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Wenn Karbener zu Römern werden

Die Klasse 4 der Grundschule Kloppenheim startete beim Projekt Zeitung in der Grundschule (Zing) auf der Saalburg zu einer Zeitreise zu den Römern. Auf ihrem Marsch durch das Kastell Saalburg verwandelten sie sich in Legionäre, Senatoren, Sklaven und edle römische Damen.
Karben. 

Nach einer gemütlichen Busfahrt stürmten wir voller Vorfreude die 1800 Jahre alte Saalburg. Durch das große Eingangstor, an dem uns eine lebensgroße Römerstatue begrüßte, gelangten wir ins Innere des Kastells. Mit einem freundlichen und lauten "Salve" hießen uns der Museumspädagogische Leiter und Archäologe Rüdiger Schwarz und der Altphilologe Gerd Hermann willkommen.

"Altphil . . . was?" Fragende Gesichter ringsum. Nachdem Hermann uns aber auch noch in griechisch begrüßte, ahnten wir langsam, was es mit seiner Berufsbezeichnung auf sich hatte und dass er sich perfekt mit Latein und Griechisch auskennt. "Natürlich ist das hier alles nicht mehr original. Aber man hat versucht, alles so gut wie möglich wiederherzustellen", klärte er uns gleich zu Beginn nach einigen neugierigen Fragen auf.

Im Gleichschritt marsch

 

Nach der Begrüßung marschierten wir mit neun Stundenkilometern, dem normalen Marschtempo der römischen Legionäre, im Gleichschritt los. "Nicht so schnell!" und "Halt, ich komme nicht mit!", hörte man schon die ersten stöhnen. Mit dem Befehl "state" brachte uns Hermann wieder zum Stehen und beendete den Legionärsmarsch.

Unsere beiden "Befehlshaber" führten uns zunächst in den Museumspädagogischen Raum der Saalburg. Hier durften sich drei von uns in die Römerzeit zurückversetzen lassen. Jan verwandelte sich in einen römischen Legionär. Als er die römische Unterkleidung, die Tunika, angelegt bekam, lachte er noch.

Aber als ihm das neun Kilogramm schwere Kettenhemd, die lorica harmata, übergezogen wurde, sackte er zusammen. "Wann komme ich hier nur wieder raus?", dachte Jan. Aber das war noch nicht das Ende. Zur Ausrüstung gehörte noch ein Schwert, ein Speer und ein Schild. Insgesamt wog die ganze Ausrüstung 25 Kilogramm.

Als Hermann uns dann sagte: "Und stellt euch vor, damit sind sie kilometerweit marschiert", waren doch die meisten froh, keine römischen Soldaten zu sein. Vor allem als er uns noch die typisch römischen Sandalen zeigte und meinte: "Wenn ihr wissen wollt, wie es sich anfühlt, in denen zu laufen, dann bindet euch einfach zwei Frühstücksbrettchen unter die Füße." Wir mussten alle laut lachen.

Jeremy wurde zu einem römischen Senator. Dazu bekam er über die Tunika die Senatorentoga, die er immer trug, wenn er aus dem Haus ging. Nicht schlecht staunten wir, als wir erfuhren, dass die Farbe für die roten Streifen auf der Toga von Schnecken stammte. Für eine Toga brauchte man 30 000 ausgequetschte Purpurschnecken. Tara wurde in eine römische Ehefrau verwandelt und lernte, dass sie ein Tuch auch über den Kopf ziehen musste, wenn sie aus dem Haus ging. Erstaunt waren wir auch, dass 15 bis 20 Prozent unserer Sprache aus dem Lateinischen kommt. Auf dem Weg zurück zu den Unterkünften der römischen Soldaten erfuhren wir, wie hart das Leben eines Legionärs war.

Familie Legion

 

Mitschüler Simon wurde von Hermann zum Chatten (das war ein alter Stamm bei Kassel) Ranulf ernannt. Nach einem "Gesundheitscheck" (Kontrolle der Zähne und ob er drei Finger erkennen kann) wurde Simon für 25 Jahre in der römischen Armee verpflichtet.

Wir erfuhren, dass Ranulf vielleicht auch einer der 600 Mann war, die auf der Saalburg ihren Dienst verrichteten. Zusammen mit seinem acht Mann starken "Contubernium" war er für diese Zeit eine eingeschworene Truppe. "Das war jetzt seine Familie. Sie lebten zusammen in einer nur 35 Quadratmeter großen Stube", berichtete uns Hermann.

Der wichtigste Raum der Saalburg ist das Fahnenheiligtum. Hier sind die Feldzeichen der Armee untergebracht.

"Im Feldzeichen, so glaubten die Römer, ist die göttliche Kraft, die den Soldaten schützt. Ein römischer Soldat beschützte das Feldzeichen mit seinem Leben", erzählte uns Hermann. Etwas gruselig wurde es, als wir erfuhren, dass auf der Saalburg ein toter römischer Legionär ausgegraben wurde und eines dieser Feldzeichen unter seinem Körper lag.

Dann sahen wir, wie Rüdiger Schwarz mit Betreuern der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste und jungen Leuten, die ihr Freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege leisten, einen römischen Ziegelofen nachbaute. Als wir uns im Regen über die schlammige Wiese kämpften und dabei zusahen, wussten wir endgültig, dass das Römerleben kein Zuckerschlecken war. Erschöpft, aber mit vielen Informationen kehrten wir in unsere Zeit zurück.

Von Fynn Balka von Dreihann, Lars Burmeister, Maria Bychkova, Leonardo de Aguiar Matanovic, Jeremy Elia, Amy Gartz, Jan Frieder Huschens, Christian Kolke, Eda Kurt, Martin Lexa, Simon Lüttig, Lisa Marie Menger, Annabelle Neu, Julia Nguyen, Daria Pindrys, Tara Pirwayssian, Lucas Pompe, Benjamin Pompe, Lukas Presl, Sophie Rodenhagen, Esra Sakiri, Malin Stavenow, Jakob Virk, Lina Marie Zöllner

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