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Was trennte, ist heute grenzenlos

Von 1280 Kilometer auf Schusters Rappen legte der Bad Vilbeler Burkard Fiebig auf seiner 58 Tage dauernden "Grenzerfahrung" entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze zurück. Unter dem Motto "Ab durch die Mitte" berichtete Fiebig im Festsaal des Altenzentrums Heilsberg über seine eindrucksvollen Erlebnisse.
Wandersmann: Burkhard Fiebig erlebte während seines Marsches entlang der früheren Grenze viel Gutes.	Fotos: Privat/Christine fauerbach Wandersmann: Burkhard Fiebig erlebte während seines Marsches entlang der früheren Grenze viel Gutes. Fotos: Privat/Christine fauerbach
Bad Vilbel. 

Betitelt hat Fiebig seinen Vortrag mit "Das grüne Band. Grenzen trennen. Natur verbindet." Im ersten Teil seines informativen, reich bebilderten Vortrages geht er der Frage "Was war die innerdeutsche Grenze?" nach, im zweiten Teil schildert der Sammler von Flugzeugen und Geschichten, der beruflich als kaufmännischer Vorstand bei der "Möwe Jonathan", dem Verein zur Förderung der Jugendhilfe und Erwachsenenbildung tätig ist, seine erlebnisreiche Wanderung.

Schmerzen im Fuß

Die brachte ihm in den letzten beiden Wochen starke Schmerzen im linken Fuß durch einen Ermüdungsbruch und eine am Elektrozaun vom Gasthof Blankenberg zerrissene Hose ein. Daneben aber auch viele interessante Kontakte mit Menschen aus Ost und West, unvergessliche Erlebnisse in der Natur und mit Tieren sowie Zeit für sich selbst.

Die Grenzwanderung startete am 18. Mai im bayerischen Hof. Über Regnitzlosau-Raitschin ging es auf den Brocken, ans Dreiländereck Sachsgrün-Trogen, Sachsen/Bayern/Tschechien und endete am 13 Juli 2012 an der Ostsee. "Ich bin 1280 Kilometer gelaufen. Den größten Teil auf dem Kolonnenweg, ansonsten immer innerhalb der ehemaligen 500-Meter-Sperrzone. Mein durchschnittliches Tagespensum belief sich auf 23,4 Kilometer. Mein Tagesrekord lag bei 34 Kilometer. Rund 80 Prozent der Fläche entlang des Kolonnenwegs hat sich zum grünen Band und Rückzugsgebiet für Natur und Tiere entwickelt. Ein Fünftel wird landwirtschaftlich genutzt oder durch Autobahnkreuze durchschnitten."

Entlang der Grenze wurden Dörfer geschleift, wovon Friedhöfe zeugen. Viele Dörfer, durch die früher die innerdeutsche Grenze verlief, stehen heute leer. In den überwiegend von Senioren bewohnten Orten stehen Ruinen neben tollen Häusern. "Auf dem Kolonnenweg ist es einsam, es fehlen Bänke, Geschäfte und Gaststätten." Ein Vorteil der Ruhe und ein Tipp an alle Gestressten: "Nach einigen Tagen beginnt man zu entschleunigen".

Schäfer mit Vilbeler Bezug

Sein Rucksack wog anfangs 23,5 Kilogramm, später nur noch 16,3 Kilo inklusive der Tagesration an Getränken. Aus dem Vorhaben, auf der Isomatte unterm Sternenhimmel zu übernachten, wurde nichts. Den Wanderer zog es abends in Pensionen mit Bad, weichen Federbetten und deftigem Frühstück.

Sein Fazit: "Es ist längst nicht alles zusammengewachsen zwischen Ost und West. Vor allem nicht in den Köpfen der Menschen. Den besten Job hat die Natur gemacht. Die Mitte Deutschlands ist grenzenlos schön und abwechslungsreich. Ich hatte viele Begegnungen, auch mit einem Schäfer, der in Bad Vilbel ein Patenkind hat, einem Imker, der einen wertvollen Beitrag für die Natur leistet, einem Ex-Grenzsoldaten, einer Weißdornteepflückerin und einem deutsch-deutschen Ehepaar sowie Erlebnisse mit Tieren wie einem Rehkitz. Meinem Kopf ging es ausgezeichnet, meinen Füßen weniger."

Seinen Vortrag schloss er mit einem Zitat von Goethe: "Nur wo du zu Fuß warst, bist du wirklich gewesen." Eine Plakatausstellung zur innerdeutschen Grenze von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur aus Berlin im Saal rundete die Veranstaltung ab.

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