Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 28°C

Karbener Familie floh vor den Nazis: Weglaufen als richtige Lösung

Von Fünf weitere Stolpersteine zur Erinnerung an frühere jüdische Mitbürger werden am Sonntag (26. Juni) in Groß-Karben verlegt. Zudem wird erstmals eine sogenannte Stolperschwelle zum Gedenken an die Synagoge in den Boden eingelassen.
Sportfest 1926 in der Heldenberger Straße in Groß-Karben: Hinten links ist der Schriftzug des Textilgeschäftes von Adolf Strauss nur schwer zu erkennen, das er in der Heldenberger Straße 8 betrieb. Für ihn und seine Angehörigen werden nun Stolpersteine verlegt.	Repros: Susanne Krejcik Bilder > Sportfest 1926 in der Heldenberger Straße in Groß-Karben: Hinten links ist der Schriftzug des Textilgeschäftes von Adolf Strauss nur schwer zu erkennen, das er in der Heldenberger Straße 8 betrieb. Für ihn und seine Angehörigen werden nun Stolpersteine verlegt. Repros: Susanne Krejcik
Karben. 

Vor dem Haus in der Heldenberger Straße 8, am früheren Wohnsitz der Familie, werden Stolpersteine verlegt für Adolf und Ida Strauss, ihre Kinder Liselotte und Walter sowie für die Großmutter der Kinder, Adolfs Mutter Bertha Strauss. Die Familie Adolf Strauss gehört zu jenen jüdischen Bürgern Karbens, die durch frühzeitige Auswanderung dem drohenden Konzentrationslager entkamen.

„Mit der Verlegung der Stolpersteine in Erinnerung an die Familie Strauss wird erneut deutlich, dass die Ausgrenzung der Juden in Groß-Karben schon sehr früh begann und einige durch die Flucht ins Ausland ihr Leben retten konnten“, sagen Irma Mattner und Hartmut Polzer von der Initiative Stolpersteine in Karben.

Mit Wolle gehandelt

Adolf Strauss wurde am 5. Mai 1890 in Groß-Karben als Sohn von Bertha und Markus Strauss geboren. Er heiratete Ida Strauss, geboren am 30. Januar 1894 in Laaspe in Niedersachsen als Ida Buss. Ihre Kinder kamen beide in Groß-Karben zur Welt: Liselotte am 16. Februar 1921 und Walter am 13. Februar 1926. Familienvater Adolf Strauss betrieb in der Heldenberger Straße 8 ein Geschäft für „Manufaktur-, Woll- und Weiß-Waren, Bettfedern, Damen- und Herren-Konfektion“. Am 5. März 1936 wanderte die Familie samt Oma Bertha – Großvater Markus Strauss war bereits 1903 verstorben – in die USA aus.

Die Familie sei weit verzweigt gewesen, sagt Polzer. Und zeigt einen Stammbaum aus der Chronik „Groß-Karben und seine Juden“ von Helmut Weigand. Auch Adolfs Bruder Julius aus der Ludwigstraße 14 hat mit seiner Frau Rosa Strauss am 14. Oktober 1936 Karben in Richtung USA verlassen. Die Brüder standen dort in enger Verbindung, was aus einem Brief hervorgeht.

Gesangverein gegründet

Adolf Strauss’ Cousin Max Strauss aus der Wilhelmstraße 7 gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Männergesangvereins Frohsinn und wurde 1930 bei den Feiern zum 25-jährigen Stiftungsfest noch für seine 25-jährige Mitgliedschaft geehrt. Acht Jahre später konnte er sich mit seiner Ehefrau Recha und den Kindern Berthold und Manfred ebenfalls durch Auswanderung retten.

Max’ Sohn Berthold nahm am Empfang ehemaliger jüdischer Bürger der Stadt Karben im Jahr 1993 teil. Fotos und Briefe geben Einblicke in das Leben von Familie Adolf Strauss nach dem Auswandern in die USA. So ist Liselotte Strauss als verheiratete Lilien Neuhaus mit ihren Kindern und den Großeltern zu sehen. Ein Foto zeigt Opa Adolf Strauss neben seinen Enkeln, die fröhlich in einer Hängematte schaukeln.

Treffpunkt am Kreuzgassbrunnen

Die Verlegung der Stolpersteine und der Stolperschwelle durch den Künstler Gunter Demnig aus Köln finden statt am Sonntag (26. Juni) um 11 Uhr.

clearing

Eine in den 1920er-Jahren begonnene Brieffreundschaft zwischen Ida Strauss und Anna Hess in der Bahnhofstraße 8 dauerte auch nach der Emigration an. Sie „endete erst mit dem Tod von Anna Hess im Jahr 1957“, schreibt Weigand. In einem Brief an Anna Hess aus dem Jahr 1955 erzählt Ida Strauss von familiären Neuigkeiten. So hätten sie ihren Geburtstag „im neuen Haus“ gefeiert. „Es gefällt uns gut“, schreibt sie.

Um neben einzelnen Personen auch an die Synagoge als „Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens“ zu erinnern, soll außer den Stolpersteinen erstmals in Karben eine sogenannte Stolper- oder Gedenkschwelle in der Heldenberger Straße 12 verlegt werden. Diese sehe aus wie etwa sechs Stolpersteine nebeneinander, sei von rotem Granitstein umrahmt – und damit „etwas Besonderes“, so Polzer. Mit der Schwelle soll an die um 1840 erbaute Synagoge erinnert werden, die am 10. November 1938 geschändet und zerstört wurde.

Mit der Aktion am Sonntag wird die Verlegung von Stolpersteinen in Karben voraussichtlich beendet sein. „Dann erinnern 61 Stolpersteine sowie eine Stolperschwelle an die früheren jüdischen Bürger Karbens. Für weitere Verlegungen bräuchten wir weitere oder neue Informationen zu den Schicksalen der Menschen“, erklärt Polzer.

Zur Startseite Mehr aus Wetterau/Main-Kinzig

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse