinnern an die Novemberpogrome von 1938: Sie laden zu einer Gedenkveranstaltung unter dem Motto „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“ ein.
Corinna Danzer und Jonas Lohse begleiten die Gedenkveranstaltung musikalisch am Alt-Saxophon und am Kontrabass.	Foto: Susanne Krejcik Corinna Danzer und Jonas Lohse begleiten die Gedenkveranstaltung musikalisch am Alt-Saxophon und am Kontrabass. Foto: Susanne Krejcik
Karben. 

„Ich wünsche mir, dass sich die Menschen als Menschen sehen ohne Unterscheidung nach Hautfarbe und Religion“, sagt Quoc Phong Pham. Er ist in Vietnam geboren und lebt seit 1982 in Deutschland. Weltweit seien im vergangenen Jahr 51 Millionen Menschen auf der Flucht gewesen, sagt Pfarrer Werner Giesler von der evangelischen Kirchengemeinde Sankt Michaelis. In Karben lebten derzeit 56 Flüchtlinge: Hinter diesen Zahlen stehe die Fluchtgeschichte jedes Einzelnen, sagt Pfarrer Giesler. Corinna Danzer und Jonas Lohse begleiten die Gedenkveranstaltung musikalisch mit stimmungsvollen Klängen am Alt-Saxophon und am Kontrabass.

In Gesprächen mit Flüchtlingen falle es ihm oftmals schwer zu begreifen, „was die Menschen auf ihrer Flucht erlebt und an Leib und Seele ausgehalten haben“, sagt Giesler. Dann stellt er gemeinsam mit Leah Hein von der Kirchengemeinde Bruchstücke von unterschiedlichen Fluchtgeschichten vor.

Einblicke ins Leben

„Ich lag auf einmal im Wasser. Weit und breit nur Wasser. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich im Wasser lag. Mir kam es vor wie Tage. Da war nur Angst und nochmals Angst. So viele waren ertrunken. Dann haben sie mich rausgezogen“, heißt es da. Quoc Phong Pham aus Vietnam und Morteza aus dem Iran geben Einblicke in ihr Leben. In Vietnam hätten die Sieger nach Beendigung des Vietnamkrieges 1975 mit „Vergeltungsaktionen an den Verlierern begonnen. Wir hatten nicht das Glück einer so friedlichen Wiedervereinigung wie in Deutschland“, sagt Pham. Er gehörte zu den sogenannten „Boat People“, die Ende der 1970er Jahre ihre Flucht auf Booten antraten. Ohne die Eltern sei er gemeinsam mit seinem Bruder aus dem Iran geflohen, berichtet Morteza. In Deutschland sei er „sehr herzlich“ aufgenommen worden, und für ihn sei Deutschland zur Heimat geworden, fügt er hinzu.

Was Zeitzeugen erzählen

Gerhild Brüning vom DAF erinnert an die Vertreibung der Sudetendeutschen aus ihrer Heimat. Hartmut Polzer von der Initiative Stolpersteine berichtet, was Zeitzeugen über den Ablauf der Novemberpogrome in Karben erzählt haben.

Kim Anh Schäfer (15), Schülerin der Kurt-Schumacher-Schule aus Karben, stellt ihre Gedanken zum Begriff „Heimat“ vor. „Unsere Heimat, das ist die ganze Welt. Auch wenn das manchen scheinbar nicht so gefällt“, mit diesen Worten enden ihre Überlegungen.

Die Veranstaltung war Teil des Begleitprogramms zur Ausstellung „Legalisierter Raub“, die noch bis 30. November im Kurhaus Bad Vilbel, Niddastraße 1, gezeigt wird. Informationen im Internet unter www.stolpersteine-in-karben.de.

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